
Eine Konferenz ohne eine einzige Zeile JavaScript, aber mit zahlreichen Webentwicklern im Publikum? Gibt es! Die beyond tellerrand in Düsseldorf ist mittlerweile in ihrem dritten Jahr und vom Geheimtipp längst zum Pflichtprogramm für Programmierer und Designer geworden! Warum? Na, weil der Name absolut Programm ist! Die beyond tellerrand ist genau die nötige Horizonterweiterung, die wir Webentwickler brauchen, um mit frischen Ideen und neuer Motivation an bekannte Dinge zu gehen. Eine Rundumschau in andere Bereiche, die so eng mit dem eigenen verknüpft sind, in die man aber dennoch viel zu selten dringt. Sozusagen der Grundsatz des Netural Biotops auf eine Konferenz ausgedehnt.Welches Niveau auf der Konferenz herrscht, zeigte gleich der Auftakt von Jeremy Keith: In seiner Eröffnungs-Keynote sprach er von der Nachhaltigkeit und Langlebigkeit des Webs. “Das Internet vergisst nie!” sei nicht so in Stein gemeisselt, wie man sich das vielleicht einreden will, oder kann jemand noch Web-Adressen nennen, die vor fünfzehn Jahren existierten und heute noch unbestreitbare Gültigkeit haben? Wenige, wenn überhaupt. Einem Hinweis auf die Archivare des Internet (die Wayback Machine) folgte die Vorstellung weiterer Projekte, die sich um dieses Thema drehen.

Eine klare Grundstimmung auf dem Designsektor war ganz deutlich auszumachen: Photoshop Lies! Das vertraute Tool von Adobe tritt angesichts der zahlreichen Facetten, die mobiles Design mit sich bringt, in Gestaltungsprozessen immer mehr in den Hintergrund. Für den finalen Schliff ist es zwar immer noch unverzichtbar, aber bei den flexiblen Layouts ist mittlerweile frühes Prototyping direkt in HTML und CSS angesagt. Dieser Meinung war nicht nur Megan Fisher, sondern auch Josh Brewer von Twitter, der seiner Position zusätzlichen Impact verschaffte, in dem er seinen gesamten Vortrag nicht nur hielt, sondern sang: Photoshop, you damn liar! Apropos CSS. Es gab da natürlich auch die Stylesheet Gurus, die mit neuen Prinzipien und Methoden die Prozesse auf der Entwicklerseite modernisierten. Der CSS Wizard himself, Harry Roberts, bewies an anschaulichen Beispielen, wie man seine Direktiven skalierbar und wiederverwendbar macht, während Brad Frost mit seinem Pattern Lab die “Atomic Design” Bewegung ins Leben rief: Nicht nur ein Buzzword (auch wenn wir’s bräuchten), sondern eine wohlüberlegte Neustrukturierung von Webseiten.

Mein persönliches Highlight der Veranstaltung fand abseits von Entwicklung, Design und Typography statt: Kate Kiefer-Lee sprach über die Stimme, mit der eine Website zu ihrem Publikum spricht. Als Hauptverantwortliche für den Content des Newsletterproviders Mailchimp sprach sie über die feine Linie zwischen Humor und Unverschämtheit, und wie man in unterschiedlichen Situationen die richtige Message rüberbringt. Im Zuge ihrer Arbeit entstand Voice and Tone, eine Website, in der die verschiedenen Userstimmungen in den unterschiedlichsten Bereichen der Mailchimp Website nicht nur wahrgenommen, sondern auch bearbeitet werden.

Neben der Creme de la Creme des Web präsentiert die beyond tellerrand immer wieder Überraschungen: Mit James Victore, der vor allem in den 90er Jahren mit kritischen Postern zu 500 Jahren Amerika für Aufsehen sorgte (und mittlerweile im Museum of Modern Art ausgestellt wird), gab es einen Speaker von einigen Tellern weiter weg, der aber eine Nachricht vermittelte, die uns alle trifft: Mach einen Job, der dir Spaß macht, denn deine Arbeit ist ein Geschenk! Mein erstes Mal auf der beyond tellerrand war mit Sicherheit nicht das Letzte. Eine hervorragende Auswahl an handverlesenen, internationalen Speakern und eine Top Organisation sind die Basis für eine einzigartige Atmosphäre. Ein großes “Klassentreffen” der Webdeveloper-Szene, die auch mal gern die Dinge abseits JavaScript kennenlernen wollen. Vor dem Organisator Marc Thiele ziehe ich meinen Hut: Marc, hier hast du etwas ganz Großartiges geschaffen!
Stefan Baumgartner, Frontend-Team Netural
Stefan Nitzsche, Fotos
Auch in diesem Jahr sammelte Netural wieder jede Menge Inspiration auf der TYPO 2013 in Berlin, die in diesem Jahr unter dem Thema “Touch” stattfand.
Nach einer unerwarteten Verirrung im Wald (Keep in touch with nature! – auch in der Großstadt) begann die Konferenz für uns mit Nancy Birkhölzer und Reto Wettach und deren Vortrag “Alle Macht dem Analogen” – ein Thema, das in der heutigen immer digitaleren Welt mit Sicherheit ein sehr spannendes ist. Während dieser Stunde ermutigten die beiden auf der Bühne: “Empower the mind, the body, everyday, the relationship, the neighborhood, the understanding and the aspiration” – 7 wichtige Punkte also, die man auch im digitalen Zeitalter vorrangig behandeln sollte.
Im nächsten Talk wurden wir auf eine kleine Reise nach Russland entführt – Peter Bankov und Mitya Kharshak zeigten anhand ihrer Magazine “KAK“ (zu deutsch “WIE”) und “Projector“, wie man in ihren Augen eine Design-Zeitschrift und vor allem deren Cover gestaltet.

Gestärkt von einer kleinen Kaffee-Pause im Sonnenschein ging es weiter mit dem Österreicher Florian Kaps und seinem Projekt “Impossible“. Mit seiner großen Leidenschaft für Polaroid versuchte Kaps mit allen Mitteln das Sofortbild zu retten, als sämtliche Fabriken geschlossen wurden. Heraus kam “Impossible” – die Neuauflage der Polaroid-Technologie – derzeit noch in der Entwicklung, aber dennoch bereits mit neuen Features à la Sofortbilder vom iPhone. Vor allem für Fotografie-Interessierte ein wahnsinnig spannender Vortrag und kleiner Ausflug in die analoge Welt.
Den Abschluss der Vorträge des ersten Tages bildete Anthony Burrill mit einem Showcase seiner besten Arbeiten, allen voran seine vorwiegend durch Pinterest und Co. bekannt gewordenen Plakatideen – erstellt mit simplen Sätzen, aber umso aufwendigeren Druckverfahren.

Die TYPO wäre nicht die TYPO, hätte es nicht auch in diesem Jahr wieder ein Special am Ende des Tages gegeben. In diesem Fall war dies ein Live-Battle zwischen Martina Flor und Giuseppe Salerno, welche das Publikum abstimmen ließen, ob denn nun das Konstruieren (Lettering) oder das Zeichnen bzw. Schreiben (Calligraphy) von Buchstaben die bessere Variante sei. Am Schluss gewinnt Giuseppe (Calligraphy) mit seinem ß, welches er über eine gesamte Hauswand gemalt hatte.
Am zweiten Tag eröffneten Carolin Rauen und Max Kuehne von “Paperlux“ die Konferenz mit ihrem Vortrag “You can’t touch this? Und ob – das solltest du sogar!”. Gezeigt wurden kreative Ideen aus Papier mit beeindruckenden Druckveredelungen und aufwendigen Konzepten – Projekte, die viel Gefühl vermitteln.

Die im wahrsten Sinne merkwürdigste Performance der gesamten Konferenz gestaltete darauf der Pole Grzegorz Laszuks. Mit selbstgedrehten Videos und einem verrückten, musikalischen Auftritt begeisterte er den Großteil des Publikums, während andere sich bloß wundern konnten – ein künstlerischer Akt, der auf jeden Fall in Erinnerung blieb.
Einen der interessantesten Vorträge in diesem Jahr hielt Kate Moross zum Thema “Es gibt keine Mauern”. Die 27-jährige Designerin ist geprägt durch Punk und Improvisation, sie schwört auf das Motto “Simple is great”. In ihrer Präsentation zeigt sie uns Musikvideos und gibt ein wenig von ihrem abwechslungsreichen Leben preis.
Diesen Tag beendete Neville Brody, Pionier und einer der einflussreichsten Grafiker der Welt mit Research Studios in London, Paris, Berlin, Barcelona und Tokio. Außerdem ist Brody langjähriger Wegbegleiter der TYPO, welche sich mit der Zeit aus seinen früher veranstalteten FUSE-Konferenzen entwickelte – also quasi ein Ehrengast auf der Konferenz. Er ermutigte das Publikum, Risiken in Kauf zu nehmen und nicht das diesjährige Thema zu vergessen – “Keep in touch”.
Wie in jedem Jahr verging die Zeit auf der TYPO rasend schnell – schon war der dritte und somit letzte Tag der Konferenz gekommen. Eingeleitet wurde dieser von Andreas Koop und seinem Talk zur Macht der Schrift. Koop vermittelte dieses Thema anhand einiger Beispiele aus der Geschichte – welches Schriftbild passte zu Kaiser Wilhelm II., welches hatte Adolf Hitler? Auf jeden Fall ein anderes als Angela Merkel. Schrift trägt stets einen großen Teil zur Aussage bei, sie sollte aufs Publikum wirken und entsprechende Emotionen auslösen. Trotz des eher schwierigen Themas ein sehr sympathischer Vortrag des Designforschers.
Eine besonders für uns sehr spannende Präsentation kam danach von Gesche Joost, die am Forschungs-Lab der Universität der Künste in Berlin arbeitet. Sie zeigte die Vernetzung der Dinge im Alltag und erzählte über das immer wichtiger werdende “Internet of Things”. So könnten Schlaganfall-Patienten bereits in naher Zukunft bloß durch Angreifen ihrer Jacke an einer bestimmten Stelle einen Notruf auslösen. Handys könnten ihre Form verändern oder ihr Gewicht verlagern, um dem User im Navigations-Modus ohne Blick auf das Display den richtigen Weg zu zeigen. Taubblinden könnte es mit Handschuhen als Kommunikation-Device möglich sein, Nachrichten zu empfangen und zu senden. Ein innovativer Talk über die Rolle von Design in Forschungsprojekten und eine vernetzte Gesellschaft.

Nach einem Vortrag von Manuel Krebs über Physiognomie, Schriftmischungen und ein hysterisch lachendes “e” sowie einem Ausflug in die Welt des Schriftendesigns von Henrik Kubel, betrat nun Jessica Walsh die Bühne – ein Moment, auf den so gut wie alle TYPO Besucher gewartet hatten. Walsh gründete vor einem Jahr gemeinsam mit Stefan Sagmeister das Studio “Sagmeister & Walsh” in New York. Um dies der Welt mitzuteilen, zog sie sich gemeinsam mit Sagmeister splitternackt aus und verschickte dieses Foto als Karte. Generell ist Jessica der Meinung: Willst du eine Nachricht schnell verbreiten, zieh’ dich aus und mach’ Fotos! Das geht um die Welt! Das generelle Thema ihres Vortrags war “Creative Play”: Spiel sollte nicht Gegenteil sondern Teil der Arbeit sein. Spielen brachte schon so manche Erfindung hervor oder wie schon Einstein sagte “Play is the highest form of research”. Passend zu diesem Thema zeigte Jessica diverse Projekte, die dem Publikum den Atem raubten. Ein kreativer Geistesblitz jagte den nächsten – ein guter Abschluss der diesjährigen Konferenz. Mit einem beinahe zu perfekten Schlusswort beendete Jessica Walsh die TYPO 2013: “Do what you love and you will never work a day in your life.”

Wie lautet nun also das Fazit der diesjährigen Konferenz?
Auch, wenn das Thema Touch eher Vorträge über Interaktion, verschiedene Devices und virtuelle Oberflächen vermuten ließ, gab es auch trotz der eher freien Vorträge frische Ideen und neue Herangehensweisen mitzunehmen. Nach wie vor ist Typografie Hauptthema auf der TYPO, wie ja auch der Name vermuten lässt – ein Aspekt, der in der heutigen, digitalen Welt oft außer Acht gelassen wird. Trotz guter Techniken zur Webfont-Einbindung kommt die tiefere Auseinandersetzung mit Schrift und deren Wirkung auf den Menschen oftmals zu kurz. Die TYPO regte an, über digitale Grenzen hinaus zu denken, das Analoge nicht zu vergessen und dennoch stets am aktuellsten Punkt der Forschung zu sein.
Und auch für unseren Blogartikel hatte Jessica Walsh das passende Ende parat – “Be fearless and have the confidence to fail” – im Endeffekt kannst du nur (dazu) gewinnen.
Isabella Fahrner, User Experience Team Netural

Dem Namen Bruketa&Zinic begegnete man in den letzten Jahren immer häufiger. Zum Beispiel in Titelstorys trendsetzender Design- und Marketing-Magazine, in Jurys internationaler Kreativ-Festivals, rund 400 Mal unter den Preisträgern wichtiger Auszeichnungen für Kreativität und Effizienz und 2012 auf dem stolzen 2. Platz im Effie-Ranking der effizientesten inhabergeführten Agenturen der Welt.
Wir haben Bruketa&Zinic in Projektpartnerschaften wie z.B. der Entwicklung der Erfolgsmarke Form-on kennengelernt und dabei das rare Erlebnis der „selben Welle“ genossen: Wir teilen den selben kreativen Inspirationsfunken, die strategische Herangehensweise – und schnell war klar, dass wir gerne viel öfter, enger und systematisch zusammenarbeiten würden.
Nichts hält eine Idee auf, deren Zeit gekommen ist, und die Zeit für diese Kooperation ist zweifellos gekommen: Einerseits wünschen sich immer mehr Netural-Kunden im deutschen Sprachraum über die digitale Kommunikation hinaus kreative Rundum-Betreuung. Andererseits vermutet Bruketa&Zinic OM mit Recht, dass ein Kreativagentur-Netzwerk mit Büros in Zagreb, Belgrad und Baku/Aserbaidschan ein hochinteressantes Angebot für den deutschen Sprachraum und speziell den Wiener Werbemarkt ist.
Jetzt ist es offiziell. Als Joint Venture mit Netural eröffnet Bruketa&Zinic OM eine Niederlassung in Wien. Gemeinsam bieten wir ein umfassendes Paket an Kommunikationsleistungen jeder Art. Zur digitalen und interaktiven Kommunikation gesellen sich nun auch Branding, die Entwicklung von Kommunikationsstrategien, Offline-Marketingkommunikation und das Design von Sales-Outlets.
In Wien werden Netural und Bruketa&Zinic OM Wien an einer gemeinsamen Büroadresse residieren. Als Pionierin übersiedelt CD Tanja Skoric von Zagreb in die Neustiftgasse. Tanja arbeitete als Art Direktorin, Texterin und Designerin bei BBDO Croatia, Proximity Zagreb und Bruketa&Zinic. Als Kreativdirektorin bei Bruketa&Zinic OM hat sie nicht wenige Kreativtrophäen zur reichen Sammlung der Agentur beigetragen. Aber überlassen wir ihr selbst das Wort:

Netural: Kannst Du in wenigen Sätzen beschreiben, was Bruketa&Zinic OM so außergewöhnlich erfolgreich gemacht hat?
Tanja Skoric: Wir nehmen die Erarbeitung der Kommunikationsstrategie genau so wichtig wie die Entwicklung der kreativen Lösung. Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, forschen, analysieren und erarbeiten ein tiefes Verständnis für ihr Geschäft und das Umfeld, bevor wir zur kreativen Ideenfindung übergehen. Das liefert den smarten Background für Lösungen, die einen echten Reason Why bieten. Ein weiterer Grund ist wohl unsere Agenturkultur: Kreativabteilung und Kundenbetreuung existieren nicht getrennt, sondern arbeiten als Team zusammen. Externe und interne Weiterbildung spielen auch eine wichtige Rolle. Und außerdem essen wir alle Karotten in außergewöhnlichen Mengen. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber wer weiß?
Netural: Auf welchen Typus von Kunden wird Bruketa&Zinic OM Wien fokussieren?
Tanja Skoric: Unsere Agenturen in Zagreb, Belgrad und Baku haben breite Erfahrung in einer Vielzahl von Feldern, angefangen bei Telekommunikation und Finanzdienstleistungen bis hin zu Lebensmitteln und Getränken. Entsprechend groß ist die Bandbreite der Märkte und der potenziellen Kunden. Speziell interessant sind wir sicher für Unternehmen, die Märkte in Kroatien, Serbien, Slovenien, Bosnien, Mazedonien, Montenegro und Aserbaidschan zu bearbeiten haben. Aber setzen wir uns keine zu engen Grenzen – wir waren auch schon in anderen internationalen Märkten erfolgreich aktiv. Was können wir für dich tun, Österreich?
Netural: In einem Satz: Welches Angebot hat Bruketa&Zinic OM Wien für solche Kunden?
Tanja Skoric: Wir bieten eine integrierte Servicepalette, mit umfassenden Kompetenzen in digitaler Kommunikation, New Media-Plattformen und neuen Technologien, kombiniert mit Branding, Offline-Marktkommunikation, Werbung, Grafikdesign und Outlet-Design. Außerdem brillieren wir in den Disziplinen Tischfußball, Flippern und spätnächtliche Pizzabestellung.
Netural: Davor Bruketa soll einmal gesagt haben, Ideen sind wie Hosen – jeder hat ein paar. Wahrheit oder Werbelegende?
Tanja Skoric: Das war in Wirklichkeit Nikola Zinic, und es ging in Wirklichkeit auch um Unterhosen, und alle Geschichten, in denen es sich um Unterwäsche dreht, werden ohne weiteres Nachdenken Davor zugeschrieben. Warum eigentlich? Aber im Ernst: Der Unterwäsche-Vergleich ist ausgesprochen tragfähig: Jeder hat eine, irgendeine Idee. So gut wie immer. Und zu beinahe jedem Thema. Aber unser Job in Werbung und Kommunikation ist es, funktionierende Ideen zu entwickeln, die Märkte zu bewegen und unseren Kunden bei der Bewältigung ihrer kommunikativen Herausforderungen zu helfen.
Netural: Du bist im Begriff, von Zagreb nach Wien zu übersiedeln. Worauf freust Du Dich am meisten?
Tanja Skoric: Die Konzerte!!! Aber davon abgesehen – jeder Markt und jedes Land hat seine ganz speziellen ungeschriebenen Gesetze. Sie zu entdecken ist spannend, sie zu verstehen ist wichtig. Ich freue mich sehr darauf, Österreich kennenzulernen, das Denken, das Leben und die Business-Kultur. Das wird anstrengend, aber zugleich ein Riesenvergnügen. Obwohl ich den Verdacht habe, meine Umgebung wird in der ersten Zeit mehr zu lachen haben als ich. Noch spreche ich so gut wie kein Deutsch, und entsprechend wird der Spaß anfangs auf eurer Seite sein.
Im Frühjahr häufen sich die Fachkonferenztermine der Digitalwirtschaft. Daher standen mit Ende April auch gleich zwei Events als “must attend” im Kalender: zum einen die achte Auflage von Sinner Schraders Next Conference in Berlin (23. und 24. April), zum anderen die AllFacebook Marketing Conference (29. April) in München. Nummer drei – die re:publica, wiederum in Berlin, startet mit heute (6. bis 8. Mai).
(Und wären wir in puncto Konferenzen wirklich konsequent, hätten wir auch The Next Web – 25. und 26. April in Amsterdam – besuchen müssen. Was sich leider nicht ausging. Schade, denn der neue Niederländische König Willem Alexander als Eröffnungsredner hätte – fünf Tage vor seiner Krönung – dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, seines Zeichens Next-Aufputz 2013, nochmals den Rang abgelaufen. Und ja, anhand dieses prominenten Interesses am Digitalen ist gut zu erkennen, dass die nicht mehr ganz junge Branche nun in der Mitte der Wirtschaft anlangt und auch die bedeutenden Wirtschaftsstandorte die Kraft der vielen putzigen Startups fürs Gesamte entdecken.)
Kurz: alle sind sich der Bedeutung bewusst. Mitunter deshalb bekommen Konferenzen auch klingende Credos wie “Here be dragons” (Next). Angedeutet hier: das Spannungsfeld zwischen der Angst und der mutigen Tat, zwischen dem Zögern und dem Töten des Drachen. Umgelegt auf die Digitalisierung der Welt heißt das dann wohl: Überwinde Dein Festhalten am Businessmodell deiner Vorväter, stürze dich in die Herausforderungen einer neuen Welt – datengetrieben, omnipräsent, smart, augmented. Und während “Big Mother” deine Privatsphäre neu definiert, flexibilisierst du dich und widmest dich der Interpretation des Buzzwords “Big Data”. (The return of “big is beautiful”? Ende der Nachhaltigkeitsaskese?)
Was passt da besser ins Programm als Googles jüngste Innovation Google Glass? Robert Scoble, amerikanischer Blogger und Ex-Microsoft Evangelist, kam zur Next nach Berlin, um Googles Augmented Reaility-Brille erstmals in Europa vorzustellen. Das Interesse war groß, das Medienecho gesichert. Und obwohl zukünftige Nutzer in kritischen Blogs schon jetzt als “Glassholes” verlacht werden, würden gefühlte 90% des Next-Publikums eher heute als morgen das Gadget erstehen, wenn es schon im freien Verkauf wäre. Für Robert Scoble ein eindeutiges Indiz, dass es sich hier um “the next big thing” handelt, um eine Plattform, die die Mediennutzung ähnlich verändert, wie es das iPhone getan hat.

Einmalige Chance: Robert Scobles Googles Glass aufprobieren. Im ersten Moment ungewohnt.
Neben “Big Data” und “Augmented” in diesem Jahr mit Nachdruck beschworen: “Mobile first” und der Switch von “User Experience” zu “Service Design”. Während das eine nicht neu ist, aber aufgrund der allgemeinen Mediennutzung von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt (und noch immer nicht in alle Köpfe gedrungen zu sein scheint), forciert das andere eine junge Disziplin, die schon im Herbst 2012 eine Mini-Next gewidmet bekam. Mit “Service Design” wird die Gestaltung von Dienstleistungen definiert. Angebote, die heute im Wesentlichen auch über digitale Medienkanäle bereitgestellt werden, oder wenigstens angeboten. Im Fokus stehen alle unzähligen Touchpoints der Kunden mit dem Service und der Wolke aus Kommunikationsschnipsel, in der es daherkommt.
Ebenfalls im Vormarsch: der Begriff “Echtzeit”. Gerade die Vielzahl an Livedaten ermöglichen immer raschere – aber auch präzisere – Reaktionen, One-to-one-Marketing im besten Sinn. US-Präsident Barack Obama verdankt seine Wiederwahl 2012 mitunter einem 120 Köpfen starken IT-Team, das in den Swing States Straßenzüge mit unschlüssige Wählern ausfindig machte und dort per Live-Dashboard Unterstützer aktivierte. Der Chef der Truppe, der Threadless-Mitbegründer Harper Reed, Nerd mit Hipster-Bart und Anzug-Phobie, gab am ersten Abend der Next einen wunderbaren Einblick ins Daten-Gehirn des Wahlkampfs. Und auch wenn es noch ein paar Jahre dauern wird, bis das durchschnittliche mittlere Unternehmen sein CRM mit ähnlichen Strategien aufrüsten wird, so zeichnet sich ein Zukunftsbild deutlich ab: Data Mining als maßgeblicher Erfolgsfaktor im Wettbewerb.

Tech-Hippie mit Unterhaltungswert: Harper Reed, der Mann der Barack Obamas Wiederwahl sicherte.
Doch blieb die Next auch manches schuldig. Fair gesprochen: weniger das Programm als seine Inszenierung. Von ganzen Kerlen (oder -innen), die Drachen töten, keine Spur; eher schon ein vermeintlich gesicherter Rückzug gegenüber den durchaus glanzvollen vorangegangenen Jahren. Vielleicht war es auch nur das Berliner Congress Center, das so gar nicht mit der ehemaligen Location, der Station Berlin, mithalten konnte, vielleicht auch das lieblose Catering, die lau gestalteten Freiflächen oder die schlecht lesbaren Badges … wie auch immer, wer sich die Latte hoch legt, ist gut beraten, sie auch im Wiederholungsfall zu überspringen. Was nun den Rahmen 2013 betrifft, sei festgehalten: Sprung gerade untendurch. Und das mit dem bitteren Beigeschmack, an die Sponsoren Deutsche Telekom, IBM, Microsoft & Co ohnedies schon das eine oder andere Zugeständnis verkauft zu haben. Dabei übersehen: Sci-Fi-Autor Bruce Sterling, der in seiner abschließenden Keynote die jungen Willigen im Publikum eindringlich vor genau jenen Playern warnte.
Allfacebook Marketing Conference
Eine Gefahr, in die sich die zweite angesagte Veranstaltung, die Allfacebook Marketing Conference, gar nicht begab. Warum auch? Von vornherein auf “Hands on” angelegt, klammerte sie (Netz-)Politisches, Trends und alle großen Entwürfe und Zusammenhänge weitgehend aus, um sich praktischen Fragen zu widmen. Und auch wenn man in der täglichen Agenturarbeit hiervon am meisten profitiert, bleibt das Event selbst dadurch ein klein wenig glanzlos. Wenn schon. Rund 400 Besucher lauschten Tipps zu Facebook Gewinnspielen, zu Facebook Ads, zur Facebook Graph Search, zum neuen Newsfeed und zu Social CRM. Und ja, auch hier: Mobile first quer durch! Im Rückblick sind dennoch zwei Programmpunkte herauszuheben: eine positive Überraschung und eine – vorsichtig gesprochen – Ernüchterung.
Dass in Sozialen Medien B2B anderen Gesetzmäßigkeiten folgt als B2C, wissen wir aus eigenen Projekten, dass es dennoch spannende Terrains gibt, bei gleichzeitig wenigen guten Vorbildern, auch. Matthias Eberle und Carolin Biebrach von Lufthansa Cargo schlugen mit ihrer Präsentation einen weiteren Nagel in die Wall der Best Practice-Beispiele. Anhand von 8 Erfolgsprinzipien erklärten sie ihr Tun und begeisterten mit ihrem stark redaktionellen Zugang zur Unternehmenskommunikation, was wohl auch den Unterschied zwischen 1.0 und 2.0 ausmacht. Die Lufthansa Cargo-Prinzipien: (1) Wahre Geschichten erzählen, (2) Mitarbeiter einbinden, (3) Regelmäßigkeit, (4) Fotos & Videos, (5) echter Dialog. (6) User-generated Content, (7) auf Wünsche und Themenvorschläge eingehen, (8) 100% authentisch bleiben.

Noch gar nicht lange auf Facebook, dennoch schon viele Fans: Lufthansa Cargo Facebook Page.
Authentisch blieb auch Moritz Schäufele von Facebook. Sein Beitrag: “Facebooks Preferred Marketing Developer Programm: Einblicke in das Ecosystem und die Chancen für Agenturen und Entwickler. Best Practices und Erfolgsgeschichten” – womit wir bei der Ernüchterung wären. Kurz: es gibt noch keine Success Stories aus dem deutschsprachigen Raum, aber Facebook wünscht sich welche. Für die nächste Konferenz. Dafür gibt es Moritz Schäufele, der abgesehen von ein paar Ad Cases nichts zu erzählen weiß. Der zu Fragen, die nicht unmittelbar das Developer Programm betreffen, keine Stellung beziehen will und der auf ein Anklopfen, mit welchem Angebot nun kooperationswillige Agenturen rechnen dürften, antwortete: “Mit mir.” (…) Und ausserdem sähe man sich an, ob die Partner den hohen Anforderungen von Facebook gerecht würden. – Na, wenn das kein Anreiz ist …
(Leider demonstrierte Facebook hier einmal mehr, dass es – obwohl “social” per Definition – nur wenig G’spür für User, Werbekunden und Agenturen aufbringt. Wenn Du nicht 100.000e Euro in eine Software-Entwicklung vorschießt oder 10.000 per Monat in Facebook Ads investierst und Dir so den Anspruch auf einen eigenen Account Manager erkaufst, rechne nicht damit, dass sich Facebook mit Dir auseinandersetzen will. – Schade. Die Chancen wären enorm. Für beide Seiten.)
Nun kann man die Arroganz (oder Authentizität?) des Multis nicht den Veranstaltern anlasten, die – ganz im Gegenteil – sehr bemüht waren, sich nicht als Stars in Szene zu setzen (obwohl sie die in ihrer Disziplin eigentlich wären). Aber wenn Allfacebook.de schon keinen besseren Draht zum amerikanischen Riesen hat, um bei der eigenen Konferenz solche Eindrücke zu vermeiden, wer hat den dann?
Ernst Demmel

Orlando, die selbsternannte Vergnügungshauptstadt der Vereinigten Staaten, besteht hauptsächlich aus ausladenden Themenparks, atemberaubenden Resorts und vielen, vielen Rentnervillen. Dass es sich in einem solchen auf 35° Celsius temperierten Paradies unter Palmen auch unerwartet produktiv über die aktuellsten Entwicklungen des weltweiten Webs diskutieren lässt, hat die Crew von COLE Publishing mit ihrer aktuellen Frühlingsausgabe der “Breaking Development”-Konferenz am 8.-10. April 2013 wieder einmal überzeugend bewiesen.
“Breaking Development” ist eine zweitägige Single Track-Konferenz, die vor allem Entwicklungen “beyond the desktop” – also jenseits der handelsüblichen Home-/Office-Rechner, hin zu Mobilgeräten zum Thema hat. In den Staaten wegen ihrer Exklusivität als Geheimtipp gehandelt, gilt die Konferenz in europäischen Fachkreisen als wichtiges Stimmungsbarometer und Themenführer-Treff.
Dies ist vor allem dem hochkarätigen Vortragsprogramm mit handverlesenen Keynote-Speakern geschuldet. Entsprechend groß ist die Freude, dass mit Stefan Baumgartners Vortrag über Mobile Browser Gaming Neutral erstmals auf diesem Podium vertreten war.
Cameron Moll und Luke Wroblewski nahmen sich heuer vor allem um Usability- und Designthemen an und erkannten Grenzen zwischen Desktop und mobilen Endgeräten gar nicht mehr als solche an. Wo hört das Tablet auf, wo fängt der Personal Computer an? Wenn schon Smablets als fragwürdige Hybridlösung angepriesen wurden, wie schaut es dann mit Geräten wie dem Windows Surface aus? Ebenjenes Gerät war beim Publikum auffallend beliebt, ließ an “Tablops” (Tablet/Laptop-Hybride) denken – und den Beobachter letztlich erkennen, dass künstlich gezogene Grenzen samt vermeintlich grenzüberschreitenden Fusionen in Wahrheit irrelevant sind. In letzter Konsequenz bestimmend, so Moll und Worblewski, ist nur die Vielfalt der Screenformate, und entwickelte Designs sollten sich unabhängig vom Endgerät perfekt an die gegebenen Bedingungen anpassen. Auch Inputmethoden wie Maus und Touch schließen einander nicht mehr aus. Was zählt, ist die jeweils ideale Technik zum Gerät und der intendierten Funktion. Maus, Fingerspitzen und das oft sträflich vernachlässigte, für die Accessibility aber unverzichtbare Keyboard seien genauso zu beachten wie Lösungen, die ihr Rollout noch vor sich haben. Das “Floating Touch” Feature des kommenden Samsung Galaxy S4 kommt einem da in den Sinn.
Mobile First und Responsive Design waren allgegenwärtige Schlagworte bei der “Breaking Development”. Jason Grigsby von CloudFour zeigte in seiner einleitenden Präsentation eine Vielzahl an Techniken und demonstrierte Ansätze, die sowohl Designer als auch Entwickler berücksichtigen sollten, wenn sie eine perfekte User Experience schaffen wollen. Dieser Schatz an technischen Kniffen und Know-how bot eine gute Einleitung für die zahlreichen Tech-Talks des Events. Grigsby zeigte auch, was schief gehen kann, wenn man nicht auf die Browsergegebenheiten achtet. Responsive Design kann nämlich leicht Entwicklerfehler kaschieren, die sich dann aber trotzdem auf Performance und Darstellungsqualität auswirken.
Der Australier Rod Farmer widmete sich der Beziehung von Fernsehgeräten, Fernsehsendern und Internet. Dabei ging es erfrischenderweise nicht um das leidige Thema “Es gibt einen Browser im SmartTV”. Präsentiert wurden vielmehr weithin unbeachtete, aber in Wahrheit hoch interessante Trends und Statistiken. TV als solches, so wies Farmer nach, ist nämlich in Wahrheit längst tot, das TV-Erlebnis hingegen noch lange nicht. Leute lieben es, TV-Inhalte (meist on demand) über ihren Internetzugang zu konsumieren, in steigendem Maße mobil, und wenn mobil, dann in bereits 6 von 10 Fällen über den Web Browser. Fernsehende Teenager hängen nebenbei auch noch in sozialen Kanälen, der Fernsehcouch des aktuellen Jahrzehnts.
Auf der technischen Seite lautete die vorherrschende Grundstimmung: Viele angepriesene HTML5 Features sind wirklich gut, aber nur, so lange man nicht ernsthaft etwas damit unternehmen möchte. Das zeigten unter anderem Andrew Betts von der Financial Times, der die HTML5 Offlinetechniken sezierte und demonstrierte, wie mobile Browser sich daran die Zähne ausbeissen. Oder aber auch Neturals Stefan Baumgartner, der erklärte, wie man mit Animationen und Sound in mobilen Browser Games graue Haare bekommen kann, aber dennoch robuste Workarounds für mobile Browser findet, die von HTML5 auch nur in der Theorie gehört haben. Ein Lichtblick am Horizont: Der Entwicklern wie Endanwendern verhasste Android Stock Browser wird irgendwann verschwinden. Er wird zwar noch eine Weile mit uns sein, aber über kurz oder lang sind seine Tage gezählt.

Interessante Einblicke gab es hinter die Kulissen der Responsive Design-Referenz schlechthin, des Boston Globe. Die von Mat Marquis vorgestellten Techniken bringen “Responsive” auf ein ganz neues Level und schlagen eine spannende Brücke zwischen Mobil-Version und Full Responsive.
Sara Wachter-Boettcher betrachtete Design und Entwicklung aus einem ganz anderen Blickwinkel, nämlich den Inhalten, mit denen letztlich alles steht und fällt. Wie man 70.000 Seiten auf erstaunliche 3.000 reduziert und dabei doch alles unterbringt, was ein großes Portal wie gov.uk zu zeigen hat, war Thema ihres Vortrags. Ihre Empfehlung: Content Audits durchführen, in diesen Systeme finden und Abschied vom längst überholten Denken im Seiten-Format nehmen.
Ebenso inspirierend und sehr emotional war der Vortrag von Aaron Gustafson, der mit “Design with Empathy” vor allem Dinge predigte, die bei Netural schon lange praktiziert werden: Statt Arbeit in von einander abgeschotteten Silos empfiehlt Gustafson ein offenes Miteinander, um perfekte Lösungen zu entwicklen. Oder, wie wir bei Netural sagen, wenn es den Entwickler juckt, kratzt sich der Designer. Aaron wird diesen Vortrag übrigens auch auf der diesjährigen “beyond tellerrand” in Düsseldorf halten.

Ben Galbraith und Dion Almaer, die Köpfe hinter Walmarts Internetauftritt, beantworteten in einer einstündigen Session die Frage “Web vs. Apps” eindeutig mit: Ja! Es gibt Unterschiede und diese Unterschiede sind zur Kenntnis zu nehmen. Am Ende gibt es nur für den entsprechenden Use Case auch das richtige Mittel, seinen Inhalt an die Leute zu bringen. Einig war man sich aber, dass dies in den meisten Fällen doch einfach das Web sein sollte. “We have an App for that” ist leider der viel zu leichte und nicht selten auch der falsche Weg für Dinge, die sich eigentlich perfekt über das Web abbilden lassen, wie Paul Irish in seiner Closing Keynote vermittelte. Eine Meinung, die man nur unterschreiben kann.
Alles in allem hielt die “Breaking Development” alles, was man sich von ihr versprach und bot noch so viel mehr, nämlich eine außerordentlich angenehme und lockere Atmosphäre, in der sich Webdeveloper und Webdesigner aus Leidenschaft auf der Bühne und im Publikum frei über das austauschen können, wofür ihr Herz schlägt. Man erlebt selten eine so wundervolle Konferenz zum heißesten Thema unter der Sonne, die übrigens am Himmel Floridas besonders freundlich scheint.
Bis bald, Orlando. We´ll be back.
Jetzt ist es offiziell: Netural übersiedelt gegen Ende des Jahres in das junge Urbankultur-Biotop Tabakfabrik.

Die Welt wird zunehmend digital. Nutzer verwachsen mit ihren Smartphones und lieben Mobil-Apps, Displays werden interaktiv, Zeitungsartikel beginnen zu leben, und bei Netural wird wieder einmal der Platz eng. Kurz: wir ziehen um in einen neuen Entwicklungsraum, artverwandt mit unserem New Media Loft, aber mit Platz für weiteres Wachstum und mit pulsierenden Nachbarn gesegnet: die Tabakfabrik Linz

Die Tabakfabrik ist das Herz einer jungen urbanen Innovationszone an der Donau – ein historisch wertvoller, denkmalgeschützter Industriebau mit staunenswerten 80.000 Quadratmeter Fläche, der nach Ende der industriellen Nutzung lange leer stand, dann als Schauplatz von Kulturevents wiederentdeckt wurde und nun etappenweise renoviert und zur partizipativen, kooperativen Heimat von Künstlergruppen, Kulturschaffenden und Kreativwirtschaft ausgebaut wird.

In den zur Zeit in Renovierung befindlichen Bau 2 siedelt zu Jahresende eine Gruppe von „Pionier-Mietern“ – ausgewählte, kreativ orientierte Unternehmen, die durch ihre Ansiedlung die wirtschaftliche Basis des Riesenprojektes verfestigen helfen. Die Player des Bau-2-Mieterkonsortiums sind Seelenverwandte im Geiste, dem Zuruf des vorauseilenden Einhorns nur scheinbar zufällig Folgende: Die Architekten und Stadtplaner kleboth lindinger dollnig, der Kurator für artgerechte Möbelhaltung Heinz Hochstetter – und Netural, Agentur für Digitale Medien. Mitte März führte uns Chris Müller Direktor für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Agenden der Tabakfabrik, durch eine erste Begehung unserer zukünftigen Heimat. Vorfreude und, ja, Stolz, lagen in der Luft: Netural hat sich 1.500 Quadratmeter auf drei Stockwerke gesichert. Vorerst besiedeln wir zwei Stockwerke selbst und entwickeln für die verbleibende Expansionsreserve einen konspirativen Zwischennutzungs-Ansatz.

Albert Ortig, unser CEO, freut sich über das künftige Zuhause: „Die Tabakfabrik Linz ist die zur Zeit spannendste Entwicklungsperspektive für alle kreativ und handwerklich arbeitenden Menschen. Es entsteht hier ein neuer, pulsierender Stadtteil, der sich gerade selbst erfindet. Wir sind stolz hier mitwirken zu können und freuen uns sehr, einen idealen, inspirierenden Schaffensraum für alle Neturals gefunden zu haben“.

Die Evolution macht einen Sprung – und wir sind aktiv dabei: Interaktive Installationen erobern das Display-Universum, bitten die Betrachter auf die Bühne und ziehen sie in produktive Dialoge mit der Marke.
Bis vor kurzem waren POS-Designprojekte Zeitmaschinen-Trips ins Prädigitalium, als Druckmaschinensaurier und bäumefressende Kartonfabriken die Erde beherrschten: Ihr, die ihr hier eintretet, hieß es, lasst alle Hoffnung auf Interaktiviät fahren. Eine in stiller Würde gealterte Welt erwartet euch, dekoriert mit Millionen mehr oder weniger attraktiver, jedenfalls aber stets starrer, stummer Displays, vor denen es uns Menschen überlassen ist, wechselnden Launen und Tagesverfassungen entsprechend mehr oder weniger erfolgreich zu agieren und zu kommunizieren.
Die Motivation, daran etwas zu ändern, scheint gering. So lange Umsatz und Ertrag im Plan liegen und Betrachter nicht schreiend davonlaufen, vermutet man befriedigende Impactwerte – so unglaublich das klingen mag.
Selbst der kometenhafte Aufstieg des Flatscreen hat dem POS-Design nur ein weiteres schickes Werkzeug in die Hand gegeben, ohne überkommene Zugänge auch nur ansatzweise in Frage zu stellen. Konstant sinkende Hardwarepreisen erlaubten es, die Größe der entsprechenden Installationen immer weiter hochzuschrauben – und darin erschöpfte sich eine prägende Gestaltungsstrategie im Shop-, Event- und Messedesigndesign der letzten Jahre.
Aber leider: Selbst weltrekordverdächtige Bildschirmdiagonalen steigern nicht die Konversions-Potenziale von Videos und Präsentationen, die ohne Feedback- und Auswahlmöglichkeit für den Betrachter autistisch vor sich hin monologisieren.
Letzten Endes hat der Flatscreen, statt Interaktivitäts-Defizite zu beseitigen, die Misere nur noch prominenter sichtbar gemacht.
Stillstand von Herzen verabscheuend, begrüßen wir freudig den ersten wirklich glaubwürdigen Fortschritt im Point of Contact/Point of Sale Design: Interaktive digitale Touchpoint Technologie. Installationen, die Betrachter zur direkten Teilnahme und Interaktion einladen und dabei auswahlreiche Informationsmenüs servieren, schlagen unidirektionale Berieselung um Längen. In jeder Kontaktsituation, in jeder Darstellungsgröße und nach jedem Maßstab, den man anlegen möchte: Impact, Markenpräferenz, Konversionsraten – Interaktive Touchpoints sind in jeder Dimension überlegen.
Betrachter auf die Bühne, bitte!
Die Entwicklung steht noch am Anfang. Trotzdem hatte Netural bereits Gelegenheit, ihre Potenziale in einem spektakulären Setting zu testen. Schauplatz war der Messestand von backaldrin auf der weltgrößten Backwarenmesse IBA in München.
In Kooperation mit Ars Electronica Solutions installierten wir eine riesiges 8×2 Meter Rückprojektions-Display am Messestand und montierten über der Betrachter-Zone acht seriell geschaltete Kinect-Geräte an die Hallendecke. Die urspünglich zur Steuerung von Games konzipierten Bewegungssensoren bildeten einen „sensorischen Vorhang“, der die Körperbewegungen der Betrachter in Steuerbefehle für die Wall übersetzte.
Interaktive Messewall für Backaldrin from Netural on Vimeo.
Durch simple, intuitive Gestensteuerung navigierten die Messestandbesucher durch die Welt von backaldrin, riefen Produktinformationen und Videos auf, identifizierten Ansprechpartner für ihre Fragestellungen und versorgten sich mit den gesuchten Informationen.
Das Publikum wurde spielerisch, mit hohem Unterhaltungs- und noch höherem Informationswert zum lebendigen Teil der Messestand- Inszenierung und entlastete zugleich das Standpersonal von der Vermittlung von Standard-Informationen – mit denkbar positiven Nebenwirkungen auf das Markenimage.
Demnächst in Ihrer Einkaufsstraße?
Der interaktive backaldrin Messeauftritt begeisterte auf der IBA das Publikum. Beinahe noch enthusiastischer wurde er vom Fachpublikum der Digital Marketing Messe dmexco aufgenommen.

Dies umso mehr, als gestengesteuerte Interaktion auch durch dickes Schaufensterglas hindurch funktioniert: Das Netural Lab hat eine Menüführung in die Welt gesetzt, die Betrachter vor der Displayfläche identifizert und ihre Handbewegungen als Steuerbefehle umsetzt. Damit öffnet sich eine Welt von Möglichkeiten, angefangen vom digitalen “schwarzen Brett” in Unternehmen und Verwaltungsstellen über die interaktive Plakatwerbung bis hin zum 24/7-Geschäft: Hat der Laden geschlossen, wirkt das Schaufenster als Stellvertretung, informiert auch in tiefster Nacht über Angebote und Preise – und nimmt gerne Ihre Bestellung entgegen, herzlichen Dank für Ihren Besuch.
Das finden Sie aufregend? Wir auch. Und wie…
Der jährliche „Mobile World Congress“ in Barcelona ist die wichtigste Mobilfunkmesse der Welt. 1.500 Aussteller zeigten von 25. bis 28. Februar am neuen Standort in der Fira Gran Via ihre aktuellsten Lösungen. Netural hat sich im Mekka der Mobile-Developer umgesehen.

Am Thema „Nahfeldkommunikation“ kommt man 2013 nicht vorbei. Alle großen Mobile-Hersteller setzen auf NFC. Die Technologie ist angekommen und bringt heuer eine Welle praktischer Anwendungen für die Nutzer.
Beispiele sind Audiosysteme mit Mobile Connect, Authentifizierungen an Türschlössern, POI-Anwendungen, durch die Mobile-Geräte ihre Nutzer selbständig auf definierte Angebote in der Umgebung hinweisen oder Bezahl-Technologien à la Square und Google Wallet.
A propos Bezahlen: Im zweiten Quartal 2013 startet Paypal ein eigenes Bezahlsystem für kleine und mittlere Unternehmen – mit Bankomatkasse und einmaliger 100-Euro-Aktivierungsgebühr. Das macht Taxis und Restaurants ein Stück unabhängiger von card complete. Doch der ganze Banken-Sektor muss sich warm anziehen: der klassische Geldverkehr gerät mächtig unter Druck.

Minimob.com ist Anbieter eines Software-Baukastens für Ads innerhalb der eigenen Mobile Apps. Push-Notifications (mit Opt-Out) sorgen für die nötige Aufmerksamkeit in der (interessierten) Zielgruppe.
99% aller Ad-Netzwerke covern den Branchenprimus Fiksu.com. Der Boom bringt eine Fülle von viel versprechenden Netzwerken wie Airpush.com für Android und Audiencepro, das für Neue Märkte entwickelt wurde.
Möglicherweise nützlich: Basis-Apps von developer.appsfuel.com oder Appmachine. Das Grundgerüst auf HTML5-Basis steht schon, eigene Stylesheets und individuelle Anpassungen machen blitzschnelle Individualisierung möglich. Wie spannend die Idee für kommerzielle Projekte ist, werden unsere Tests zeigen.
Die Suche nach dem „Facebook-Killer“ geht natürlich auch 2013 weiter. Wir haben einen Blick auf einen neuen Kandidaten aus Russland geworfen. Pworlds.com begeistert bereits mehr als 22 Millionen Nutzer, Kinder wie Erwachsene. Es verbindet vom Tamagotchi inspirierte Spiel-Features und soziale Funktionen wie 2nd World Angebote und Chats mit Avataren.
Praktischere Anwendungen für Cutting Edge Technologie gibt es in ganz klein: Nano-Beschichtungen machen Elektronische Geräte wasserdicht. Wenn das iPhone mit Nanocoating im Sommerurlaub in den Pool fällt, muss man es nur wieder an die Oberfläche holen, um weiter E-Mails zu bearbeiten. Der aussagekräftige Name dazu: dryWired.com.
Displays werden größer und Quadcore-Prozessoren werden Standard. Nichts davon überrascht wirklich. Dass das russische Yota-Phone ein zusätzliches e-Paper-Display auf der Rückseite hat, bleibt ein netter Gag.
Interessanter ist der Enthusiasmus, mit dem ein junges Team an der nächsten Nokia-Generation arbeitet. Und auch Sony versteht es zu faszinieren: etwa mit einer digitalen Video-Wall aus kombinierten „Xperia Z“-Geräten. Überhaupt ist das Xperia kommunikationsfreudig. Die Idee, das Mobile über eine Armbanduhr zu steuern, hat Charme.

Samsung experimentiert indes mit „Smart Ads“: registriert das Gerät den Ton einer Werbung, wird diese als „Second Screen Ad“ am Smartphone ausgespielt.
Im Bereich Augmented Reality gibt es weiter viel Bewegung – spannend sind aus unserer Sicht die Neuerungen bei 3D-Markern und besonders die SLAM-Technologie, die ganz ohne Marker auskommt. SLAM steht dabei für „Simultaneous localization and mapping“ und erlaubt dem Smartphone oder Tablet, laufend die eigene Position auf einer Karte zu bestimmen und darauf zu reagieren.
Qualcomm hat in Barcelona die neue 2net-Plattform vorgestellt, die sich einem heiklen, aber zukunftsorientierten Feld verschreibt: Gesundheitsdaten. Die ambitionierte Idee: Medizinische Geräte können Daten in einem cloudbasierten Speicher ablegen und damit das Problem der Inkompatibilität verschiedener Systeme lösen. Die Zustimmung von Patienten vorausgesetzt, könnte das medizinische Betreuung erleichtern. Selbstverständlich ist Datensicherheit dabei der zentrale Punkt.
Viel Aufmerksamkeit gab es am Mobile World Congress für den „Appcircus – Global Showcase of Innovative Apps“. Den Sieg trug die italienische Anwendung “Atooma” davon, eine flexible Skript-App, mit der eine Fülle von persönlich relevanten Aktionen automatisiert werden kann. Foursquare Checkins, Musik-Playlists starten, E-Mails oder Tweets exportieren – die Bandbreite der Möglichkeiten ist gigantisch. Allerdings vorerst nur auf Android.
Beim Publikum punktete ein Spiel: “Grabbity” aus Kolumbien, in dem die „Grabbianer“ vor den bösen „Crawlers“ gerettet werden müssen. Der Preis der App Circus Organisatoren ging an die Android-App „Denare“, die angetreten ist, um die Bearbeitung der Finanzen in einen angenehmen Zeitvertreib zu verwandeln.

Die Welt ist eine News-App, die Sensation von heute Mittag wird schon am Vorabend von vorgestern sein, “chillen” gilt als bevorzugter mentaler Fahrzustand erdrückender Mehrheiten – und aktives Engagement? Das wäre aber doch irgendwie viel zu analog. Oder? Es war noch nie einfach, massenhaft Menschen zu mobilisieren, sei es für eine Marke, ein soziales, politisches oder gesellschaftliches Anliegen, ein gemeinsames Interesse oder eine neue Idee. Aber so schwierig wie in der digitalisierten, globalisierten und letztlich auch in Milliarden Egos atomisierten Welt war es noch nie.
Trotzdem gibt es sie immer wieder, die Kampagnen, die Massen bewegen, Marken machen und Mehrheiten gewinnen. Ihre Anatomie und ihre Erfolgsprinzipien waren Thema des Campaigning Summit 2012 im Studio 44 in Wien.
Campaigning Bureau-Gründer und Summit-Initiator Philipp Maderthaner eröffnete den spannenden und hoch informativen Vortragsreigen mit seinen Gedanken zum Mitmachprinzip.
Vier Erfolgsprinzipien markieren Maderthaners Weg zu wirklich aktivierenden Kampagnen:
1. Merken: Fleißig Daten zu sammeln ist ehrenwert, aber Erfolg erntet daraus nur, wer sie zielgerichtet analysiert, in permanenten Lernprozesse überführt und als Steuerungsinstrument an der Kampagnenfront wirksam verwertet. Maderthaner vergleicht den Erfolgs-Campaigner mit Bill Murray im Film “Und täglich grüßt das Murmeltier”: Beobachten, Fragen, Wissen zu sammeln und im richtigen Moment zu verwerten zeigt ihm den Ausweg aus einem Teufelskreis, vor dem passivere Charaktere resignieren würden.
2. Fragen: “Apfeltasche dazu?” ist weder eine höfliche noch eine unhöfliche Frage, sondern ein McDonalds-Erfolgsrezept, das es verdient, kopiert zu werden. Konkret handlungsauffordernde Fragen haben zwar speziell in Österreichs Alltagskultur keine große Tradition. Aber umso erfolgreicher können sie zur Aktivierung von Menschen beitragen.
3. Zulassen: Verglichen mit Amazons One-Klick-Buy-Prinzip ist jeder andere Kaufakt ein Hürdenlauf. Philipp Maderthaner wirbt für ein neues, barrierefreies Verständnis des Mitmachens, bei dem sich Interessierte durch kleine, unaufwändige Beiträge aktiv in Kampagnen involvieren können.
4. Honorieren: Erfolgreiche Kampagnen belohnen Menschen, die mitmachen. Die Währung solcher Transaktionen ist allerdings nicht Geld, sondern nach dem Vorbild Hollywood der Status: Nicht wer man ist, sondern was man beiträgt, bestimmt das Maß der Anerkennung und die Stärke der Beziehung zwischen Absendern und empfangenden Teilnehmern in einer Kampagne.

Es folgten Beiträge von Campaigning-Gurus und Neueinsteiger wie Rasmus Kleis Nielsen (“Ground Wars” Autor und Professor an der Universität Kopenhagen) Merlin Koene (Communication Director Unilever) und Gebrüder Stitch (Maßjeansschneider & Social Entrepreneurs der “Vollpension”). Den würdigen und inhaltlich krönenden Abschluss bot Matt Harding mit seiner Präsentation “Dance around the World”.
Seine Wandlung vom frustrierten Game Developer zum strahlenden Posterboy des viralen Youtube-Videos (“Where the Hell is Matt?”) ist ein in vieler Hinsicht lehrreiches Beispiel für die Wirkung emotionaler Kommunikation: Die Idee, rund um die Welt vor Sehenswürdigkeiten Jigs zu tanzen und Videos davon auf Youtube zu teilen, hat ihm einen Sponsor für zwei Weltreisen beschert und nicht nur sein Leben verändert, sondern auch das seiner eingefleischten Fans.

Die Zukunft von Viral Marketing sieht Matt Harding eher im Bild- als im Videobereich. Seine Begründung dafür ist die stetig zunehmende Beschleunigung des Lebenszyklus von Memes: Was heute neu ist, ist morgen bereits veraltet. Fotos sind in diesen schnellen Prozessen handlicher als Videos und einfacher auf Mobilgeräten zu betrachten. Was nicht den Tod des viralen Video bedeutet, keineswegs. Aber in einer nicht nur immer schnelleren, sondern auch zunehmend professionalisierten Szene wird der Wettbewerb um Aufmerksamkeit für Amateure immer schwieriger zu gewinnen sein: Mit Innovation und Emotion wird man immer punkten. Aber ohne Professionalität immer seltener.
Mike Lynn, Birgit Hajek

Trotz verwunschenem Wald steht Netural mit beiden Beinen im Leben – mit einem in der realen Welt, mit dem anderen in der digitalen. So überrascht es auch nicht, wenn Julia, Sarah und Birgit im Wiener Netural-Office auf genau diesen Mix setzen, wenn sie Farbe ins Grau und ein Lächeln auf ihre Lippen zaubern wollen.
Die WEAVE-Redaktion lud Netural ein, in ihrem Magazin die Titelseite der Rubrik “Life” zu gestalten. Redakteur Arne Schätzle: “Wir sind immer auf der Suche nach spannenden kreativen Agenturen und Projekten mit Qualitätsanspruch. Wir wenden uns, gerade wenn es um gestalterische Themen geht, gerne auch an ausgezeichnete Agenturen, wie zum Beispiel mit dem Annual Multimedia Award. Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv: Viele Kreative nutzen dieses doppelseitige Spielfeld gerne, um etwas Außergewöhnliches, Überraschendes oder Humorvolles zu gestalten.”
WEAVE ist ein Fachmagazin für Designer, Konzeptionisten und Developer interaktiver Medien und kommt aus dem PAGE-Verlag, der ja vielen Kreativen nicht unbekannt ist. Und da’s in der Welt von WEAVE – wie auch im zitierten Einhornwald – immer auch um das Zusammenspiel verschiedener Medien geht, gibt’s zur Doppelseite einen Soundtrack, Music by Max Kickinger: http://www.netural.com/birds.
Es ist 7:45, ganz Paris scheint schon auf den Beinen zu sein. So hat sich auch bereits eine Menschentraube vor dem von außen ziemlich unscheinbaren Théâtre des Variétés versammelt, in welchem die dotJS, die größte JavaScript-Konferenz Frankreichs stattfinden wird.
Noch treffen sich nur wenige Blicke, man hört noch weniger Gespräche. Die fast zur Gänze männliche Community schläft noch. Kurz nach Acht öffnen sich die Tore des Théâtre des Variétés. Zum Vorschein kommt eine ziemlich klassische, opulente Theaterwelt. Fresken und Kronleuchter zieren die Decke, seitlich befinden sich Logen. Man nimmt Platz auf dunkelroten, samtbezogenen Klappstühlen. Die technische Welt hat sich mir bisher immer etwas anders präsentiert. Das scheint aber dennoch zum Thema zu passen, denn getwittert wird unter dem Hashtag „#notausualconference“.

Nach Pariser Kaffee und Croissants beginnen die Vorträge. Der erste Talk von Mathias Bynens zeigt sich sehr technisch und geradlinig, mit wenig Spielraum für Interpretationen oder Philosophie. Der Belgier spricht über Unicode, und welche Stolpersteine es bei dessen Verwendung in JavaScript zu überwinden gilt.
Der zweite Vortrag von Kevin Schaaf lässt mehr Platz für Meinungen und eigene Gedanken. Dann spricht Addy Osmani: ein kleiner Mann, eine große Wirkung und ein noch größeres Set an vorbereiteten Folien, von denen leider über die Hälfte dem 20-Minuten-Zeitlimit zum Opfer fallen.
Addy Osmani
Gleich darauf betritt Bert Belder die Bühne. Er ist einer der Core-Entwickler von Node.js und vermittelt ganz ehrlich und direkt, was an Node noch verbesserungswürdig ist – und wie die Zukunft des Projekts aussehen wird.
Neben exzellenten Inhalten ist auch Raum für Humor. Brian Leroux zeigt unter dem Titel “#wtfjs” eine Palette an Codebeispielen, die sonderbare “Eigenheiten” des EcmaScript-Standards demonstrieren. Der Code-Humour sorgt für einige Erheiterung im Saal, womöglich auch, weil viele der Anwesenden ähnliche Beispiele aus der Praxis kennen.
Brian Leroux
Weitere Vorträge behandeln symbiotische Sprachen, Spiele im nativen Web und die Welt der demoscene. Wichtig dabei ist auch, wie Tools für Designer in diesem Umfeld den Workflow verbessern.
Zeit für eine Pause. Ich lasse noch einmal meinen Blick durch den Raum schweifen, und mein erster Eindruck bestätigt sich: Männer so weit das Auge reicht. Erst nach längerer Suche erspähe ich zwei weibliche Gesichter – die einzigen. Ich komme ins Gespräch mit einer Französin, die ebenso wie ich über die fehlende weibliche Seite von JavaScript staunt. Immerhin darf man uns zu dritt schon als Gruppe bezeichnen.
Schön langsam erwacht die Community zum Leben, Gespräche und Diskussionen entwickeln sich.
Im Lauf der Konferenz bekommen auch fünf Teilnehmer die Möglichkeit, 5-minütige Lightning Talks zu halten. Darunter Axel Rauschmayer, der “JavaScriptern” im deutschsprachigen Raum ein Begriff sein dürfte.

In den nächsten Vorträgen kommen die Menschen und die Community hinter der Technologie ins Spiel. Das Thema “Open-Source” bildet einen wichtigen Schwerpunkt der dotJS. Es wird von mehreren Speakern behandelt, etwa von Charlie Robbins mit “Managing open source projects like a boss”.
Vojta Jína präsentiert seine Idole und deren Errungenschaft – Menschen, die über verschiedenste Wege etwas erreicht haben. Ein sehr inspirierender Talk, der mit den Worten “What are you waiting for” endet.
Den Schlusspunkt setzte einer, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt: Jacob Thornton alias “fat”, seines Zeichens Co-Creator von “Twitter Bootstrap”, dem populärsten Open-Source Projekt auf Github.
Jacob Thornton (fat)
Der Amerikaner bricht mit Stand-Up-Comedy-Einlagen aus der traditionellen Vortrags-Struktur aus. In seinen selbst gezeichneten Folien finden sich Karikaturen von namhaften Persönlichkeiten der Open Source Geschichte.
Der Talk sprengt die angesetzten zeitlichen Begrenzungen deutlich, doch jeder Teilnehmer ist froh, dass man ihm als letzten Speaker hier freien Lauf lässt. Im Endeffekt spricht fat mit Humor und Selbstironie die “Tragedy of Open Source” an, die große Projekte irgendwann aus dem Ruder laufen lässt, unkontrollierbar macht und ihre Ersteller auf die eine oder andere Weise in den Wahnsinn treibt. Die versprochene “positive Punchline” des Talks blieb mir jedoch leider verborgen – bis auf eine Aufforderung an die “ohnehin revolutionsfreudigen Franzosen, dieses Problem durch Aufbäumen zu beheben”. Ein grandioser Abschluss, der zum
Nachdenken anregt.
Der Tag auf der dotJS bot vieles: spannende Vorträge, interessante Persönlichkeiten und Ansichten, eine Menge Inspiration, eine gute Portion Humor und – nicht zu vergessen: Männer.
Judith Sambs, Lukas Brugger
Fotos: @maurice, dotJS
Netural war das erste Mal Gastgeber des Linzer “Technologieplauscherls“: Technologieaffine Nerds, die sich in regelmäßigen Abständen in den Büros der Kreativschmieden der Stahlstadt treffen. Aus dem Bedürfnis einer organisierten Runde zum Gespräch über Neues heraus entstanden, fand sich die Community bereits zum achten Mal ein.

Bei einer ausgiebigen Jause im Netural-Loft plauderten die Teilnehmer bereits im Vorfeld, bevor man im offiziellen Teil das Thema “Book Edition” behandelte. Für den Softwareentwickler relevante und interessante Bücher wurden kurz umrissen und in einer kleinen Nachbesprechung beleuchtet.
Phil Reither stellte zum Auftakt “Brain Rules” von John Medina vor. Der etwas längeren Exkurs über die Arbeitsfähigkeit des Gehirns erklärt, wie man dieses mit kleinen und gezielten Mitteln fit hält. Joachim Sauer stellte das neueste Werk von Security Experten Bruce Schneier vor – “Liars and Outliers” – in dem unabhängig von allen technologischen Vorkehrungen das Sicherheitsbedürfnis des Menschen in evolutionären Kontext gebracht wird. Technischer wurde es bei Thomas Einwaller, der mit Michael T. Nygards “Release It!” über Veröffentlichungszyklen und kontinuierliche Integration gesprochen hat. Ein Thema, das auch bei der Applikationslogikabteilung von Netural groß geschrieben wird. Direkt aus der Community gegriffen, zeigte Neturals Stefan Baumgartner mit “SMACSS – Scalable and Modular Architecture for CSS” den neuesten Schrei in der technischen Gestaltung von Webapplikationen, welche in Zukunft erweitert werden sollen.

Als Ausreisser aus dem “Book Edition”-Thema stellte sich Bernhard Wurms Präsentation von TypeScript heraus. In einer sehr anschaulichen Demonstration mit vielen Livebeispielen zeigte er Microsofts Versuch, JavaScript – die Programmiersprache des Webs – mit syntaktischen Erweiterungen auf ein vermeintlich erwachsenes Level zu bringen. Erstaunlich war nicht nur das politisch offene und Community-nahe Engagement des Redmonter Softwareriesen. Auch die durchdachte Strukturierung einer Sprache, die wirklich auf Bedürfnisse der Webentwickler antwortet und gleichzeitig die JavaScript Wurzeln nicht vergisst, beeindruckte.
Die relativ neue Technologie sorgte unter den Anwesenden für Diskussionsstoff. Diese untermauerte einmal mehr die Qualität der Plauscherl-Runde: Hier sind Leute die sich auskennen oder auskennen wollen. Der Erfahrungsaustausch unter Nerds steht im Vordergrund. Neben den kurzen Sessions ist vor allem das Ausprobieren und Diskutieren Dreh- und Angelpunkt des Treffens.
Ab sofort steht die neue adidas eyewear Brand App im Apple iTunes Store zum Download bereit. Made by Netural. Uns ist es damit gelungen, alle Angebote für die Fans der Marke an einer zentralen Anlaufstelle zu bündeln.

Anlässlich des Online-Starts haben wir mit Ben Ashlin, dem Global Head of Marketing bei adidas eyewear, gesprochen. Über die Brand App, über das, was sie für Kunden leistet und über die neuesten Pläne von adidas eyewear im Netz.
Netural: Ben, was waren die wichtigsten Zielsetzungen bei der Entwicklunng der adidas eyewear Brand App?
Ben Ashlin: Die Brand App stellt eine sehr benutzerfreundliche Plattform dar. Sie präsentiert sowohl Performance Sport als auch Originals Sonnenbrillen. Entscheidend für Kunden sind dabei vor allem die zahlreichen Vorteile und zusätzlichen Touch Points zu adidas eyewear.
Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden genau wissen, wie sie mit adidas eyewear interagieren können und wie sie von einer engen Beziehung zur Marke profitieren. Dazu gehören zeitgerechte Benachrichtigungen über neue Produkte, Veranstaltungen, an denen wir teilnehmen, und Neuigkeiten über Sportler. Genauso natürlich auch, welche Gläser sich für welche Wetterbedingungen am besten eignen oder wo sie Fachhändler finden. Mit der App erhalten Kunden auch Zugriff auf unseren Downloadbereich.
Netural: Welche sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten technischen Merkmale der App?
Ben Ashlin: Die brandneue “Try On”-Funktion ist ein innovativer Augmented-Reality-Spiegel, der es möglich macht, Sonnenbrillen auszuprobieren. So können Kunden auf dem Display sehen, wie die Brillen auf ihrem Gesicht wirken. Sie können dann ihr Bild mit der virtuellen Sonnenbrille online teilen und so herausfinden, was Freunde darüber denken.
Katalog und Shop Finder sind bei voller Funktionalität in einem neuen Design gestaltet. Für Kunden ist es so ganz leicht, unsere Produkte zu finden.
Der Homescreen und die Pop-out Menüleiste machen die Bedienung der App sehr einfach. Wir arbeiten hier mit einer schnellen Navigation und direkten Links zu verschiedenen Abschnitten.
Netural: Wie sehen die nächsten Schritte der Online Strategie für adidas eyewear aus?
Ben Ashlin: Der Start der neuen App ist nur der Anfang. Wir rollen bereits Anfang 2013 einige sehr spannende Ergänzungen aus. Online ist ein ganz entscheidender Markt für die Kunden von adidas eyewear. Wir werden die Online-Welt rocken – und zwar mit mit einem spannenden neuen Produkt-Launch im nächsten Jahr.
Aber verraten wir nicht zu viel: Sie werden das alles mit eigenen Augen sehen!
Die adidas brand App liefert Antworten auf alle Fragen zu den Produkten und Services von adidas eyewear. Lens Advisor, Try On-Funktion und der immer aktuelle digitale Katalog in der Jackentasche.
Die Neturals haben gemeinsam mit adidas eyewear ein vielseitiges Servicepack für eine attraktive Marke entwickelt.

Die altehrwürdigen Hallen des Wiener Naturhistorischen Museums waren am 19. November Schauplatz des 17. (und gleichzeitig letzten) Mobile Monday des Jahres 2012. Wo sich tagsüber Museumsbesucher tummeln, traf sich zur Demo Night die Mobile Szene Österreichs, um unter den zehn innovativsten und benutzerfreundlichsten Services die drei Besten zu küren und anschließend bei Cocktails und Snacks zu feiern.

Roomle Mobile, die App des Online-Raumplanungstools Roomle von Netural, konnte sowohl Expertenjury als auch das fachkritisches Publikum überzeugen und belegte Platz 3. Roomle-Gründer Albert Ortig nutzte die vier Minuten Redezeit und präsentierte die mobile Version für iOS mittels neuem Benutzervideo, als besonders User freundliches Service.

Unter den Mitplatzierten fand PhonicScore, im wahrsten Sinne des Wortes, das meiste Gehör: die mobile Anwendung für Musikbegeisterte erkennt beim Musizieren produzierte Töne und zeigt automatisch die aktuelle Position in den Noten an. Für alle Flohmarkt-Fans bietet Shpock ein unkompliziertes Service, um alte Sachen und antike Schätze loszuwerden. Design und Anwendung erinnern hier sehr stark an Pinterest. Der ex aequo Drittplatzierte Summitlynx ersetzt Wandernadeln und Tourenbücher, lässt die Anwender Gipfelsiege dokumentieren und mit anderen in sozialen Netzwerken sharen.
Die MobileMonday Demo Night hat wieder eine Reihe sehr hochwertiger Apps und junger Unternehmen vorgestellt, welche in den Bereichen Innovation, User Benefits, Design und Benutzerfreundlichkeit ihresgleichen suchen. So darf man auch auf zukünftige Entwicklungen in den nächsten Monaten gespannt sein.
Die 10 Finalisten:

Neugierige, die erstmalig etwas über User Experience erfahren wollen? “Quality Guerillas”, die auf eigene Faust für die Verbreitung von Benutzerfreundlichkeit und klarem Design kämpfen? Oder Experten, die “UX” ganz selbstverständlich in der Job Description führen?
Das Organisationsteam des vierten “UXcamp Vienna” lud am 9. und 10. November Fachleute und Interessierte zum Austausch über den aktuellen Stand in Sachen “Anwender-Erlebnis”. Die “Unkonferenz” fand im A1 Telekom Austria Headquarter im zweiten Wiener Gemeindebezirk statt. Teilnehmer kamen hauptsächlich aus Österreich und dem EU-Raum, vereinzelt auch aus Übersee, etwa den USA und Bolivien.
User Experience oder “UX”, das ist die Gesamtheit der Erfahrungen, die ein Anwender im Umgang mit Websites, Programmen oder Geräten macht, und wie man diese angenehmer, einfacher und produktiver gestalten kann.
Gleich zum Auftakt brachte der Designer und Ausbilder Petr Stedry unter dem kantigen Titel “I don’t like your design” die richtige, sinnvolle Form von Rückmeldung zur Sprache.
Nur konstruktives Feedback zum richtigen Zeitpunkt bringt auch konstruktive Lösungen – vage Gefühlsäußerungen, gleich ob positiv oder negativ, sind Meinungen, keine Kritik. Sinnvolle Rückmeldungen brauchen als Basis das richtige Maß an Information. Welche Einschränkungen gab es bei der Arbeit? Was war das Ziel? Warum gefällt mir diese Farbe nicht? Mit anderen Worten: begründete und detaillierte Antworten helfen weiter.
Auch für das Empfangen von Kritik gibt es Regeln. Man darf sein Herz nicht zu sehr an das Produkt hängen, man sollte im Feedback-Prozess nicht gegen die Rückmeldungen argumentieren und auch nicht den eigenen Schöpfungsprozess erklären. Stattdessen aktiv zuhören, detailliert nachfragen und vor allem: die Aussagen sofort niederschreiben. Denn die Erinnerung ist tückisch.
Anschließend vermittelte der New Yorker Designer Anders Ramsey in einem Workshop einen Eindruck vom “Design Studio” Prozess. Der ermöglicht in einem eng gesteckten Zeitrahmen eine besonders effektive Form eines Projekt-Starts. Zu oft bleibt es bei vagen Briefings, aus denen alle Beteiligten mit sehr unterschiedlichen Zielvorstellungen in den Kreativprozess gehen. Erst bei den nächsten Abstimmungsterminen, manchmal erst nach Monaten, werden die Brüche offenbar. Viel effizienter: ein Kickoff-Termin, bei dem alle, bis hin zum CEO, ihre Vorstellungen grafisch in Skizzen festhalten, vergleichen – und sofort in einer zweiten Runde aufeinander abstimmen.

Am Abend des ersten Tages wurden die “Frustikus”-Awards für verfehltes User Experience Design verliehen. Preise gab es etwa für komplizierte IBAN-Codes im Zahlungsverkehr oder für einen Staubsauger, der wegen seiner komplexen, absturz-gefährdeten Software einen eigenen Reset-Button benötigt. Highlights waren Flip4Mac, für dessen Deinstallation ein eigener Uninstaller installiert werden muss, und die Website der ÖBB, die zum wiederholten Mal – und daher mit dem ironischen “Lifetime Achievement Award” – ausgezeichnet wurde.
Jürgen Brandstetter stellte ein sehr menschliches Projekt vor, das die Online- und die Offline-Welt verbindet: einen überraschend einfach programmierten Schwangerschaftsgurt, der die Kindsbewegungen im Mutterleib über Sensoren im Gurt und eine Android-App digital zu einem vom Vater getragenen Gurt weiterleitet. Der Prototyp übermittelte erfolgreich Signale von Österreich nach Schweden. Im Einsatz identifizierte das Projektteam eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten, die noch umgesetzt werden müssten, um den Gurt kommerziell erfolgreich zu machen.

Großen Eindruck machte auch die detaillierte Vorstellung des Projekts “One Laptop per Child” durch Christoph Derndorfer. Das Betriebssystem “Sugar Human Interface” nutzt den natürlichen Wissensdurst des Menschen. Es ist so gestaltet, dass Kinder in aller Welt den Umgang mit dem Computer ohne Bedienungsanleitung oder Vorerfahrungen spielerisch lernen können. Aktuell nutzen mehr als zwei Millionen Menschen die “100-Dollar-Laptops” (die aktuell noch mindestens 185 Dollar pro Stück kosten). Ziel der Initiative ist, den Laptop, den “Bleistift des 21. Jahrhunderts”, allen Kindern weltweit zugänglich zu machen – vor allem in Ländern, deren Bildungsbudget pro Kind im Vergleich zu dem in Europa oder Nordamerika unglaublich niedrig ist.
Das Interface ist auf kooperatives Arbeiten ausgerichtet und verzichtet zugunsten “natürlicher” Arbeitsweisen (anfangen – unterbrechen – weitermachen) auf “westliche” Gewohnheiten (speichern – laden). Standardisierte Menüpunkte, die in allen Anwendungen gleich bleiben, unterstützen das autodidakte Lernen.
Erwachsene Europäer stellte schon das Öffnen des Laptops vor eine kleine Denksportaufgabe. Die Lösung besteht darin, vorgefasste Meinungen darüber, wie so ein Gerät aufzuklappen sei, loszulassen.
Im Lauf beider Tage kristallisierte sich ein roter Faden heraus, ein Thema, das immer wieder in verschiedener Form hervortrat: das Spannungsfeld zwischen subjektivem Qualitätsanspruch und den verfügbaren Mitteln für die Umsetzung. Die “perfekte” User Experience ist freilich bisher noch immer Domäne des persönlichen Einsatzes von motivierten “Quality Guerillas”.

Einen “filmischen” Blick auf Wien bot Viennale-Partner Silhouette Instagram-Fans. Während des Festivals veranstaltete Silhouette einen Instawalk zu den Drehorten von “360″ (2011, R: Fernando Meirelles). Die TeilnehmerInnen fuhren wie die Protagonisten Sergej und Anna über den Ring und wanderten auf den Spuren von Filmfiguren Michael und Mirka durch Hotels der Wiener Innenstadt. Ines Stoderegger, die für den Film “360″ die Aufnahmeleitung in Wien inne hatte, plauderte an den Drehorten aus dem Filmalltag.
Bei dem Photowalk entstanden rund 200 spannende Fotos, die Instagram-User unter dem Hashtag #silhouetteinstawalk im Instagram-Viewer Statigram finden.
Zum Instawalk konnte man sich über Facebook anmelden. Kostenlos – natürlich auch für “normale” Fotofans, die keinen Instagram-Account ihr Eigen nennen. Netural übernahm für den Kunden Silhouette die Konzeption, Planung und Koordination vor Ort.
„War for Talents“. Ein Schlagwort? Viel eher ist das Rennen um die besten Köpfe am Arbeitsmarkt Ausdruck eines grundlegenden Wandels von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Folge: Eine attraktive Employer Branding Strategie wird für Unternehmen zur Pflicht.
Dass Unternehmen auf Social Media Plattformen vertreten sind, wird längst vorausgesetzt. Häufig reicht die Präsenz auf Facebook, Twitter und LinkedIn aber nicht weiter als in Marketing und Unternehmenskommunikation. Ein Fehler. Denn Social Networks können in vielen Bereichen Mehrwert bieten – auch für die strategische Positionierung des Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt.

Weltweite Vergleichbarkeit
Computerisierung, Internet und Social Media haben globale Vergleichbarkeit geschaffen. Mit dem Wandel vom Massenmarkt zu einem Markt der Marken sind Wissen und Qualifikation entscheidende Produktionsfaktoren geworden.
Demografischer Wandel
Auf dem Arbeitsmarkt tritt ein weiterer Faktor hinzu: der demografische Wandel in gut ausgebildeten, kaufkräftigen Bevölkerungsschichten. Die Zahl der verfügbaren Top-Mitarbeiter ist begrenzt. Der freie Zugang zu allen Arbeitsmärkten der Welt ist bisher Theorie, die weltweite Mobilität von Arbeitskräften Privileg einer Elite.
Begegnung auf Augenhöhe
Besonders hochqualifizierte, motivierte Schlüsselarbeitskräfte können es sich leisten, Ansprüche an Arbeitgeber zu stellen. Dabei geht es nicht immer oder nicht nur um Geld. Wer mit Facebook und weltweiter Vernetzung groß wird, hat konkrete Erwartungen an die Attraktivität des Arbeitsumfelds. Arbeitgeber werden durch Image, Aufstiegs- und Entwicklungschancen, Weiterbildungsangebote, Work-Life-Balance und flache Hierarchien überhaupt erst interessant.
Im Social Web begegnen sich die Teilnehmer auf Augenhöhe. Etablierte Autoritäten verlieren durch den wachsenden Vernetzungsgrad und die Überprüfbarkeit von Information das Monopol auf Glaubwürdigkeit. Sie müssen überzeugen.
Soft Skills
Die erfolgreichsten Unternehmen punkten mit der Präsentation menschlicher Qualitäten – „Soft Skills“ – wie Dialogbereitschaft, Ehrlichkeit, Authentizität, Empathie und Respekt. Entsprechend gedeihen Loyalität und Engagement der heute auf den Arbeitsmarkt tretenden Talente in einem professionellen Umfeld, in dem sie solche Charakteristika antreffen. Und Bewerber suchen sie zunächst auf Facebook.
Schon damals bild- und symbollastig: Recruiting der US-Army anno 1917
Warum Facebook
Facebook ist fürs Employer Branding aus mehreren Gründen besonders gut geeignet.
Erstens ist es voll etabliert. 950 Millionen Menschen weltweit gelten als aktive Nutzer mit eigenen Personenprofilen. 500 Millionen besuchen Facebook täglich. Jede große Marke ist auf Facebook vertreten. Interessante Bewerber und Besucher auf Messen verfügen fast immer über einen aktiven Facebook-Account und können sich leicht mit dem Firmenauftritt vernetzen. “Talent Relationship Management” ist hier das neue Schlagwort.
Zweitens unterstützt die Struktur der „Timeline“ aktuelle Einträge und bietet einen schnellen, niedrigschwelligen Zugang für Anfragen. Das verlangt natürlich, dass ein Unternehmen seine Social Media Auftritte täglich pflegt. So bleibt es nach dem Erstkontakt auf Messen oder hausinternen Veranstaltungen durch regelmäßige Updates mit Interessenten leicht in Kontakt, ist aber auch angehalten, auf Anliegen innerhalb weniger Stunden zu reagieren.
Ein weiteres Plus ist die Vielfalt der Medien, die auf Facebook abbildbar sind – von Links über Bilder bis zu Videos.
Themen- oder Markenplattform
Ein Vorzeigebeispiel für Employer Branding auf Facebook ist Lufthansa. Die deutsche Fluglinie führt neben dem allgemeinen Firmenauftritt eine eigene, karrierezentrierte Facebook-Präsenz, „Be Lufthansa“. Die Karriereplattform der deutschen Fluglinie versorgt hier potentielle Bewerber mit aktuellen Neuigkeiten und Kontaktmöglichkeiten. Dieser Zugang schafft als geschützter Raum für das Karrierethema einen Ort des direkten Austauschs, wo schnell und detailliert über Karrierechancen gesprochen werden kann – und wo, wenn vorhanden und sinnvoll, Bilder und Videos aus dem Unternehmensalltag oder zur emotionalen Markenbindung genau das richtige Publikum finden.
Eine eigenständige Facebook-Karriereseite lohnt sich tendenziell eher für größere Unternehmen mit häufigeren Personaländerungen, wo laufend neue Entwicklungen kommuniziert werden können und das HR-Team entsprechend stark ist. Viele Firmen sind besser beraten, wenn sie allgemeine Neuigkeiten, Marketingaktionen und Karrierechancen auf einem zentralen Facebook-Angebot bündeln.

Videos
Kein Medium kann so glaubwürdig authentische Eindrücke vermitteln wie der Film. Öffentlich zugängliche Videos bringen Jugendlichen vor der Berufsentscheidung mehr Klarheit über Möglichkeiten, Anforderungen und Erwartungen. Ein ausgezeichnetes Beispiel ist das Wiener Startup „Whatchado“, die durch kurze Videos mit Promis und Praktikern eine breite Palette von Tätigkeiten vorstellt – möglichst ungeschminkt und mit hohem Informationswert.
Auch Lufthansa kann hier als Beispiel dienen: ein eigener YouTube Kanal der Fluglinie stellt serviceorientiert verschiedene Lehrberufe vor.
Ein so authentischer Einblick in den Arbeitsalltag ausgeschriebener Positionen hält weniger geeigneter Bewerber ab – und macht mögliche Kandidaten auf eine Position aufmerksam, die sie sonst vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hätten.
Twitter, Google+, LinkedIn & Co
Karrierenetzwerke wie Xing und LinkedIn sind nützliche Anlaufstellen für Interessenten. Sie ergänzen als starke Medien das dialogzentrierte Angebot auf Facebook um die Vermittlung von nützlichen Fakten und allgemeine Unternehmenspräsentationen und unterstützen die Recherche nach direkten Ansprechpartnern.
Twitter ist ein sehr aktuelles Medium, das sein volles Potential nur bei häufigen Updates entfaltet. Engagiert betreut eröffnet ein Twitter-Account wie keine andere Plattform die Chance auf schnellen und direkten Austausch.
Google+ ist trotz imposanter Userzahlen im Mainstream noch nicht angekommen. Es spricht schon heute spezielle Userschichten an, im Vergleich zu Facebook etwas älteres Publikum. Für den Erfolg von Employer Branding-Maßnahmen auf Google+ gibt es noch wenige Beispiele. Die den Unternehmen zur Verfügung stehenden Funktionen von Präsenzen sind gegenüber jenen von Facebook Pages eingeschränkt. Aber man darf davon ausgehen, dass sich Google+ auch im Bereich Employer Branding in naher Zukunft zu einer ernstzunehmenden Facebook-Alternative entwickeln wird.

Mit der vierten Auflage der dmexco hat es die Messe in Köln endgültig geschafft, sich als Treffpunkt der internationalen Digitalwirtschaft in Sachen Marketing, Media und Werbung zu etablieren.
Gezählte 22.200 Besucher drängten sich durch zwei Hallen der Kölner Messe in denen 578 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen präsentierten. 90 Seminare und mehr als 400 internationale Speaker die ein gut 160 Stunden dauerndes Conference Programm gestalteten, rundeten eine gelungene Mischung aus Expo und Conference ab.

Bei diesem Branchentreffpunkt, der von Ambient Intelligence, Multiscreen Commerzialisation, bis hin zu New Consumer Engagement reichte, war Netural heuer bereits zum zweiten Mal mit einem Spezialthema vertreten. Gemeinsam mit Partner Ars Electronica Solutions wurde auf einer knapp 7,5 qm großen Screeninstallation mittels Gestensteuerung demonstriert, welche eindrucksvollen Möglichkeiten diese Technik für POS, Messen, Events, Brandlands u.a. bietet.
„Ah! Das ist ja wie bei Minority Report!“ war nur eine der überraschten Aussagen von Besuchern wie präzise und aufsehenerregend sich Content aller Art auf einem Screen mittels Gesten steuern lässt. Dabei wurde in den zahlreichen Gesprächen jedoch nicht auf die vielen anderen Möglichkeiten vergessen, die sich für den POS und Messen anbietet. Dazu gehören u.a. Augmented Reality Anwendungen am iPad und Bildschirme mit Multitouchfunktion, an denen fast beliebig viele User interagieren können.

Das Festland hinter sich lassen, hieß es zur Linzer Klangwolke 2012 für Netural und Gäste. Pünktlich um 18.30 Uhr fanden sich 250 “Matrosinnen” und “Matrosen” am Anlegesteg im Donaupark ein. Gemeinsam enterten sie die “MS Passau”. Netural-CEO Albert Ortig hieß alle Willkommen und eröffnete das Buffet.
Video zum Netural-Schiff auf der Klangwolke 2012.
Der kulinarischer Genuss in Erwartung des Kulturhighlights: Schinkenröllchen mit Spargelspitzen, geräucherten Forellenfilets, knuspriges Bierbratl und gebratenes Fischfilet auf Veltlinersauce stellten nur einen Teil der Auswahl an regionalen Köstlichkeiten dar. Angeregte Gesprächsrunden in angenehmer Atmosphäre ließen flugs den Höhepunkt des Abends heraneilen.
So ging es gut gestärkt um 20.30 Uhr an Deck der MS Passau, um selbst Teil des Klangwolken-Abends zu werden. Die diesjährige Inszenierung erzählte von der Vernetzung der Welt. Dabei spielte die Architektur der Stadt als Projektionsfläche ebenso eine Rolle, wie die 90.000 Besucher mit ihren tausenden selbstgebastelten Leuchtbuchstaben. Satellitengesteuerte Drohnen, die Drehleuchten dutzender Feuerwehrautos, strahlende Handydisplays und Blitzlichter von Fotoapparaten – alles Teil einer bemerkenswerten Inszenierung 2012.
Am 12. und 13. Juli 2012 war es wieder einmal soweit. Bereits zum vierten Mal traf sich die österreichische Digital-Marketing-Szene zum “Werbeplanung.at Summit” in der Wiener Hofburg. Das Motto “Innovation – Insights – Interaction” ließ bereits im Vorfeld Großes erwarten oder erhoffen.
Opening Keynote von Matt Brittin
25 Vortragspanels der Kategorien Medien, Strategie, Trends und Werbung boten dem Veranstaltungsgourmet einen mit so manchem Leckerbissen gedeckten Tisch.
Für den ungeduldigen Informationshungrigen wurde in der parallel stattfindenenden Expo ein Format mit Kurzvorträgen eingerichtet, die – ganz bequem – in Liegestühlen konsumiert werden konnten.
Dem “Summit”-Organisationsteam an dieser Stelle ein Kompliment: Ein reibungsloser Ablauf, nahezu fehlerfrei funktionierende Technik, gute Beschilderungen und freundliche Mitarbeiter machten das Kongressleben zu einem Erlebnis. Schön wäre es allerdings, selbiges auch über die Masse der Diskussionsrunden, Vorträge und Präsentationen sagen zu können. Aber der Reihe nach.

Expo im Festsaal der Hofburg
Das Thema “Alte vs. Neue Medien” hat einmal mehr ein Revival erfahren. “Print lebt” tönte es im Brustton der Überzeugung von Seiten der Verlagsszene gegenüber Diskussionsleiter Armin Wolf. “Print muss schnellstens reagieren, sonst werden die Papiermedien untergehen”, die Replik der Gegenseite. Gemeinsam hatten beide Fronten, dass sie ohne konkrete Rezepte (aber mit ungebrochenem Selbstbewusstsein) vom Podium stiegen. – Und das Publikum in der Befürchtung zurückließen, dass wohl nächstes Jahr die gleiche Diskussion mit gleichem Aussagewert wieder stattfinden wird.
Die Vorträge waren so zahlreich, dass wir nicht alle besuchen konnten. Unter die gesehenen Highlights reihte sich der Themeblock “Reputation” ein, bei dem Michael Schacherhofer – “Das Gesicht der ÖBB” – über den ”Lovestorm” auf Facebook erzählte, den die mitmenschliche und rasche Reaktion der ÖBB auf die Aufforderung von Facebook-Usern, an den kältesten Wintertagen die Bahnhöfe für Obdachlose offen zu lassen, nach sich zog.
Ebenfalls spannend: Im Panel “Social Commerce” schilderte Johannes Gürtl, wie er sein Modellsportunternehmen via Facebook zu mehr Kunden und Verkaufstransaktionen verholfen hat. Ein weiteres Best-Practice-Beispiel, dass in Erinnerung bleibt: die “VW Up!”-Kampagne, von Thomas Holzhuber gut dokumentiert durch Videos und Screenshots.
Etwas befremdlich das grafische Niveau mancher gezeigter Präsentationen. Bis zu vier Charts pro Folie, viel zu viel Text und zig unterschiedliche Schriften – ein Stil, weit entfernt von 2012. Dass noch das eine oder andere Mal qualitative mit quantitativer Marktforschung verwechselt wurde, ist hingegen wohl der verständlichen Nervosität mancher Vortragender zuzuschreiben.

Der Werbegipfel mit Gertraut Burtscher, Daniela Terbu, Armin Wolf, Tanja Sourek, Thomas Koch und Michael Ströck
Und sonst? “The Oscar goes to”: Thomas Koch (TK-one) für seine gelassen ausgesprochenen, ehrlichen Worte zur Realitätsverweigerung der Medienhäuser. Dem Kreativgipfel mit Alexander Schill (Serviceplan) für seine schönen Beispiele, der “Summit”-Organisation, und last-but-not-least der gelungenen Conference-Party im Volksgarten.
Roland Kaiblinger
American Roulette ist eines der ersten Games von win2day, das auch auf mobilen Geräten wie dem iPad gespielt werden kann. Bei diesem Klassiker unter den Casinospielen setzen die Spieler auf einem virtuellen Roulettetisch auf Zahlen oder Gewinnfelder.

American Roulette kann man nun bequem zuhause auf der Couch oder unterwegs am Tablet und Smartphone aufrufen. Dafür ist keine App nötig, die win2day-Seite lässt sich direkt im Browser öffnen.
Die Darstellung des Spiels basiert auf HTML5 und CSS3 – und entspricht damit den aktuellsten Entwicklungen in der Webprogrammierung. Bedeutung hat dies vor allem für Animationen und Sound. Das Abspielen von Musik und Geräuschen funktioniert unter HTML5/CSS3 auch ohne die sonst dafür notwendigen Workarounds. In einem ersten Schritt wurde American Roulette nun für alle iOS-Geräte optimiert, im nächsten folgt ein Ausrollen auf andere Betriebssysteme und mobile Browser.
Da die Screenfläche am Handy-Display naturgemäß begrenzt ist, zeigt die automatische Ansicht stets den jeweils wichtigsten Bereich des Tisches. Zum Start haben die Mitspieler die Positionierung der Einsätze im Blick. Rollt die Kugel, konzentriert sich die Ansicht auf den Kessel.

Sicherheit und Stabilität stehen ganz oben. Unterbrechen ein Funkloch oder ein leerer Akku ein Spiel, sichert die mobile Online-Version die Daten laufender und abgelaufener Spiele. Unter “MyWin2Day” gibt der Spielreport auch im Nachhinein verlässlich Auskunft über die Ergebnisse der letzten Durchgänge. Kein Gewinn geht verloren.
Als Browsergame erspart American Roulette Handy- und Tablet-Spielern die Installation einer eigenen App. Eine verlässliche, obligatorische Anmeldung und laufende Synchronisation mit dem Server sichern alle Daten. Nutzerzentriertes Design macht das Spiel übersichtlich und erhöht den Spielspaß.
Am 21. Mai 2012 fand an der FHWien zum dritten Mal „Mobile Monday meets University“ an der FHWien statt. Heuer unterstützten – neben Netural – die Unternehmen Willhaben.at, YOC, Herold.at, Microsoft, APA und [Medien]wirtschaft das Mobile Monday-Team bei der Ausrichtung.

“Marketing & Sales”-Studenten entwickelten im Zuge einer Lehrveranstaltung von Markus Dejmek Konzepte für mobile Anwendungen und präsentierten diese den rund 150 Besuchern. Die Teams brachten mit Geschichten und teilweise schauspielerischen Einlagen ihre Projekte in knappen sieben Minuten dem Publikum näher. Die Fachjury: Markus Dejmek (YOC), Thorsten Hoffmann (Digital Sunray), Eva Maria Michelcic (Netural) und Petra Korica-Pehserl (Microsoft). Sie gab Feedback aus Sicht der Praxis.
Die Quintessenz der Vorträge 2012: spritzige Präsentationen, ein Funktionenfeuerwerk der Apps, starke crossmediale Ansätze sowie Augmented Reality und Social Media Elemente.

Das Team “Wien Energie” stellte ein „Catch the Code“ Spiel vor, bei dem QR-Codes gefunden und eingescannt werden müssen. Die Studenten mit dem Partner IngDiBa präsentierten ein Konzept, welches Neukunden durch Upload von Fotos für ihre Wunschliste mit einem Startguthaben belohnt. Für Interspar wurde eine App gezeigt, bei der die nächsten Filialen, eine Wunschliste, die Anzeige des Lieferstatus und QR-Code Couponing eingebunden sind. Die Raiffeisen-Mannschaft nahm viele bestehende Apps und kombinierte deren besten Eigenschaften zu einer Anwendung. Das Projekt für DiTech reduziert den Weihnachtsstress durch eine Kampagne für den Onlineshop und Flyer mit QR-Code im Bierdeckelformat. Die Zeitschrift „Woman“ wollte eine mobile Unterstützung der “Woman Day”-Kampagne. Die Studentinnen stellten die App mit einer schauspielerischen Darbietung vor. Die App beinhaltet eine Einkaufsliste, ein Gewinnspiel sowie die Einbindung von User Generated Content.
Das willhaben.at-Gewinnerteam überzeugte mit der Figur Willi, die mit Hilfe von Augmented Reality und Locasion Based Services auf Immobiliensuche ging. Das Projektteam integriert dabei Finanzierungsdienste, SMS-Alerts für Suchanfragen und einen Lieferservice. Bei der Gestaltung von Bannern für die Vermarktung wurde verstärkt auf die Usability geachtet. Jacqueline Resch,Verkaufsleiterin “Online & Mobile Sales” von willhaben.at blieb nicht mehr zu sagen als: „Den Willi, will i.“

Die Entscheidung des Publikums wurde, passend zum Mobile Monday, mittels SMS-Voting getroffen. Willhaben.at schenkte den Gewinnern tragbare Holzkohlegriller. Bei Snacks und Getränken – Netural gab mit eigenen Etiketten den Bierssponsor – knüpften die Besucher neue Kontakte und festigten bestehende Bekanntschaften.

Ankunft Berlin-Tegel, kurz vor 20 Uhr. Der Wind bläst, doch die Frisur hält. Und passend zum Thema der TYPO 2012 geht es ziemlich nachhaltig mit dem Bus Richtung Hotel, schließlich will man ja authentisch sein.
Am 17. Mai 2012 öffnete erneut die TYPO Berlin für drei Tage ihre Pforten, um rund 1.200 Besuchern das Thema „Sustain“ zu vermitteln. Wie gestaltet man seine Projekte nachhaltig erfolgreich? Oder besser: Wie gestaltet man sie erfolgreich nachhaltig? Rund 50 Sprecher versuchten – mehr oder weniger fokussiert – die passende Antwort zu geben.
Eingeleitet wurde die diesjährige Konferenz von Bernd Kolb, der mit seinem Vortrag sehr theoretisch in die Thematik einführte und das Publikum mit der als Aufforderung gemeinten Frage „Was mache ich morgen anders?“ in Nachdenklichkeit entließ. Nach schwerer Kost zur Weltverbesserung brachte die Designerin Morag Myerscough Farbe und Abwechslung auf die Leinwand. Sie liebt es, aus alten Dingen Neues zu schaffen – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – und schreckt dabei auch nicht vor der Größe eines Projekts zurück. So mussten für ihr Vorhaben „The Deptford Project“ eigens Schienen verlegt werden, um einen alten Zug transportieren zu können, der dann in ein Café umgestaltet werden sollte. Ein wirklich kreativer und inspirierender Vortrag – wie auch jener der Designerin, Typografin und Autorin Kirsten Dietz: Sie beschäftigt sich mit sieben Thesen zu nachhaltig erfolgreichem Design (1. Stay hungry, 2. Use your brain, 3. Say no, 4. Team up, 5. Accept failure, 6. Insist on quality und 7. Never give up). Reiht man die Anfangsbuchstaben aneinander, sieht man das Ziel.
Eine der erfrischendsten Lectures hielt Andreas Uebele. Er meinte, ihm sei nun wirklich nichts zum Thema „Sustain“ eingefallen. Stattdessen zeige er lieber seine Projekte. Das Publikum quittierte mit herzlichem Lachen – und humorig blieb auch Uebles weiterer Vortrag. Und, ach ja, zum Abschluss hätte er doch noch etwas zum Thema einzubringen. Schließlich gäbe es sein Leitsystem einer Schule schon 12 Jahre lang – äußerst nachhaltig! Den Schlusspunkt des ersten Tages bildete eine Reise durch die Welt, erzählt von Aart von Bezooyen und Paula Raché.
Am zweiten TYPO-Tag betrat Jan Teunen mit einem großen „T“ in der einen und einer Tasche mit Schwein in der anderen Hand die Bühne. Was unterscheidet uns vom Schwein? Sind wir Teil des Problems oder Teil der Lösung? Sein Appell zur Nachhaltigkeit klang simpel: „Nur so viele Bäume fällen, wie auch nachwachsen.“ Problem gelöst. Doch schon der nächste Vortrag von Ruedi Baur zeigte: ganz so einfach kann es nicht sein. Baur bewertet Energieaufwand mit Punkten. Dabei soll jeder Mensch pro Trag auf 100 Punkte kommen. Die Realität sieht dann – mit 450 Punkten oder mehr – anders aus.

Nachhaltigkeit liegt nicht ausschließlich in der Hand des Konsumenten, es muss auch passende Angebote geben. Petz Scholtus sprach über gutes Design. Es sei nicht leicht, grün zu sein, meint sie. Außer vielleicht mit ihrer Idee des „No-Wash-T-Shirts“ mit Belüftung durch Löcher unter den Armen und Camouflage-Muster. Die folgende Bildershow von Andy Altman hatte zwar wenig mit „Sustain“ zu tun, zeigte aber ein interessantes und im höchsten Ausmaß typografisch gestaltetes Projekt – den Comedy Carpet in Blackpool.
Elliot Jay Stocks widmete am letzten Tag der Konferenz seinen Auftritt den Möglichkeiten der Web Typografie -„Tomorrows web type today“. So ist es auch im Webdesign kein Ding der Unmöglichkeit, Text ansprechend zu setzen und Elemente wie Ligaturen zu verwenden, die Mittel werden lediglich viel zu wenig genutzt.

Stefan Kiefer, Leiter des Titelbild-Ressorts beim SPIEGEL, präsentierte die populärsten und aufwendigsten SPIEGEL-Covers aller Zeiten. Zwar bleibt meist zu wenig Zeit, einen Titelbild-Entwurf fertigzustellen, dennoch werden alle Cover raffiniert und präzise durchdacht. Dabei scheut der SPIEGEL weder Kosten noch Mühen, eine Idee auf‘s Papier zu bringen.
Der äußerst amüsante Abschluss-Vortrag der Konferenz kam von Jessica Hische, die sich selbst als „Letterer, Illustrator, Crazy Cat Lady und Secret Web Designer“ bezeichnet. Mit jeder Menge Fleiß an 16-Stunden-Tagen wurde sie schnell erfolgreich. Ihre Message: „Make things you wished existed“ – wenn einem selbst etwas nützlich erscheint, finden sich vermutlich auch andere dafür. Mit den Worten „Go forth and be nerdy!“ fand die TYPO 2012 ihr Ende.
Was darf man also von dieser Veranstaltung nach Hause tragen (außer gratis Kugelschreibern und neuen Notizbüchern)?
Das Thema Nachhaltigkeit ist mit Sicherheit nicht das einfachste. Von vielen Theorien werden die wenigsten auch angewandt. Wie so oft gilt es zu überlegen, was nachhaltiges Design für einen selbst bedeutet und womit man sich identifizieren kann. Besonders im Bereich der Web-Typografie hat sich einiges getan. Dieser Trend wird in den nächsten Jahren noch präsenter. Trotzdem sollte man auch Jessica Hisches Worte mitnehmen: „No one reads on the internet!“. Vieles geht hin zu großen Bildern und wenig Text.
In diesem Sinne …

Isabella Fahrner, Martina Winkler
Die Audiovisual Media Days 2012 fanden vom 14. bis 15. Mai im Münchner HVB Forum statt. Die diesjährige Opening Keynote der AVMD hielt Dr. Alexander Henschel, Managing Director im Frankfurter Büro des Consultingunternehmens goetzpartners. Er fütterte sein Publikum mit Zahlen zum Online-Video-Konsum der Deutschen, die comScore eben erst veröffentlichte.

Die mobile TV-Nutzung steigt stark an, global um 33 Prozent. 44 Prozent der Deutschen wünschen sich laut Analyse die Möglichkeit des zeitversetzten Fernsehens, 28 Prozent Video-on-demand und 26 Prozent Internetsurfen am TV-Gerät. Verschiedene hybride Endgeräte konkurrieren unter dem Einfluss aktueller Markttrends um die Vormachtstellung im Wohnzimmer. Dabei wächst die Nachfrage nach Spielkonsolen & Blu-ray-Player und an hybriden Setup-Boxen. TV-Geräte finden eine vernünftige Ausgangsposition, um sich am SmartTV-Markt durchzusetzen, ebenso wie Smartphones und Tablets: Letztere verwenden Zuseher oft ergänzend zum Fernseher. Dagegen verkauften sich PC- und Media-Center zuletzt weniger gut. Als einer der Erfolgsfaktoren für IPTV-Geschäftsmodelle kristallisiert sich Social Media heraus.
Podiumsdiskussion: Smart TV – Smart Advertising mit Matthias Büchs (RTL interactive), Dr. Marc Eisenbarth (MINI Deutschland), Jens Hofmann (Digital Mediaplus Gruppe), Oliver Vesper (smartclip Deutschland)
Daniel Stephenson (Myspace) gab Einblick in jüngste Trends rund um Branded Entertainment und “Social TV”. Der noch junge Begriff beschreibt die Verwendung von Social Networks wie Facebook und Twitter auf einem „Second Screen“ – während des Fernsehens. Diese Form der Parallelnutzung nimmt massiv zu, so betrafen etwa beim Champions League-Semifinale Ende April bis zu 13.000 Tweets pro Sekunde das Spiel.
Der Second Screen biete eine Fläche für Interaktion, Kommunikation und Information, unterstreicht auch Frank Barth von Couchfunk. 57 Prozent der Tablet-Nutzer und 41 Prozent der Smartphone-Nutzer verwenden Social Media während sie fernsehen – und das mindestens einmal pro Woche. Die Hauptnutzung fällt in die Primetime, am Wochenende verdoppelt sich die Frequenz. 60 Prozent der Zuseher surfen gleichzeitig im Web, 38 Prozent von ihnen suchen dabei nach Informationen zur Sendung. Man könne also festhalten, so Barth: Während sich früher das Fernsehpublikum am Montagmorgen mit Kollegen über die TV-Highlights des Wochenendes austauschte, verlagern sich diese Watercooler-Gespräche zunehmend ins Web – kurz vor, während und nach der Ausstrahlung der Sendung.

Zur Interaktion müssen entsprechende Schnittstellen angeboten werden. Spät aber doch setzen Fernsehsender auf diese Entwicklung. Die ARD stellte versuchsweise mit “Tatort+“ eine Folge der beliebten „Tatort“-Serie bereits vor der Sendung auf YouTube und entwickelte dafür ein „Point and Klick“-Spiel für die Zuseher. Das Publikum ermittelte so selbst den Täter. HBO ging bei “Game of Thrones” eine Kooperation mit GetGlue, Google+, miso, Twitter und Facebook ein. Die aus der Zusammenarbeit resultierende Userbasis führte man mit HBO Connect in einem eigenen Netzwerk zusammen.
Das (jährlich wiederkehrende) Resümee der AVMD: Fernsehen verändert sich. Content ist nicht mehr King, genauer: nicht mehr alleine. User-Experience rückt – quasi als Queen – an dessen Seite. Während Technik und Konsumenten für den Wandel bereit zu sein scheinen, liegt es nun an den Fernsehsendern und TV-Produzenten, dieses Potenzial zu nutzen.
Mehr Informationen zu den Referenten und Videos zu ausgewählten Vorträgen auf der Website der Audiovisual Media Days.
Gut Ding’ braucht Weile, heißt es. Und so ist es wohl auch mit dem einen oder anderen Internetphänomen, das – von der Prophezeiung bis zur Inkarnation – ein paar Jahre ins Land ziehen lässt. “Das Internet der Dinge”, bereits 2005 ausgerufen und im Wesentlichen auf Technologie der 1990er Jahre basierend, lernt laufen. Das zumindest konstatierte die “Next Conference”, die am 8. und 9. Mai in Berlin stattfand und den Schlusspunkt der “Berlin Web Week” setzte.

Seit drei Jahren in der “Station”, dem ehemaligen Kreuzberger Postbahnhof, einst größter Paketumschlagplatz Deutschlands, untergebracht, ist die “Next Conference” längst Fixstern unter unzähligen Digital Media-Trend-Konferenzen in ganz Europa. Und es gelang den Initiatoren, der deutschen Agenturgruppe SinnerSchrader, erneut, das Niveau hoch zu halten und die Erwartungen von rund 2.000 Besucher zu erfüllen. Themenrahmen 2012: “Postdigital” … was immer das auch heißen mag.
“Das Internet der Dinge” erzählt von Objekten, die uns umgeben und “smart” sind, weil via WiFi, GSM oder UMTS mit dem Internet verbunden, durch RFID oder NFC identifizierbar, via GPS lokalisierbar, oder mit Sensoren ausgestattet. Alltagsgegenstände, in welche Computerintelligenz hineingewoben wurde – oder möglicherweise auch umgekehrt: Computer im Kleid und mit der Basisfunktion praktischer Kleinigkeiten. Ein Medikamentenverschluss, der ans Einnehmen der Pillen erinnert und Hilfe holt, wenn die gewohnte Handlung ausbleibt (Glow Caps). Ein Asthmaspray, der aufzeichnet, wo und wann er zum Einsatz kommt, die Daten sammelt und auswertet, um Betroffenen zu spiegeln, in welchen Gebieten zu welchen Zeiten außerordentliche Belastungen zu erwarten sind (Asthmapolis). Oder auch ein Stromstecker, der zig Sensoren integriert hat und via Smartphone Dutzende verschiedene Aufgaben erfüllen kann (QGate).
Alexandra Deschamps-Sonsino (“Good Night Lamp”) über das “Internet der Dinge”
Jenseits jeder Gegenständlichkeit provozierte der Vortrag des schwedischen Philosophen und ehemaligen “Army of Lovers”-Frontman Alexander Bard. In seinen Augen hat die Menschheit in ihrem vierten Kommunikationszeitalter (“Sprache”, “Schrift”, “Buchdruck” und “Internet”) mit dem Web eine Hydra geschaffen, ein Monster, das alle auffrisst. Im Guten wie im Bösen. Für Bard geht auch Al-Qaida als Internetphänomen durch. Gleichzeitig stehen aus dem Zeitalter der Massenmedien bekannte Größen vor dem Aussterben: Fabriken, Städte, Kapital, Nationen – ersetzt durch Medien, Cyberspace, Aufmerksamkeit und Subkulturen. Das Internetzeitalter als Ende des Individuums und Startpunkt von Dividuen, von geteilten Menschen, die in unterschiedlichen Systemen völlig unterschiedliche Rollen einnehmen.
Alexander Bard über seine Eindrücke auf der Next Berlin
Next12 war aber nicht nur ein Konferenz verschrobener Denker in kurzen Hosen. Im Gegenteil: Berlin gilt längst als das heißeste Pflaster für die digitale Gründerszene. Und das nicht bloß für Deutschland, sondern für ganz Europa – weil Mieten günstig, Talente willig und Venture Capital ante portas. Entsprechend groß war der Andrang beim Startup-Track und in der Startup-Lounge der Next. Hier gab es 2012 mehr spannende Ideen denn je zu sehen. Unser eigenes Projekt “Roomle” war eine davon. (Und das Feedback war durchaus erfreulich. Danke dafür.)
Ob das “next big thing” mit im Vorstellreigen war, blieb naturgemäß offen. Den Preis für den innovativsten Ansatz holte sich – mit Heimvorteil – Squadmail, ein Dropbox-ähnliches Service für eMails. Startups sind sexy, soviel stand nach zwei Tagen fest. Das unterschreibt wohl auch der neue Next-Hauptsponsor Deutsche Telekom, der die Konferenz nutzte, um mit “Hub:raum” (sic!) einen eigenen Inkubator vorzustellen. Standort – klarerweise – Berlin.
Stellvertretend für alle, die an große Ideen glauben, hier noch ein Interview mit Ulla-Maaria Engeström von “Thinglink” (einem übrigens brillanten Service, um Bilder um Musik und Videos anzureichern) – weil sie so schöne Worte fürs Entrepreneurship fand und sich mit uns ein Taxi zum Noch-Airport Tegel teilte:
Ernst Demmel
Foto: Next Conference

Für Berlin ist die Blogger- und Social-Media-Konferenz re:publica ein Glücksfall. Erstens spült sie jährlich scharenweise Blogger und Twitterer aus allen Ecken und Enden des deutschsprachigen Raums in die Hotelzimmer und sorgt für gute Publicity. Zweitens etabliert sich im Windschatten des technik-affinen Publikums mittlerweile eine lebendige Startup-Szene in Berlin, die es angeblich schon fast mit der legendären Londoner Community aufnehmen kann.
Von 2. bis 4. Mai bezog die re:publica 2012 ein neues Quartier: die “Station” am Gleisdreieck. Das Gelände des ehemaligen Postgüterbahnhofs zeigte sich den hohen Ansprüchen an ein festivalähnliches Massenevent mit 4000 Besuchern und 270 Rednern aus mehr als 30 Ländern gewachsen. Es bot Platz genug für 8 Vortragssäle und einen weitläufigen, überdachten “re:publica square” mit diversen Service-Ständen, Sitzgelegenheiten, Stromversorgung und einem re:publica “re:staurant”.
Das einzige Manko war die schwächelnde Internetverbindung, die innerhalb der ersten Stunde gegen die Wand gefahren war. Auch die klassische Telefonverbindung hatte zu kämpfen, obwohl zwei Netzbetreiber extra zusätzliche Masten aufgestellt hatten. Die wenigen Steckplätze für LAN-Kabel waren entsprechend heiß begehrt, das fehlende Netz blieb Dauerthema auf dem Event.

Auf der re:publica 2012 ging es um Freiheit und Zensur, Anonymität und Öffentlichkeit, Identität und Überwachung, Urheber- und Nutzungsrechte, Datenjournalismus, Open Learning und vieles mehr.
Zum Auftakt warnte Professor Eben Moglen von der Columbia University vor der Bedrohung des freien Internet, letztlich der freien Gesellschaft, durch staatliche und private Überwachung.
Facebook und Google speichern gigantische Mengen von Daten über uns. Der Like-Button einer Website meldet, wenn wir die Seite ansehen, wenn wir sie unseren Online Freunden weiterempfehlen – und wenn nicht.
Amazons Kindle weiß zu jeder Zeit, was wir lesen, wann und wie schnell. Jeder Handgriff ist dokumentiert, jedes Buch ist nur geborgt und kann uns jederzeit entzogen werden – die Beispiele dafür gibt es zuhauf.
Der nächste Schritt wäre die Kriminalisierung des Lesens. In Frankreich hat der scheidende Präsident Sarkozy gefordert, dass wiederholte Besuche auf djihadistischen Websites strafbar sein sollen.
Apple hat Gespräche mit Buchverlagen geführt, um eigene Apple-Bücher zu launchen, inklusive inhaltlicher Vorgaben. Etwa, dass in den verlegten Werken keine anstößige Wörter vorkommen dürfen.
Unser Leben sei dabei, sich grundsätzlich zu wandeln, meinte Eben Moglen. In zwei Generationen schon würden die Menschen ganz anders – nämlich vernetzt – aufwachsen und denken. Wie dieses Leben unserer Kindeskinder aussehen würde, das würde jetzt entschieden. Wir trügen die Verantwortung, die richtigen Weichen zu stellen.
Moglen propagiert den Aufbau dezentraler Netze, die sich der Kontrolle von oben entziehen.

Die Frage nach dem Urheberrecht zog sich als roter Faden durchs ganze Programm der re:publica 2012.
re:publica Mitbegründer Markus Beckedahl und der Grüne Europa-Parlamentarier Jan Philipp Albrecht brachten das Publikum in einem offenen Gespräch auf den neuesten Stand beim aktuellen Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen ACTA. Der Vorstoß der Content-Industrie gilt nach massiven Protesten gegen die enthaltenen Eingriffe in demokratische Grundrechte als nahezu überwunden.
Die stellvertretende Kommissionspräsidentin der Europäischen Union, Neelie Kroes, versicherte ebenfalls, ACTA sei erledigt. Die Netzgemeinde und ihre Proteste hätten dazu wesentlich beigetragen. Sie dankte dafür und versprach, sich für ein freies Internet einzusetzen, gegebenenfalls auch um den Preis einer weiteren Amtszeit.
Trotzdem: ohne ein (modernisiertes) Urheberrecht werde es nicht gehen. Das Urheberrecht sei aus Gründen entstanden, die gültig blieben. Künstler, Autoren und Musiker müssten von ihren Werken profitieren dürfen. Auf dem Weg zu einer Lösung wünschte sich Kroes die Ideen und aktive Beteiligung und ja, auch öffentliche Proteste der Netzgemeinde.
Im Gespräch mit dem Musiker und spreeblick-Blogger Johnny Häusler diskutierten unter anderen die Musikerin Roxanne de Bastion, Ministry of Sound Deutschland-Gründer Konrad von Löhneysen und tape.tv Gründer Conrad Fritzsch über die aktuelle Lage und versuchten, Auswege aus der Konfrontationshaltung zwischen GEMA und Musikhörern aufzuzeigen.
Spannend war dabei der differenziertere Zugang zur GEMA (und dem englischen Pendant ), die für Außenstehende sonst nur unter dem Stichwort: “Dieses Video steht in Ihrem Land nicht zur Verfügung” vorkommt.
Die GEMA ist aber eine der Verwertungsgesellschaften mit dem geringsten Aufwand für Verwaltung und Organisation. Der überwiegende Anteil der Einnahmen geht tatsächlich an die Musiker und macht für sie oft die Hälfte der Einkünfte aus.
Ein denkbarer Weg zu Geld für kreative Leistungen ist Crowdfunding. Kunst und Kultur können vom Publikum freiwillig vorfinanziert werden.
Allerdings: Crowdfunding funktioniert am besten für die Prominenz. Amanda Palmer kann innerhalb von Stunden viel Geld zusammentragen. Ein Neueinsteiger, der noch keine Fanbasis aufzuweisen hat, ist auf organisierte Hilfe angewiesen.
Crowdfunding funktioniert also nicht immer, dafür aber manchmal auch in Bereichen, die man nicht damit in Verbindung bringen würde. Das Buchprojekt “Hartz IV Möbel” von Van Bo Le-Mentzel wurde durch Crowdfunding mit 260% überfinanziert. “berlinfolgen” ist ein Foto-Video-Format, das Berlin und Berliner im Detail vorstellt und erfolgreich durch Crowdfunding getragen wird.
Welche Finanzierungsformen und welche rechtlichen Rahmenbedingungen die Zukunft auch bringen wird – das Internet bleibt jedenfalls Teil der Medienlandschaft.
“Transmedia Storytelling” ist ein Ansatz, der die Gesamtheit dieser Medienlandschaft nutzen möchte. Filme, Fotos, Plakate, Schauspiel, Websites und sogar Bücher erzählen gemeinsam eine Geschichte. Transmedia Storytelling überwindet die Grenzen zwischen den Vermittlungsformen, den so genannten Medienbruch, und nutzt für jeden Inhalt die am besten geeigneten Medien. Dem Publikum steht es frei, zu beobachten oder sich aktiv einzubringen und sogar die Handlung zu verändern.
Dazu wurde ein “Transmedia Manifest” mit 11 Thesen vorgestellt. Verschwimmende Grenzen zwischen Fiktion und Realität, Einstiegspunkte über den ganzen Projektverlauf hinweg, Interaktivität, Transmedialität, ein Geschichtenuniversum mit Potenzial zur unendlichen Weiterführung und die freie Wahl der Nutzungsintensität definieren Transmedia Storytelling Projekte und ihr “Subset” Alternate Reality Games.
So komplexe Projekte kosten Zeit, Expertise und Geld. Daher dachten die Präsentatoren auch an den Return On Investment. Kostenpflichtigen Apps, Premium-Content und sogar Merchandising sind möglich – immer vorausgesetzt, die Geschichte ist packend.

Packend war auch der Auftritt von Starblogger und SPON-Kolumnist Sascha Lobo. Unter dem Titel “Der Stand des Internet 2012″ warnte der Quasi-Papst der deutschsprachigen Onliner davor, sein Netzleben den großen kommerziellen Anbietern in die Hände zu legen. Bloggt!, rief er auf, bloggt auf eigenen Plattformen. Machen wir 2012 zum Jahr des eigenen Blogs! Denn nur was auf dem eigenen Blog steht, gehört einem wirklich selbst.
Dann mahnte Sascha Lobo zum Brückenschlag zwischen Onlinern und Offlinern. Onliner sollten sich nicht im Gefühl sonnen, zu einer Elite zu gehören.
30 Millionen Menschen alleine in Deutschland würden sich nie im Internet bewegen, erinnerte er. Das sind viele Menschen, die womöglich aus Unsicherheit und auf der Basis falscher Informationen folgenschwere demokratische Entscheidungen treffen. Der digitale Graben in der Gesellschaft, ganz gleich ob in Generationen, Lebensstil oder Plattformen definiert, müsse zugeschüttet werden.
Die Initiative dazu muss von den Onlinern ausgehen.
Andreas Habicher

360 Grad Panorama-Bilder vermitteln einen sehr viel authentischeren Eindruck von einer abgebildeten Szene als ein einzelnes Foto. Obwohl die Technik dafür schon im ersten Weltkrieg eingesetzt wurde, verdanken die langgezogenen Rundum-Aufnahmen ihre heutige Verbreitung dem Panorama-Programm vieler Digitalkameras. Dieses Feature kombiniert leicht überlappende Einzelbilder mittels geeignerter Software zu einem Gesamtbild.
Zwei Nachteile: Es fehlt der Blick nach oben und unten. Und bei der “flach ausgerollten” Darstellung entstehen an den Rändern der Einzelbilder Verzerrungseffekte.
Die Lösung: Fischauge- oder Superweitwinkel-Objektive. Von einem speziellen Stativ mit kontrolliert in jede Richtung schwenkbarem Aufsatz wird jede Blickrichtung einmal fotografiert. Eine 3D-Engine setzt die Bilder dann kugelförmig rund um den eigenen Standort zusammen.
Derartige Panorama-Bilder kommen in Marketing und Design oder in Kunstprojekten zum Einsatz. Besonders prominent wurden sie durch die Aufnahmen von Google Street View und dem Konkurrenzangebot Bing Streetside View.
Die kreativen Köpfe im Netural Lab haben Möglichkeiten für einen praktischen Einsatz der Technologie nachgespürt.
Für gewöhnlich orientiert man sich auf Panoramabildern durch klassisches Scrollen oder, auf iPads und anderen Touchscreens, durch Wischbewegungen. Inspiriert durch die Idee einer Augmented Reality Ansicht der aktuellen Umgebung hat das Netural Lab Team aber eine zweite Möglichkeit gewählt. Für den besonderen Effekt sorgen Kompass und gyroskopische Neigungsbestimmung im iPad. Das Tablet “weiß”, in welche Richtung es deutet. So erlaubt es den Blick in eine alternative Realität – die lebensechte Ansicht der abgebildeten Rundumansicht ohne eigene Navigationselemente. Betrachter bewegen sich mit dem Screen in der Hand und verändern so ganz natürlich den angezeigten Bildausschnitt.
Um sich von einem Standort oder einem Raum zum nächsten zu bewegen gibt es viele Wege. Eine Variante sind in die aufgenommene Umgebung integrierte Pfeile, die zum nächsten Panorama-Standort weisen. Eine zweite ist ein Kontext-Menü, in dem eine One-Touch-Auswahl aus der Liste verfügbarer Standorte erscheint. Ob Wegweiser, Fußspuren, klickbare Türen oder optisch hervorgehobene Landschaftsmerkmale: es stehen unterschiedlichste Möglichkeiten zur Navigation über animierte und interaktive Elemente im Panorama zur Verfügung.
Was kann man damit machen?
Der Panorama-Viewer eignet sich natürlich für virtuelle Rundgänge in Museen und touristisch interessanten Gebäuden, oder in Häusern, die aus bestimmten Gründen gesperrt sind. Doch die größte Stärke der 360 Grad Ansicht ist der Einsatz im Freien: So lassen sich mit dem Panorama-Viewer Skigebiete, geschützte Naturlandschaften und schwer zugängliche Gegenden bequem im Bild erforschen.
Eine weitere, besonders interessante Idee aus dem Netural Lab: 360 Grad Aufnahmen, die den tatsächlichen, aktuellen Standort zu einer anderen Zeit enthüllen. Vor dem Bau des Hauses. Bei Nacht. In Sommer und Winter.
Die spannendsten Zeitreisen sind die in die Zukunft. Im Panorama-Viewer können auch 3D-Ansichten geplanter Gebäude eingebunden werden. Das Ergebnis ist eine realistische Darstellung des fertigen Projekts im Kontext seiner künftigen Umgebung – aus mehreren Blickwinkeln oder auch aus dem Inneren.

Wo ein Barcamp ist, da finden sich auch Digital Addicts ein. Und wenn “the next web” das Thema ist, zieht dies Netural-Designer und -Entwickler naturgemäß besonders an.
So auch zwischen 23. bis 25. März, wo der Studiengang Multimedia-Technologie der Fachhochschule Salzburg bereits zum dritten Mal zu einer “Unkonferenz” nach Puch Urstein eingeladen hat. Vortragende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz brachten einen Hauch Internationalität unter das mehrheitlich studentische Publikum. Talks zu HTML5, Frontend Development, User Experience und Interaction Design fanden eine interessierte Zuhörerschaft.
Die e-Sport-Legende Volker Heinrich, ehemaliger Programmleiter des deutschen Senders GameTV, beleuchtete Browser-Games sowohl historisch, als auch aus Marketing-Perspektive, und präsentierte einen Einblick in die unübersichtliche, von den privaten Fernsehstationen dominierte, Webgame-Landschaft.
Den simplen Titel “User Experience – 12 Tipps” gab Daniel Höller seinem frischen und fesselnden Vortrag über jene einfachen Grundregeln, denen jeder Designer und Entwickler ohne Zögern folgen sollte. Spannend (und unterhaltsam) auch ein Live-Usability-Test des Teams von Simplease – am lebenden Subjekt, sprich: User und potentiellen Kunden. Das Objekt: eine in die Jahre gekommene Carsharing-WebSite. Für das Ausarbeiten der Verbesserungsvorschläge wurde das Publikum miteingebunden.
Das 6-Minuten-Schnelldurchlaufformat “Lightning Talks” lud ein, Herzensangelegenheiten in gebotener Kürze auf den Punkt zu bringen. Das Publikum lernte – recht kompakt – über das “Goal Buddy”-Prinzip oder wie sich NGO’s wie Greenpeace vernetzen und Mobile Devices fürs Fundraising einsetzen.
Stark vertreten und kommunikativ zeigten sich die Frontend-Programmierer mit Inputs zu WebGL (= Flash-freies 3D, das im Browser läuft), CSS3 und SASS. Die Netural-Entwickler Roswitha Wallner und Stefan Baumgartner punkteten bei den zahlreichen Interessierten mit “Bitte warten – Performance-Optimierung von WebSites und Web-Apps” und “HTML5 auf Mobile Devices”.
Und wie bei jedem Barcamp, auch in Salzburg das eigentlich Wichtigste: persönliche Kontakte pflegen. Für Studenten, die Möglichkeit, auf Professionals zu treffen – und umgekehrt. Sich abseits des “Daily Business” mit Themen auseinandersetzen, für die sonst gern die Zeit nicht bleibt. In diesem Punkt waren sich dann alle einig: ein Wochenende ist schön, aber zu wenig …
Digitale Medien verbinden Generationen. Netural stellt den natürlich vorhandenen Forscherdrang der Mitarbeiter in den Dienst der guten Sache.
Richtiger: guter Sachen! Denn gleich zwei ganz neue Forschungsprojekte werden Menschen direkten Nutzen bringen: Einmal die “Safe Move” App, mit der wir älteren, allein lebenden Menschen wieder (Selbst-)Sicherheit, Lust aufs Draußen und Mut zum Aufbruch geben wollen, und die “Better World App”, durch die Kinder an der Zukunft des Planeten, den sie erben werden, aktiv und wirkungsvoll mitarbeiten können.
Für digitale Medien ist niemand zu alt. Das beweisen wir als Teil eines internationalen Konsortiums mit dem europäischen Forschungsprojekt “Safe Move”. Das Projekt ist speziell auf ältere Nutzer ausgerichtet – auf Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich in ihrer näheren Umgebung sicher zu bewegen.
Die Gründe für solche Schwierigkeiten sind vielfältig. Körperliche gebrechen, Orientierungsschwierigkeiten, Sicherheitsbedenken oder wachsende Zweifel an den eigenen Fertigkeiten, weil vieles, das früher einfach war, nicht mehr selbstverständlich ist.
Safe Move setzt hier an und trainiert das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Gleichzeitig stellt die Anwendung Hilfe in schwierigen Situationen und Orienteriung in der näheren Umgebung bereit.
Beispiel: Agathe ist 82 Jahre alt. Sie möchte eine Ausstellung besuchen, in einem neuen Gemeindesaal. Agathe kennt den Weg noch nicht – und dann sind da noch der Verkehr und der Lärm auf den Straßen.
Safe Move zeigt Agathe den einfachsten und sichersten Weg zur Veranstaltung – und zwar auf dem Fernsehschirm. Sie kann Zebrastreifen und Gehsteige ebenso wie Alternativrouten am Bildschirm auskundschaften. Auch Busfahrpläne und die Routen sind in Save Move enthalten.
Eine wichtige Hemmschwelle bei Unternehmungen ist die Sorge, sich dabei ganz allein nicht wohl zu fühlen. Ein Lösungsangebot ist die soziale Integration der Anwendung. Freunde, die über Safe Move miteinander verbunden sind, können gemeinsam online üben und einander bei der Routenplanung unterstützen. Sie können Treffpunkte abmachen und einander mithilfe der App in der Stadt sicher finden.
Die mobile Anwendung begleitet Agathe auf dem Weg und warnt sie, wenn die richtige Station zum Aussteigen näher kommt oder alarmiert Helfer, wenn Agathe ihren Weg nicht aus eigener Kraft fortsetzen kann.
Zu jung für digitale Medien? Sind auch die Wenigsten.
Das sieht man sofort, wenn man kleine Kinder wie Profis mit iPad & Smartphone hantieren sieht. Die “Better World App” will bei Kindern, Jungen und jung Denkenden ab 8, bis 99, den spielerischen, entspannten Zugang zur Technologie nutzen, um eine bessere Welt für alle zu schaffen. Ziel ist ein nachhaltiger Lebensstil für ganze Familien und eine Erde, die es sich lohnt an die nächste Generation weiterzugeben.
Dazu stützt sich die “Better World App”, die wir gemeinsam mit der Kinderuni Steyr und dem Linzer Institut für qualitative Analysen (LIquA) entwickeln, auf vier Säulen:
Zunächst macht sie das eigene Verhalten in Bezug auf den Umgang mit natürlichen Ressourcen und unserer Mitwelt unmittelbar bewusst. Sie rechnet vor: Du bist so weit mit dem Auto gefahren. Du hast so viel Wäsche gewaschen.
Dann zeigt sie Alternativen auf. Mit dem Öffentlichen Verkehr hätte deine Bilanz so ausgesehen. Diese Waschtrommel war erst halb voll. Das wäre auch bei 40 Grad sauber geworden.
Die “Better World App” rechnet hoch. Sie zeigt damit, dass das Verhalten des Einzelnen ein Baustein einer großen Entwicklung ist. Sie zeigt auch, dass jeder kleine Beitrag zählt.
Zu guter Letzt trainiert die “Better World App” noch spielerisch neue Verhaltensweisen an. Wer nach der ökologisch richtigen Handlung eine Aufgabe bestätigt, erhält Punkte gutgeschrieben. Den Punktestand sehen Mitspieler und Freunde sowohl in der App als auch auf den Social Media Profilen der Teilnehmenden. Wer sein Verhalten richtig steuert – und dadurch sich und seinem Umfeld vorlebt – zieht Woche für Woche den anderen davon.
Ein Vorteil, der allen Mitspielern zugute kommt: Durch den Austausch mit Online-Kontakten wächst das eigene Wissen ständig weiter. Tipps, Anregungen und Erfahrungsberichte Gleichgesinnter helfen, persönlich zu wachsen und beim nächsten Mal noch mehr richtig zu machen.
Über das Faktenwissen darum, wie wir mit Energie und Ressourcen haushalten sollten, wissen wir alle Bescheid.
Faktenwissen allein bedeutet aber noch keine Änderung des Verhaltens. Erst das Beziehungswissen, das Verständnis dafür, welche unserer Handlungen welche Folgen hat, motiviert uns wirklich dazu, uns einzubringen. Die letzte und kritischste Stufe ist das Handlungswissen. Nur wenn wir in der Situation Klarheit haben, welche Handgriffe gefragt sind, setzt die Änderung ein. Und die Welt wird besser.
Das Projekt “Akteursorientiertes Energie- und Chan- gemanagement zur Minimierung des Rebound-Effektes” (Working Titel Better World App) wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) sowie aus Landesmitteln gefördert.
Mit praktischen Umsetzungen zur Prüfung wissenschaftlich spannender Hypothesen hat Netural Erfahrung. Schon 2010 startete das Projekt “The Hidden U”, das einen Hybriden aus dem Wolfram|Alpha Gedanken und der sozialen Vernetzung schuf. Eine Frage – eine Antwort, generiert aus allen frei auf den Profilen der Social Media Kontakte verfügbaren Informationen. Das hilft Menschen bei einfachen und auch komplexen Problemstellungen. Gleichzeitig liefert es wertvolle Hinweise für die Entwicklung des kommenden, semantischen Netzes.
Medien und Öffentlichkeit verfolgen aufmerksam jede Neuerung auf dem Markt für Smartphones und deren Apps. Ein anderes Segment der digitalen Anwendungstechnologie hat bisher vergleichsweise ein Schattendasein geführt: Die Entwicklung von Apps fürs Fernsehen, “Smart TV” sowie “Red Dot TV” und “HbbTV”.

Smart TV oder eigentlich Hybrid TV bezeichnet internetfähige Fernsehgeräte. Ähnlich wie beim Teletext überträgt der gewählte TV-Sender mit dem Rundfunksignal eine so genannte AIT-Tabelle. Die wird vom Empfangsgerät ausgelesen und enthält definierte URLs. Wenn ein Fernsehsender zu einem Programm zusätzliche Inhalte bereithält, erscheint eingeblendet ein Hinweis darauf, etwa ein roter Punkt (Red Dot). Seher erhalten dann auf Knopfdruck weiterführende Inhalte in Text, Bild und Video.
Ebenso erreichen sie mit einem herstellerabhängig gekennzeichneten Knopf an ihrer Fernbedienung den wachsenden Markt der TV-Apps von Fernsehsendern, TV-Geräteherstellern und Softwarehäusern, mit Mediatheken, interaktiven Programmguides, Wetterdiensten, Games und Video on demand Services.
„Hybrid Broadcast Broadband Television“ oder HbbTV ist ein anerkannter Standard für Hybrid-TV in Europa. Seit Juni 2010 ist er vom Institut für europäische Telekommunikations Standards ETSI in der Version 1.1.1 als ETSI TS 102 796 eingetragen. Er basiert auf Elementen von Vorgänger-Standards und Web-Technologien wie OIPF (Open IPTV Forum), CEA-2014 (CE-HTML), Vorgaben des www-Konsortiums und DVB Sendespezifikationen (ETSI TS 102 809).
Ursprünglich eine paneuropäische Initiative von französischen und deutschsprachigen Rundfunkbetreibern, dem Satellitenbetreiber SES ASTRA sowie einigen Softwareunternehmen, zählt das HbbTV-Konsortium mittlerweile eine wachsende Liste von Mitgliedern aus der ganzen Welt.
“Seit Herbst 2011 haben praktisch alle großen Hersteller Geräte mit HbbTV im deutschen Markt. Diese sind sowohl als Set-Top-Boxen wie auch als IDTVs verfügbar. Erste Hersteller bieten bereits nur noch Geräte mit HbbTV an”, erklärt dazu Dr. Klaus Illgner-Fehns, der Vorsitzende des HbbTV-Konsortiums.
HbbTV ist freilich nicht auf jedem TV-Schirm gleich. Online-Videotext und Mediatheken von RTL sind zum Beispiel nur auf HbbTV-fähigen HDTV-Receivern der Hersteller Humax und Videoweb zu sehen. Die Konkurrenz von ProSieben und Sat1 ist ebenfalls nicht überall präsent, doch immerhin zeigen Philips- und Technisat-Geräte diese Angebote größtenteils. Online-Dienste öffentlich-rechtlicher Sender sind als einzige auf allen HbbTV-TVs zu sehen.
Die unterschiedliche Unterstützung der Dienste hat teils technische, teils politische Gründe. Der Kopierschutz der Firma Maxdome etwa sei nicht Teil des HbbTV-Standards, sagt Philips-Produktmanager Volker Blume. Philips-TVs kennen ihn nicht und zeigen diesen Teil der HbbTV-Angebote von Pro7 und Sat1 nicht. Bei RTL liegt es nicht am Gerät. Der Sender schaltet seine Angebote nur auf bestimmten Empfängern frei.
Grund für die unübersichtliche Lage: “Die Privatsender fordern von uns Herstellern Dinge, die wir nicht einlösen wollen”, sagt Frank Eschholz von Toshiba. Dazu zählt, dass private Sender Einblendungen über dem laufenden Bild ablehnen – speziell während der Werbeunterbrechungen – durch die sich die Sender immerhin finanzieren.
Langfristiges Ziel von HbbTV ist trotz dieser Hindernisse die Durchsetzung einer global offenen und geschäftsneutralen Plattform. Sie soll weltweit für die nahtlose Integration von Breitband-Onlineservices mit dem klassischen Fernsehprogramm sorgen.
In den USA verfolgen Google TV, Apple TV und Yahoo Connected TV ebenfalls unterschiedliche Ansätze.
- Google TV strebt in Kooperation mit TV-Sendern den browserbasierten, unbeschränkten Zugang zu Websites vom Fernsehgerät aus an. Apps sollen aus dem Android Market “Google Play” gewählt werden.
- Apple TV erlaubt über eine SetTop Box Zugriff auf den HD iTunes Store mit eigenen TV Apps. Auch Inhalte von iPad, iPhone oder iPod touch erreicht man dann mit AirPlay vom Fernseher aus.
- Yahoo! betreibt eine Plattform mit Spielfilmen und Serien on demand, Zugang zu Webinhalten, Social Shopping Seiten und Games. Für eine laufende Gebühr können die Käufer von Geräten der Partnerhersteller – Samsung, Sony, Vizio und Toshiba – über einen “Yahoo-Button” darauf zugreifen.
Bisher ist der Anteil jener, die ihre Web-Fernseher voll nutzen (können), noch begrenzt. Hardwareseitig sind zumindest 2000 bis 6000 Kbit-Breitbandleitungen erforderlich. Das beschränkt den Zielmarkt auch in Europa weitgehend auf Ballungszentren. Vielen Besitzern von internetfähigen TV-Empfängern ist dann auch noch gar nicht bewusst, was die neuen Geräte können.
Andreas Regner von Samsung Austria: “Samsung plant hier Schritte. So versuchen wir, Kunden bereits vor dem Kauf auf alle Möglichkeiten ihres TV Geräts aufmerksam zu machen. Auch nachher bieten wir ihm immer wieder aktuelle Neuigkeiten darüber, was auf der Plattform geschieht.”
Und wie geht es weiter mit Internet im Fernsehen?
Regner: “Während ich vor ein paar Jahren noch mühsam versucht habe, meinen Laptop mit meinem TV zu verbinden, um etwa YouTube Videos auf dem größten Screen im Haushalt betrachten zu können, gibt es hier die Möglichkeit, diese Inhalte direkt auf dem TV zu benutzen.
Das TV wird den klassischen Laptop oder auch ein Smartphone nicht ersetzen. Aber der Trend geht dahin, dass ich meine Inhalte dort genießen kann, wo ich gerade bin – und das immer in bester Qualität und möglichst einfach für den Konsumenten.”
Foto: © Samsung Electronics Austria
Logo: HbbTV

Der von Netural entwickelte Raumplaner Roomle erhält ein spannendes Upgrade: Ab sofort kommt für die 3D-Darstellung von Roomle-Plänen die neue Stage 3D Technologie von Adobe zum Einsatz.
Die Roomle 3D-Ansicht wird mit dem neuen Renderer flüssiger und detaillierter: Während bisherige Engines Tausende von Dreiecken zu den dreidimensionalen Objekten zusammensetzten, steuert Stage 3D Hunderttausende Grafikelemente, und das auch noch mit doppelter Geschwindigkeit. Am Ende steht eine lebensechtere Darstellung am Bildschirm.
Dabei ist der Einsatz von Stage 3D in Roomle für Anwender sogar angenehmer. Die neue Technologie kommt nämlich ohne eigens zu installierendes Plugin aus, der am Rechner installierte Flash Player 11 genügt.
Der neue Renderer bereitet außerdem den Boden für noch mehr Innovationen: als nächstes sollen Roomle-Pläne direkt in der 3D-Ansicht editierbar werden.
Das neue Imagevideo von Advantage Austria, der offiziellen Organisation von Österreichs Wirtschaft im Ausland, stellt auf selbstironische Weise Österreich und seine Leistungen vor. Der in 28 Sprachversionen verfügbare Film kann von heimischen Unternehmen bei ihren internationalen Präsentationen eingesetzt werden.
Das Video wurde zu 100% im Hause Netural realisiert, der Sound dazu vom Linzer Musiker Gerd Rahstorfer eigens komponiert. Eine sympathische Infografik vermittelt eine Auswahl der Inhalte in übersichtlicher Form und steht auch in Druckauflösung zu Verfügung.

Mehr Informationen zu Advantageaustria.org und dem jüngsten Relaunch hier:
Neue WebSite für Österreichs Wirtschaft im Ausland.
Die Zusammenarbeit mit Bloggern wird für Unternehmen zunehmend attraktiver. Einerseits in der Social-Media-Version von Corporate Publishing, durch gestaltete Themenblogs unter Patronanz der Marke, andererseits durch “Blogger Engagement” in der Tradition klassischer PR. Blogger sind Influcencer: Begeistert man den Autor eines Blogs für sein Produkt, zeigt dies Wirkung bei seiner Fangemeinde. Der Nutzen liegt auf der Hand: der Imagetransfer des Blogs auf die Brand und (gerade bei jungen Marken) die Steigerung der Bekanntheit in der Zielgruppe.
Was hat nun der Blogger von dieser Zusammenarbeit? Hier steht die Leserschaft und deren Gewinn im Vordergrund. Die eigene Glaubwürdigkeit in der aufgebauten Community ist wichtiger, als ein kurzfristiger, monitärer Erfolg, inhaltlich “gekauft” zu werden ein No-Go. Genau das sollten Unternehmen bei der Planung von Blogger Engagement im Hinterkopf behalten. In diese Kerbe schlägt auch Julia Basagic, als “Fanfarella” bekannte österreichische Fashion-Bloggerin: „Wenn ich über etwas schreiben möchte, egal ob bezahlt oder unbezahlt, dann habe ich nur zwei Kriterien: Interessiert es mich und könnte es auch meine LeserInnen interessieren?“
Bezahlte Blogartikel sind umstritten. Allerdings lehnen rund 13 % * der befragten User “Advertorials” komplett ab. Immerhin 70 % erwarten, dass beauftragte Inhalte klar gekennzeichnet sind. Dies kommt der gesetzlich vorgeschriebenen Handhabe in den klassischen journalistischen Medien gleich. „So die Beiträge als Werbung gekennzeichnet sind und man sich als Leser nicht für dumm verkauft fühlt, finde ich es vollkommen legitim“, zeigt sich auch Julia Basagic offen: „Blogger müssen selbst entscheiden, welche Werbung sie ihren LeserInnen zumuten wollen. Die wichtigste Währung eines Blogs ist das Vertrauen.“
Eine erfolgreiche Zusammenarbeit setzt voraus, dass Unternehmen die Unabhängigkeit von Bloggern akzeptieren. Blogger lieben ihre Freiheit – mitunter ein Motiv für das Führen eines Blogs. Selbst bei beauftragten Artikeln, etwa Produktbesprechungen, sollten sie schreiben dürfen, wie und was sie für gut erachten. Die persönliche Färbung ist ein wesentliches Element des Formats. Der Ansatz “wer zahlt, schafft an” funktioniert hier nicht. Wo Blogger mittels Geldeinwurf zu PR-Maschinen degradiert werden, “spüren” es die Leser durch die geänderte Tonalität.
Und um eben diese Leser geht es ja eigentlich. Julia Basagic ist bei Kooperationen mit Unternehmen wichtig, dass man ihr zeitlichen und inhaltlichen Spielraum lässt. „Ich will ernst genommen werden und mag höfliche, respektvolle und straighte Zusammenarbeit.“ Der beste Artikel ist immer derjenige, der aus vollster Überzeugung geschrieben wurde. Und aufgrund unmittelbarer Erfahrung, etwa nach dem Besuch einer Veranstaltung oder dem Test eines Produkts. „Immer interessant empfinde ich einen Blick hinter die Kulissen, persönliche Gespräche mit spannenden und für meinen Blog relevanten Entscheidungsträgern und das alles gepaart mit einem Austausch unter BloggerkollegInnen.“
* Eigenerhebung via Twittpoll, n = 54

Technologie- und Medienkonzerne widmen sich Zukunftsprognosen und senden ihre Visionen zu PR-Zwecken in die Welt. Eben erst hat Microsoft mit einem Video viel Aufmerksamkeit erzielt. Spannende Ideen – aber wissen wir nicht aus der Vergangenheit, dass es meist ganz anders kommt?
Michell Zappa (@envisioningtech), Experte auf dem Gebiet der sozialen Kommunikation, visualisiert auf der WebSite “Envisioning the future of technology” anhand einer interaktiven Grafik den Stand verschiedenster Forschungsbereiche. Er spekuliert bei diesem Projekt, wann bestimmte Technologien reif für den Massenmarkt sind.
Microsoft macht sich seit Jahren Gedanken zu diesem Thema und investiert in entsprechende Öffentlichkeitsarbeit für seine Zukunftsforschung. Niederschlag findet dies in visionären, vom Microsoft Office Lab mitentwickelten Videos, die demonstrieren, wie wir Menschen in den nächsten Jahren “digital” leben werden:
Der Autor von Microsofts “Office Casual”-Videoserie, Dough Thomas (@dougthomas), analysiert in einem „Behind the scenes“-Video verschiedene Verbindungen zwischen der Technologie von heute mit den Visionen von morgen. Einen Fokus legt er dabei auf die grafische Aufbereitung der immer größeren Datenmengen. Eine weitere Überlegung gilt personalisierten QR-Codes und Tags, durch die Informationen zielgerichteter an die Mediennutzer gebracht werden. Open Spaces ermöglichen die spontane Zusammenarbeit, sowie die Verbindung von sozialen Netzwerken und Geschäftlichem. Und Thomas skizziert einen virtuellen Arbeitsplatz, an dem Menschen gemeinsam an Inhalten arbeiten, auch wenn sie sich nicht am selben Ort befinden.
Wie oft sprechen wir im Internet über gesellschaftliche Werte – und in welchem Zusammenhang? Diesen Fragen geht der Werte-Index des Trendbüros in Hamburg nach. Grundlage für diese Analyse sind über 150.000 veröffentlichte User-Meinungen aus Blogs, Foren und Communities. Der Werte-Index wurde 2009 erstmalig erhoben.
Trendbüro-Geschäftsführerin Birgit Gebhardt entwirft in ihrem Buch “2037 – Unser Alltag in der Zukunft” realistische Bilder einer Welt von übermorgen. Wie sich Zukunft im globalen Zusammenhang gestalten wird, kann niemand vorhersehen, aber die genaue Beobachtung der Gegenwart eröffnet Perspektiven, die plausible Prognosen erlauben. „Die grundlegenden Fragen werden sich bis 2037 nicht radikal verändern. Doch unsere Lebensweisen erhalten neue Impulse: Die Netzwerktechnologie erweitert unsere Möglichkeiten und optimiert unseren Alltag.“
Viele Konzerne experimentieren im Zuge von Einzelkampagnen, um ein Gefühl für neue Technologien zu bekommen. Disney setzt in einem beeindruckenden Beispiel auf Augmented Reality. Auf einer überlebensgroßen Plakatwand am Times Square interagieren Passanten mit populären Disney Figuren wie Mickey Maus.
Anlässlich des letzten Mobile Monday des Jahres schlug der “App Circus” seine Zelte in Wien auf. Am 21. November wurden im Naturhistorischen Museum zehn – vorausgewählte – mobile Applikationen präsentiert und diskutiert.

Der Mobile Monday hat in über 150 Städten weltweit eine globale Community mobiler Visionäre geschaffen und ist seit 2009 auch in Österreich vertreten. Das innovative Netzwerk trifft sich einmal pro Quartal zum Austausch von Wissen und Erfahrungen unter Gleichgesinnten.

Unter den Auserwählten des App Circus war diesmal auch der Silhouette iMirror, entwickelt von Netural, der bei der Veranstaltung von Mobile-Expertin Eva-Maria Michelcic (Foto) vorgestellt wurde.
Mit dieser iPhone/iPad-App wandelt sich der Bildschirm zum elektronischen Spiegel, wo Augmented Reality das lebensechte Anprobieren von optischen Brillen und Sonnenbrillen möglich macht. Mittels Facetracking erkennt die App den Sitz der Brille und passt diese in Echtzeit an die Bewegungen an.
Weitere Infos und einen Filmbericht zum Mobile Monday #13 findet man unter www.mobilemonday.at.

Die W-JAX in München bietet jährlich Vorträge & Workshops rund um Java, Cloud Computing, agile Software-Entwicklung und -Architektur. Auch heuer wurden zahlreiche hochkarätige Sessions von Europas führenden Experten zu diesen Themen gehalten. Mehrere Special Days widmeten sich überdies ganztägig Schlüsselthemen wie Architektur, Performance, Mobile-App-Entwicklung oder Rich Internet Applications.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit dem Agile Day, der sich ganztägig und intensiv der agilen Software-Entwicklung annahm. Die Mischung aus Praxisbeispielen und theoretischen Hintergründen und Modellen brachte spannende neue Eindrücke in diesem Umfeld.
Die weiteren Tage widmeten sich weitaus technischeren Themen und Sessions. Java Champion Adam Bien brachte den Teilnehmern die Kunst des “einfachen Entwickelns” näher, während Kevlin Henney Anekdoten aus seinem Buch “97 things every programmer should know” präsentierte. Dass die Themen der W-JAX sehr breit aufgestellt waren, bewies die Vielfalt der Vorträge in Breite und Tiefe: eine Präsentation des Perfomance Days behandelte Performance-Analyse und -Steigerung von Hibernate-Anwendungen, die Rich Internet Application Days konnten mit einem Beitrag zum brandneuen JavaFX2 aufwarten und auch Themen wie Application-Performance-Monitoring, Big-Data und DevOps wurden in den Sessions präsentiert.
Nicht nur die eigentlichen Vorträge, sondern auch das Rahmenprogramm der W-JAX konnte sich sehen lassen: abendliche Panels — Expertenrunden die sich täglich den Fragen der Konferenzteilnehmer stellten — gehörten genauso zum Programm wie ein gemütlicher Ausklang bei Weißbier und Brezn und die Möglichkeit, Aussteller und Konferenzteilnehmer in entspannter Atmosphäre näher kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen oder bei dem einen oder anderen Thema nochmal genauer nachzuhaken.
Jürgen Etzlstorfer

Am Samstag, 12. November 2011, fand zum dritten Mal das User Experience Barcamp in Wien statt. Die Themenbereiche beinhalteten User Experience, Usability, Barrierefreiheit, Interactiondesign und Informationsarchitektur. In der ersten Sessionrunde stellte Marius Lessiak, Entwickler bei ORF Online, das Content Management System hinter ORF.at vor. Er hat bei der Entwicklung des neuen CMS das Design an die Bedürfnisse der Redakteure angepasst.

Leon Pogrzebacz, Projektmanager und Consultant, sprach über die Anwendung der Persona Methode für kleinere Zielgruppen. Bei dieser Methode wird analysiert, welche Nutzerkreise eine Anwendung später verwenden werden. Dazu werden einige fiktive Personen mit speziellen Eigenschaften entwickelt, die stellvertretend für die spätere Anwendergruppe stehen. Mithilfe dieser Technik fällt es den Entwicklern leichter, sich in die User hineinzuversetzen.

Bei der Session „What’s going on in our brains? Effects on design decisions“ behandelte Claudia Oster von Techtalk zwei Bücher von Susan Weinschenk. Sie begann ihren Vortrag mit einem Versuch, bei dem die Teilnehmer Kaffeetassen zeichnen sollten. Wie sich herausstellte, malten alle Teilnehmer in etwa das gleiche Symbol einer Tasse, ungewöhnliche Perspektiven wie eine Tasse von oben werden nur selten gezeichnet. Dies sollte verdeutlichte, dass beim Design von Icons und Symbolen bekannte Formen verwendet werden sollten.
Zusammenfassend war das UX Camp einmal mehr ein spannender Austausch der Wiener Kompetenzen im Bereich User Experience.
Birgit Hajek

Das Office von Netural Wien ist erneut Schauplatz einer Fotoausstellung. Und bereits zum zweiten Mal machen wir inhaltlich Marilyn Monroe unsere Aufwartung. Vernissage war am Donnerstag, 9. November.
“So we think of Marilyn who was every man’s love affair with America, Marilyn Monroe who was blonde and beautiful and had a sweet little rinky-dink of a voice and all the cleanliness of all the clean American backyards. She was our angel, the sweet angel of sex, and the sugar of sex came up from her like a resonance of sound in the clearest grain of a violin. Divine love always has met and always will meet every human need.” (Norman Mailer, Auszug aus der Einleitung, Lawrence Schiller Marilyn 12, 2007)
Lawrence Schiller ist ein US-amerikanischer Photojournalist, der für das Life Magazine, Paris Match, The Sunday Times,Time, Newsweek, Stern und für die Saturday Evening Post arbeitete.
Die Welt war nicht vorbereitet, die ersten Nacktaufnahmen von Marilyn zu sehen, die Schiller damals in Farbe und in schwarz/weiß schoss. Sie sprang in einem Bikini in einen Pool und tauchte au naturel wieder auf, lächelte und war in ihrem Element: die Sexgöttin, posierte für die Ewigkeit. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt ein freundschaftliches Verhältnis, das Schiller erlaubte, eine ganz private Marilyn in all ihren Facetten einzufangen. Dies ermöglicht dem Betrachter, die beiden so unterschiedlichen Seiten Marilyns, wie sie in den oben angeführten Zitaten beschworen werden, innerhalb eines Portfolios zu entdecken.
Ausstellung „Marilyn 12 by Lawrence Schiller“
Eindrücke zur Vernissage findet man auf der Netural Facebook Page.
Portraits of Marilyn Monroe, Barbara Streisand, Jackson 5.
Dauer der Ausstellung: bis 23. Dezember 2011.
Öffnungszeiten: Mo bis Do 09:00 bis 18:00 Uhr, Fr 09:00 bis 14:00 Uhr.
Birgit Hajek

Ein verlängertes Wochenende lang weilten die Vertreter von 20 internationalen E3-Agenturen zu einem “Extraordinary General Meeting” in Wien, um über eine Vertiefung der Zusammenarbeit zu sprechen. Gastgeber: Netural.
Seit 2010 ist Netural als zweite österreichische Agentur – und erste Digital Media Agentur überhaupt – Mitglied des internationalen E3 Agency Networks für eigentümergeführte, unabhängige Agenturen.
Das Netzwerk, das ambitionierten Kommunikationsdienstleistern einen direkteren Zugang zu internationalen Ressourcen und interkulturellem Know-How ermöglicht und heute einige der spannendsten “Nicht-Netzwerk-Agenturen” aus 24 Ländern umfasst, wächst seit einigen Jahren in Richtung “Emerging Markets”. Längst zählen auch Agenturen aus China, Brasilien und Russland zum Netzwerk. Und so standen die BRIC-Staaten und andere zukünftige Entwicklungsmärkte (“Next 11″) und -themen im Zentrum des ausserordentlichen General Meetings, das vom 20. bis 23. Oktober 2011 in Wien stattfand.
Neu im Kreis der E3-Mitglieder: die indische Fullservice-Werbeagentur Maitri, die mit Standorten in Bangalore, Delhi, Chennai, Cochin, Coimbatore sowie auf den Maledivien, indische wie internationale Kunden auf dem gesamten Subkontinent betreut. Arbeiten von Maitri umfassen alle Disziplinen klassischer Werbung – von TV bis Packaging – und gewannen zahlreiche Preise im In- und Ausland.
Neben Vorträgen und Workshops war der “Wiener Kongress” eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften aufzufrischen. Und auch das Rahmenprogramm konnte – für Nicht-Österreicher – mit Exotik punkten: Operettenlieder beim Heurigen + Tour durchs Wiener Kanalnetz.
E. D.
Opening Keynote
Adobe CTO, Kevin Lynch

Nach einer echt geschmackvollen und pompösen Multimedia-Introduction führt uns Kevin Lynch durch die Eröffnung-Keynote. Seine Schwerpunkte: Digital Publishing, Touch-Applications und Cloud.
Nach 20 Jahren Mouse steht nun eine neue Ära, die Ära des „Touch“ bevor. Adobe ist gerüstet, und präsentiert einen Ansammlung von Touch-Apps die für uns irgendwie aber allesamt nicht wirklich aus dem Gimmick-Status rauskommen. Photoshop Touch & Co wirken etwas gekünstelt. Was den Trend zu „Touch“ betrifft, liegen sie aber vermutlich richtig. Vielleicht schaffen es aber ein oder zwei vorgestellte Tools auch bei den Professionals. Unsere Tipps: „Proto“ und „Ideas“
Das wirklich große Ding wird aber vermutlich „Creative Cloud“. Die Tinte auf dem Übernahme-Vertrag für „Typekit“ war noch gar nicht trocken, stellt Adobe schon eine ziemlich feine Online-Plattform vor, die unter vielen Features auch WebFonts zukünftig wesentlich erleichtern soll. Pluspunkte von uns gibt’s für Concept & Idea, Interface und Funktionen, Minuspunkte für das Nicht-Erwähnen des Pricings. „Software as a Service“ ist aber definitiv die Schiene auf die Adobe in Zukunkt setzten wird. Ein gezeigtes Beispiel war noch Image & Document – Sharing. Egal auf welchem Device zB. ein Photo gemacht, bearbeitet oder kommentiert wird. Es synchronisiert alles überall hin, im Hintergrund.
Alternative 3D
Markus Pargfrieder
Sehr cooles Framework, das die Russen da hingezaubert haben und mit dem sie seit Beginn mit Adobe eng zusammengearbeitet haben. „Tanki2“ ist ein MMO-Game, welches auch immer gleich als Test-Wiese herhalten kann und demnächst online gehen wird. War klar, dass die Russen mit einem Panzerspiel kommen, aber dieses Framework scheint durchaus auch raumplanerische Möglichkeiten mit sich zu bringen. Visitenkarten mit Alex wurden natürlich bei einem Budweiser ausgetauscht. BTW, Alex mag Unity3D nicht wirklich gerne.
AIR 3 – What´s next?
Markus Pargfrieder
Wow, machen wir´s kurz. Ich bin verliebt! „Captive Runtime“, „Native Extensions“, „StageText“, …
Jetzt brauchen wir nur noch ein sinnvolles Projekt das auch wirklich auf allen Devices laufen soll. Möglichst unterschiedliche, damit man auch gefordert ist.

Apps für LG TV
Andreas Atteneder
Nach mobilen Devices sollen nun auch TVs es ermöglichen, mit Applikationen Millionen zu verdienen. LG, der 2. Größte Hersteller stellte hier sein SDK dafür vor. Grundsätzlich gibt es drei Wege Apps umzusetzten: Web (HTML5), Flash und in Kürze auch Native Apps. Enttäuschend ist, dass man dabei noch mit mehr Limits zu kämpfen hat, als auf Smartphones. Derzeit laufen nur AS2 Apps im Flashplayer Lite und die Rechenleistung ist sehr bescheiden. Interessant klingt allerdings die „in-app-advertisement“ Lösung die LG bietet.
The Death of Flash
Markus Pargfrieder, Andreas Atteneder
„The rumours of my death are greatly exaggerated“ (Mark Twain). Unter diesem Motto wurde uns erklärt, warum Flash auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielt. Der Run auf diese Session war groß, es wurden sogar Stehplätze vergeben. Dieses Thema polarisiert auch hier auf der MAX. „Was Steve right?“ „Was he wrong?“. Wir sagen: Wettbewerb belebt das Geschäft und mit den hier vorgestellten Neuerungen sehen wir uns bestätigt. Hätte Apple Flash von Anfang an zugelassen, wäre diese Konferenz inhaltlich anders abgelaufen. Innovationszwang lautet die Devise. Und unterm Strich bleibt vermutlich über: AIR ist für das Jetzt, was Flash für die 0er-Jahre war.

Übrigens glaubte der Vortragende (ein VicePresident von Digitas in NY), dass Facebook genauso zum Abflauen von Flash-Projekten geführt hat wie das iPad. Warum? Weil Landing Pages & Microsite massiv rückläufig wurden, und die Budgets Richtung Social Media und eben speziell Facebook (und Facebook-Pages) gelaufen sind.

3D Sessions featuring the Molehill Engine
Markus Pargfrieder
So viele unterschiedliche Sessions rund um eines der Core-Elemente von Flash-Player 11. Die Frameworks welche die Möglichkeit direkt auf die GPU durchzugreifen nutzen wollen sind vielzählig. Die Ergebnisse zum Teil atemberaubend. Für uns als Entwickler wird es schwierig werden, sich für die richtige zu entscheiden. Aus meiner Sicht wird es nicht das optimale Framework für uns als Agentur geben, sondern immer nur das optimale Framework für ein Projekt – mit seinen speziellen Anforderungen und Schwerpunkten. Die Herausforderung für uns wird also neben dem optimalen Einsatz auch der immer aktuelle Überblick über Alternate3D, Away3D, Flare3D, Unity3D & Co sein.

General Keynote 2
Markus Pargfrieder, Andreas Atteneder
Hier gings an die Adresse der Entwickler. Auch heute Morgen hat Adobe wieder eine Firma gekauft. „PhoneGap“. Das Service das also ebenfalls in der Creative Cloud zu haben sein wird ist so simpel wie genial. Eine App in HTML5 bauen, uploaden, kurz warten und für alle Plattformen und OS als native App herunterladen und deployen …
Adobe betont sein Engagement in Sachen HTML5, wie sie das W3C Konsortium oder das Google Chrome Team unterstützen. Da gibt es neue Anträge auf CSS-Features usw. welche in einem eigenen Browser gleich mal demonstriert werden usw. Adobe betont nochmals, dass HTML die Zukunft ist, genauso wie die Flash Plattform, deren Zugpferde aber zukünftig vor allem Molehill und AIR sein werden (aber das hatten wir ja bereits gewußt)
Die Molehill Demos waren dann nochmals verblüffend, obwohl wir dachten, schon alles zu kennen. Aber mit einer astreinen Unreal Version die im Browser läuft und Triple-A Game Optik liefert haben wir nicht gerechnet. Die Browser-Version von Angry Birds, deren „Obervogel“ sich die Zeit für die Adobe MAX genommen hat, zeigt dann einfach nur, wie bedeutend der Schritt „Flash Player 11“ von der Branche gesehen wird.

Flash Plattform Roadmap
Markus Pargfrieder
Jetzt ist Flash Player 11 gerade mal seit 12 Stunden verfügbar und noch in keinster Weise „verdaut“, schon muss ich mir in einer Session von einem Product-Manager Team Dinge vorführen lassen, die „vermutlich 2012“ auf den Markt kommen werden. Der Disclaimer auf der ersten Folie machte gleich deutlich, dass Adobe hier für nicht eine Garantie abgibt, sondern hier nur Dinge gezeigt werden, die zur Zeit die Entwickler bei Adobe beschäftigen, ohne aber zu wissen, was wann ausgeliefert werden wird (wenn überhaupt). Für mich gilt also nach der MAX was vor der MAX galt: „Can´t wait for the future!“
HTML5, the 2012 of the web
Andreas Atteneder
Firefox Entwickler Robert Nyman führte uns in viele Neuheiten ein, die HTML 5 mit sich bringen, und bringen werden (Offline Storage, Canvas, WebGL, WebSQL, Web Sockets, Formulare, usw.). Das meiste war bereits bekannt, dennoch eine gelungene Zusammenfassung wohin die Reise geht.
Building the best Gameplay
Andreas Atteneder
Die Erwartung von mir an diese Session war Tipps und Design Patterns über Entwicklung interaktiver Systeme zu erhalten. Leider ging sie viel zu wenig weit, so dass ich enttäuscht festellen muss, dass mein Code sich dadurch kaum verbessern wird.
Everything you wanted to know about Adobe Edge
Andreas Atteneder
Das Konzept ist denkbar einfach: In einem Interface, stark angelehnt an Adobe After Effects, kann man Elemente (Bitmaps, Text, Formen, usw.) platzieren, skripten und vor allem animieren und anschließend in Form von HTML/CSS/JS abspeichern. Der Funktionsumfang scheint ähnlich einer Timeline-Animation in Flash Professional zu sein. Richtig toll ist: wenn man den entstandenen Code abändert, fließen diese Änderungen automatisch zurück zu Edge.
Für das Bauen von Elementen einer Seite (vor allem Banner) ist dieses Tool wohl auf jeden Fall vorzumerken und anzutesten!
CSS for Web and Mobile Design
Hier wurden einige neuere Features von CSS und vor allem einige Best Practices nähergebracht. Einiges kennen die meisten Netural Entwickler (Modernizr, YepNope und div. CSS3 Gimmicks), andere speziellere Insider-Tricks konnte ich dazulernen.
Die wohl wichtigste Aussage: Content is King und muss überall dargestellt werden können (Browserkompatibel). Ist das sichergestellt, dann werden Websites vorerst für moderne Browser entwickelt. Das das Produkt am Ende in älteren Browsern (IE6/7) anders Aussieht, muss der Kunde dabei in Kauf nehmen, oder damit rechnen, dass der entstehende Mehraufwand entsprechend in Rechnung gestellt wird.



Am 21. und 22. September präsentierte sich Netural auf der dmexco 2011 in Köln. Der eigene Messestand in Halle 7 war ausschließlich dem Thema Augmented Reality gewidmet. Mit dabei: der französische Technologiepartner Total Immersion. Zahlreiche Fallbeispiele großer Marken – von Opel über Olympus bis Silhouette – begeisterten das vorbeiwandernde Publikum.
Besonders beliebt: die eigens für die dmexco als Demo-App gestalteten “Papercharms”. Vier kleine Origami-Tiere, die mittels iPhone oder iPad2 zum Leben erweckt werden können. Die App ist trotzt ihrer verspielten Anmutung mehr als ein Gag: sie zeigt, wie Augmented Reality-Anwendungen Kampagnen um transmediale Elemente ins “wirkliche Leben” verlängern und dabei auch Träger der jeweiligen Story sein können.
Kurz: dmexco-Besucher nutzten den Netural-Stand als Oase, in die AR-Welt einzutauchen. Spannende Gespräche inklusive. Und so sah’s aus:






Netural Communication setzt Schwerpunkte im Zukunftsthema Augmented Reality und baut mit Mark A.M. Kramer eine eigene Mobile/AR-Unit auf. Wir haben ihn um ein kurzes Gespräch gebeten, um uns seinen Zugang zum Thema näherzubringen.
Mark, wir freuen uns, dass Du als Augmented Reality-Experte in Zukunft unser Team verstärken wirst. Kannst Du mir etwas über Deinen Werdegang erzählen? Wie bist Du beim Thema User Experience gelandet?
Einige Menschen haben mich da sehr beeinflusst.
Zu Beginn meiner Zeit in Österreich war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter im ICT&S Salzburg und habe dort Professor Wolfgang Pree und Professor Ursula Maier-Rabler kennengelernt. Wir haben viel darüber philosophiert, wie moderne Technologien die Menschen unterstützen können. Wir haben Technologie und Gesellschaft oft auch kritisch betrachtet, wobei mir die beiden völlig unterschiedliche Perspektiven näherbrachten.
Professor Manfred Tscheligi hat mich mit seiner Vorstellung von „Human Computer Interaction“ (HCI) sehr beeindruckt, was für mich eine Art Mittelweg in diesem breiten, interdisziplinären Feld darstellt. Und interessante theoretische Perspektiven zu meiner Arbeit hat mir Professor Wolfgang Hofkirchner vermittelt.
Was ich spannend finde ist, wenn bei neuen Technologien die menschliche Komponente nicht vergessen wird und die Lösungen und nicht das Problem im Vordergrund steht.
Was sind deine Pläne für deine Arbeit bei Netural? Wie denkst du Kundenprojekte und welche Strategien verfolgst du?
Viele Agenturen richten Ihre Aufmerksamkeit in erster Linie auf kostenorientierte Lösungen für Kunden, ich möchte da weiter gehen. Ich versuche immer zunächst daran zu denken, wer das Produkt oder den Dienst nutzen wird.
Netural verfolgt in seinen Projekten ebenfalls eine umfassende Strategie. Wir sind proaktiv, beobachten Trends und machen sozusagen ethnographische Forschung: Wie wird Social Media genutzt? Wie kommuniziert man mit und über Produkte? Und wir suchen nicht nur Trends, wir setzten Trends!
Was ist wichtig im Umgang mit Augmented Reality und in diesem Zusammenhang User Experience?
Die relativ neue Disziplin Augmented Reality stellt für mich einen kulturellen Wandel dar. Um sie sinnvoll einzusetzen und erfolgreich zu sein, muss die Handhabung intuitiv sein. Die angebotenen Dienste müssen einen klaren Nutzen haben.
Spannend ist, dass wir bisher immer Informationen aus der physikalischen Welt in die digitale Welt gebracht und dort verarbeitet haben. Mit AR gehen wir nun einen anderen Weg. Wir bringen digitale Informationen in die physikalische Welt, die Kommunikation wird somit durchlässig.
Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft nach dem Hype aus?
Oft wird nur das Geld gesehen, doch das soll nicht das Ziel sein. Das Ziel ist die Evolution von Kommunikation – und Augmented Reality ist ein erster Schritt in diese Richtung. Location Based Services und interaktive, mobile multimediale Erlebnisse sind der nächste Schritt für Marketing.
Netural ist dabei, und das ist aufregend!
Du stößt rechtzeitig zur internationalen Fachmesse dmexco in Köln (21./22. September) zu Netural, wo wir gemeinsam mit dem französischen Technologiepartner Total Immersion mit einem Augmented Reality-Schwerpunkt präsent sein werden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und die spannenden Projekte, die wir gemeinsam entwickeln werden. Danke für das Gespräch, Mark!
Ich bedanke mich!

Gerda Haunschmid führte das Gespräch mit Mark A.M. Kramer
Am 9. September veranstaltete der IAB Austria die 9. Web Ad Gala in der Remise. Dem Anlass gebührend versammelte sich die Branche zur Verleihung von Österreichs größtem Preis in der Onlinewerbung: Der Web Ad Pokal. Die besten Onlinekampagnen des Jahres wurden präsentiert, prämiert und gefeiert.
Auch Netural darf sich gemeinsam mit dem Kunden CNH Österreich über einen der begehrten Pokale freuen. Die Kampagne für den Steyr Profi gewann Silber in der Kategorie “Beste Kreativ Strategie”!
Steyr stellt auf einer Microsite den “Profi” multimedial vor und lässt Besitzer und Testfahrer mit ihrer Meinung zu Wort kommen. Insgesamt gaben auf diesem Weg über 300 Landwirte ihre Video-, Foto- oder Text-Statements ab.
Neben den erfolgreichsten Kampagnen zeichnete der IAB auch wieder den “Rookie of the Year” aus. Daniela Holzer ist Jahrgangsbeste im Online Marketing Lehrgang der Werbeakademie und strahlte mit den “alten Hasen” um die Wette.
Die gesamte Gewinnerliste, eine Fotogalerie und weitere Details sind auf der Website des Web Ad zu finden.
Sarah Kehrer
Seit Ende Juni brummt es im Web: Google startet ein soziales Netzwerk! Schon in den Tagen vor dem Launch haben sich die Anzeichen dafür verdichtet und nach sensationellem Start ist der Ansturm ungebrochen: in knapp zwei Wochen stieg die Zahl der User auf über eine Million, Tendenz weiter steigend.

Die Funktionen von Google+ ähneln jenen von Facebook, wobei das Teilen und Bewerten von Inhalten im Vordergrund steht. Während man auf Facebook als “Freund” agiert und sein Netzwerk entsprechend aufbaut, ist man auf Google+ verstärkt “Redakteur”. Ein wesentliches und neues Feature ist die Kontaktverwaltung in “Circles” (Kreisen). Sie macht das Teilen von Inhalten mit Dialoggruppen transparenter, intuitiver – und letztlich ein gutes Stück öffentlicher. In diesem Punkt ist Google+ eher mit Twitter als mit Facebook vergleichbar, auch wenn es grundsätzlich jede Privacy-Stufe zulässt.
Innovativ ist der Videochat (“Hangout”), der ebenfalls auf die “Circle”-Logik zurückgreift – und eine ernstzunehmende Konkurrenz für Skype darstellt.
Mit dem neuen Netzwerk führt der New Economy-Primus aus Kalifornien seine beliebten Dienste ein gutes Stück zusammen: Picasa und Latitude sind vom Start weg in Google+ eingebunden, der komfortable “Instant Upload” stellt Fotos von Handys und Smartphones unmittelbar online. Andere Dienste wie Google Mail oder der Google Reader sind in der neuen schwarzen Header-Leiste zusammengefasst und direkt ansteuerbar.
Über “Sparks” können User ihre Interessen verwalten und Inspirationen sammeln. Ebenso ist “+1” integriert, ein Dienst, dessen Einführung Google um einige Wochen vorgezogen hatte und der dem Facebook “Like”-Button nahe kommt. Die “+1”-Buttons tauchen nun verstärkt auf WebSites auf, ebenso bei den Google Suchergebnissen.
Wer die Mobile App von Google+ nutzt (sowohl für iPhone als auch Android verfügbar), findet dort “Huddles”, ein Real-Life-Sharing via Chat.
Noch wehrt sich Google gegen die Nutzung der Google+ Profile für Unternehmenszwecke. Hier wurden eigene Business-Pages angekündigt, die in Kürze ausgerollt werden sollen. Wobei allein die Denkvariante “Integration in Google Maps” eine Ahnung davon gibt, was hier wohl möglich werden wird. Noch sind Unternehmen aufgefordert, keine Profile anzulegen, was allerdings nicht alle davon abhält.
Mit der Richtlinie, dass auf Google+ nur “Klarnamen” (also die echten Vor- und Zunamen der User) verwendet werden dürfen und mit der Sperre unzähliger Accounts, wo dies offensichtlich nicht der Fall war, hat Google auch gleich einige frischgewonnene Fans verärgert. Laut Google soll dies zu mehr Transparenz und einem rücksichtsvollerem Umfang im Netzwerk führen, wer Google als “Datensammler” kennt, weiß, dass dies nur eine Seite der Medaille ist. Die Praxis zeigt, dass der Klarnamenzwang kaum durchsetzbar ist. Letztlich wird sich zeigen, wie weit der Mediengigant hier auch ein Stück zurückrudern wird.
http://plus.google.com
http://www.google.com/plus
http://www.google.com/+
Gerda Haunschmid
Was bedeuten deutsche Schlager, Liebe und Pornos fürs Marketing? Warum sind Zahlen und Masse stärker als Einhörner und Regenbogen? Warum können Bilder Grenzen überschreiten und, Frage aller Fragen, was macht virale Videos zu viralen Videos?
Am 22. Juni 2011 lud Netural Communication zur meshed#3 in die Linzer voestalpine Stahlwelt und lüftete Geheimnisse des Social Media Marketing.
Die Idee zum Tag: “Visual Talking”. Wir wollten wissen: Sind die 140 Zeichen der Zukunft ein Bild?
Hier nun die gesammelten Lectures der meshed#3 als Videomitschnitte:
Christian Blümelhuber: “Der Marketing Code© – Marketing in der modernen Moderne”
Dan Zarrella: “The Science of Social Media”
Suma Mandagiri: “Visual Thinking”
Bruno Uzzan: “Augmented Reality”
Achim Beißwenger: “YouTube uns seine Kinder – Wie Online Video, WebTV und Social Media die Kommunikation von Marken, Medien und Menschen revolutionieren”
Gabriel Aldamiz-echevarria: “People and data in the fashion industry”
“Brand Credibility im Social Web”: Es diskutieren Ramón Reichert (Medienwissenschafter und Autor), Renate Gruber (Cupcakes, cupcakes-wien.at) und Ulli Cecerle-Uitz (Rewe/Ja! Natürlich, janatuerlich.at) mit Anna-Maria Wallner (Die Presse, diepresse.com).
meshed#3: Für die dritte Auflage der Social Media Konferenz über zukunftsweisende Trends in der digitalen Welt holte Veranstalter Netural Marketing-Profis, Blogger und Twitter-Poweruser in die Stahlstadt Linz – konkret gleich in die voestalpine Stahlwelt.
Sechs packende Vorträge rüttelten an Grundsätzen und warfen neue, spannende Ideen in den Raum, zwei Podiumsdiskussionen schlugen die Brücke zur Praxis.

Den Auftakt machte ein Paukenschlag: Christian Blümelhuber verglich klassisches Marketing mit Xavier Naidoo: irgendwie schleimig und omnipräsent. Wichtig sei sich klarzumachen, dass man dabei aus gutem Grund auf Schritt und Tritt auf die Zahl drei stößt. Gutes Marketing sei nämlich keine Liebesgeschichte, sondern ein Porno. Sprich, eine rasche Folge von schnellen Nummern. Da kann auch mal ein Blindgänger dabei sein. Blümelhuber plädiert daher für die Sperma-Strategie: Einmal links, einmal rechts hinschwimmen – was funktioniert, penetriert. Was nicht funktioniert, wird fallengelassen.
Ähnlich mitleidlos erteilte Social Media Scientist Dan Zarrella vom Bostoner HubSpot den „Einhörnern und Regenbogen“ der klassischen „Hippie“-Philosophie des „Liebe deine Follower“-Segments eine Absage. Empirische Wissenschaft und harte Fakten schlagen Bauchgefühl. Gehört wird das Laute, gesehen das Große. Size matters. Beweisen die Zahlen.
Twitter liefert die Lektionen fürs Virale: Die Gewinner reden nicht über sich selbst, sondern bieten etwas an, Info, Image oder Produkt. Sie sind Stars, Gründer, Gurus oder Experten, aktiv, statt zu jammern. Und sie sind direkt: Please RT! Kaufe jetzt! Ruf mich an!
Facebook ist die Plattform für den Mainstream: Jammern, Insider-Sprech und Fachchinesisch sind out, Positives, Stylishes und Cooles ist in. Schließlich will man sich beim Teilen nicht blamieren. Das Thema, das immer zieht, schließt gleich den Kreis zum Vorredner: Sex ist sexy.
PR 2.0 war Thema der ersten Diskussion, in der Anne Grabs (Follow me!) in die gleiche Kerbe hieb wie Blümelhuber und Zarrella: Machen, tun, los, jetzt.

Visual Thinking-Bloggerin Suma Mandagiri aus Mumbai, Indien, versetzte das Publikum der meshed#3 mit ihrer handgezeichneten Präsentation in Entzücken. Sie warb für Bildersprache als Ergänzung und Mehrwert für das Wort. Es brauche nicht mehr als einen Bleistift und ein Blatt Papier – und die Chancen stünden gut, dass jeder im Saal schon jetzt Bilder nutze, um zu lernen und sich Zusammenhänge zu merken. Visuelles Denken erlaube mehr Freiheit als verbales, ohne Sprachbarrieren oder 26-Buchstaben-Limit.
Zweifler im Publikum brachten die Themen Bildrechte, mangelndes Zeichentalent und das klassische „wie soll das funktionieren“ auf. Fakt bleibt: An die Zeichnungen kann sich auch nach dem Vortrag jeder und jede erinnern.
Total Immersion CEO Bruno Uzzan sorgte mit einer Windows-Installation auf dem mitgebrachten Mac für Raunen im Publikum. Nach dem obligaten Technik-Crash (Murphy’s Gesetz!) stellte er den neuesten Stand der Augmented Reality Technologie vor. Die einstige Spielerei hat sich in Sachen Grafik wie in der Programmierung weit entwickelt und erschließt jetzt das Feld der kommerziellen Anwendungen. Skeptiker warfen ein, dass Technologie keine Geschichten erzählen könne. Was wahr ist. Dafür gibt es schließlich die Menschen. Netural Communication ist auf dem Gebiet Total Immersion Partner für Österreich, Süddeutschland und Osteuropa.

Bewegtbild-Profi und AMD-Gründer Achim Beißwenger packte enorm viel Wissen in seinen spannenden und stark vorgetragenen Beitrag und präsentierte fundierte Analysen. Leider blieb nur wenig Zeit für praktische Beispiele. Aber immerhin genug fürs Rezept des perfekten Web-Videos:

Gabriel Aldamiz-echevarria will Mädchen abhängig machen – von ihren eigenen Gleichgesinnten. Er hat mit Chicisimo eine Modeblogger-Zentrale im Web eröffnet und bietet den leidenschaftlich Interessierten ganz einfach die Plattform, ihrer interessanten Leidenschaft zu frönen. Direkter Mehrwert für ein klar definiertes Zielpublikum, der auch ein Leben neben Facebook erlaubt.
Einen kraftvollen Abschlusspunkt unter die meshed#3 setzte die von Anna-Maria Wallner von „Die Presse“ souverän und unter Einbeziehung des leider zu vorgerückter Stunde nur mehr schütteren Publikums geführte Diskussion zum Thema Brand Credibility. Wer zu früh gegangen war, wurde nicht nur Opfer der entfesselten Elemente, sondern versäumte auch klare, praxisnahe Ansagen von CupCakes-Ikone Renate Gruber, „Ja! Natürlich“-Topkommunikatorin Ulli Cecerle-Uitz und Medienwissenschaftler Ramón Reichert.
Eingebettet in den direkten Bezug zu konkreten Fallbeispielen brachen sie die Erkenntnisse des meshed-Tages auf eine Handvoll klarer Dos & Don’ts herunter.
Do: authentisch sein, direkt und echt sein, die Wahrheit sagen, einbeziehen, sich trauen.
Don’t: lügen, schummeln, bestechen, löschen.


Andreas Habicher
Am 7. und 8. Juni fanden im Münchner HVB-Forum die Audiovisual Media Days 2011 statt. Die AMD widmen sich in einem inhaltlich prall gefüllten Programm ganz den zahlreichen und sehr unterschiedlichen Aspekten von Bewegtbild im Netz – Videos von Privaten, Video on Demand, Corporate TV, Imagefilmen und Hbb-, Smart- oder Red Button TV.

Videos im Web gibt es schon lange – ein alter Hut sind sie aber nicht. Im Gegenteil: Derzeit ist, wie es heißt, 51% dessen, was über die Datenleitungen im Internet läuft, Bewegtbild. Pro Minute werden auf diversen Videoplattformen 35 Stunden neuer Videos hochgeladen – mehr Video, als je ein Mensch konsumieren könnte.
Was das Video im Netz vom klassischen Fernsehprogramm abhebt und gerade für neu Heranwachsende „Digital Natives“ oder besser „Digital Residents“ besonders attraktiv macht: Kontrolle. Wenn wir etwas sehen wollen, holen wir es uns. Wenn ein Video nicht gefällt, wechseln wir zum nächsten. Wenn es länger als vier, bei besonders interessanten Angeboten länger als 10 Sekunden buffert, sind wir ebenfalls weg.
Darum heißt es gerade bei Videos: Kurz fassen!
Technik, Geld und Recht
Die großen Themen der Webvideo-Branche sind drei: Neue Technologien, Geld machen und Recht.
Neue Technologien sind da: Der Teletext, „eines der am meisten unterschätzten Medien“ mit täglicher Millionenreichweite, wird schöner und nähert sich auf neuen Smart-TV-Geräten dem Internet an.
Ob es Zusatzboxen oder ins Gerät integrierte Komponenten sind, die eine Verbindung mit dem Netz erlauben, mit Internet, besserem Teletext, Yahoo!, Smartclip oder anderen, ist aus Anbietersicht egal. Nicht egal ist, dass die Marktsättigung mit Smart-TVs in Deutschland massiv geringer ist als in Großbritannien, und noch weniger, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil an Smart-TV-Besitzern die Möglichkeiten seines Geräts gar nicht voll ausschöpft, weil er etwa ganz einfach das Netzwerkkabel nicht ansteckt.
Was fehlt: eine vernünftige „Liquid Content“-Lösung. Der Traum der Anbieter ist ein Videoformat, das es erlaubt, zuhause neben dem Frühstück am Fernsehschirm den Anfang, an der Bushaltestelle am Mobile den Mittelteil und im Büro beim Kaffeetrinken am Notebook den Schluss ein- und desselben Videos zu sehen – dank eines Accounts an einem flexiblen Service geräteunabhängig. Geht (noch) nicht.
Ein weiteres Problem sind Übertragungsraten. In den großen Städten können die User alles sehen, was sie wollen. Doch schon wenige Kilometer im Umland der Metropolen sinkt die Breitband-Verfügbarkeit dramatisch. Und die schönsten Angebote der Welt nützen nichts, wenn man sie nicht abrufen kann.
Kommt allerdings Zeit, kommt auch Rat. Auf Dauer wird der Moment kommen, wo nur noch Smart-TVs in den Wohnzimmern stehen und auch die Netzabdeckung immer besser wird. Dafür sorgen schon die Netzbetreiber, die ganz unabhängig von der Art des Programms von der Mediennutzung profitieren, und die Gerätehersteller, die mit ihren eigenen Apps und Funktionen Mehrwert generieren wollen.
A propos Mehrwert:
Geld kommt – zum Beispiel bei Zattoo – bisher zu 25% von den 5% der Premium-User. Die restlichen 75% werden mit Zeit bezahlt, die 95% freie User mit dem Anschauen von Werbung verbringen. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass die Werbung ankommen muss. Pre-Rolls vor dem gewünschten Programm nerven. Dauern sie länger als sieben Sekunden, leidet der Kunde, daher leidet der Anbieter, und es leidet die Marke. Der Ausweg ist möglichst unaufdringliche Werbung und vor allem: möglichst perfekt auf die Zielgruppe fokussierte Werbung, denn Werbung, die interessiert oder unterhält, nervt nicht.
Für Öffentlich-Rechtliche Sender ist Geld dank Gebührenfinanzierung kein Problem, daher besteht dort viel Bereitschaft, offen zu experimentieren. Zum Beispiel mit „Germany’s Gold“, einem Nostalgieangebot, bei dem on Demand Highlights aus der TV-Geschichte zurück auf den Schirm geholt werden können. Die Idee ist derzeit vom Kartellgericht auf Eis gelegt.
Für die Privaten ein Grund zur Freude, denn sie ärgern sich darüber, dass schon einst einmal über Gebühren finanzierte Sendungen nun on Demand gleich noch einmal vergoldet werden sollen. Private haben als werbefinanzierte Anbieter ein dem Kundeninteresse diametral entgegengesetztes Ziel. Sie wollen dem User gern eine gewisse Kontrolle zugestehen, das aber nur innerhalb eines von ihnen abgesteckten Rahmens.
Der Grund leuchtet ein: Welche Werbung er sieht, und dass er welche sieht, müssen sie ihren eigenen Kunden garantieren. Die Idee, dass die Zuseher frei im Internet surfen und in Werbepausen einfach Facebook oder Twitter auf den Fernsehschirm holen, macht da Angst.
Rechte sind ein Problem, mit dem die gesamte Branche ringt. Übertragungsrechte, Erstausstrahlungsrechte und Wiederverwertungsrechte von aktuellem, alten oder historischem Inhalt sind das größte Hindernis auf dem Weg zu Video on Demand. Der Kunde hat kein Verständnis dafür – das wissen wir alle aus eigener Erfahrung – wenn er etwas sehen oder hören will und sich sagen lassen muss, dass dieses Angebot zwar in den USA jeder Sechsjährige gratis konsumieren darf, wann und wo er will, er aber aufgrund seines Wohnorts darauf warten soll, dass in ein paar Monaten oder Jahren – oder nie – die DVD auf den Markt für Ländercode 2 kommt. Doch ohne Rechte kein Programm.
Brand Storytelling und Virals
Die Rechte sind dann kein Problem, wenn man sein Programm selbst herstellt. Und dazu muss man heute auch kein Fernsehsender mehr sein: Auch Marken können Videos im großen Stil produzieren und sogar Medien damit beliefern – Beispiel Red Bull.
Das Publikum hat dank des immer leichteren Zugriffs auf Inhalte aus aller Welt schon viel gesehen. Ein Imagefilm, in dem perfekt gestylte Gewinnertypen sagen „Wir sind die Besten“ – das wird nicht mehr ernst genommen. Man kennt den „Hochglanz-Gap“: Wo die tollsten Broschüren liegen, ist auch die Enttäuschung am größten. Kunden, aber auch Bewerber wollen wissen: „Was bietet ihr uns“?
Soll die Antwort glaubhaft sein, kommt es auf Vertrauenswürdigkeit an. Einerseits durch verlässliche Produktion mit überzeugender Qualität. Andererseits durch ein stimmiges Gesamtpaket aus Kongruenz zwischen Außenkommunikation und Mitarbeiter-Stimmung. Ein Video von der tatsächlichen Arbeitsumgebung mit echten Mitarbeitern bietet einen Informationswert, den keine rot glühende, exponentiell steigende Aktienkurs-Animation toppen kann.
Wie in jedem anderen Medium gilt es auch im Video eine Geschichte zu erzählen. Geht nicht? Doch. Jede Marke, wirklich jede, hat eine Geschichte zu erzählen. Erdverbunden oder Over the Top, realistisch oder zauberhaft: Der Ausgangspunkt dafür ist die Markenpersönlichkeit, das Individuum, das die Marke darstellt.
Auf dieser Basis kann die Geschichte einen Dialog mit den Kunden beginnen, steuern, wohin die Reise geht, und diesen Dialog, diese Geschichte, in die Offline-Welt verlängern. Jede Marken-Geschichte muss letztlich einen Bezug zur realen Welt herstellen. Immerhin geht es ja um eine Marke, die Umsätze machen muss, nicht um ein Unterhaltungsprogramm um seiner selbst willen.
Und die Geschichte muss für jedes Medium funktionieren. Wie gesagt: Draußen vor der Stadt funktioniert das heiße Video nicht – da muss ein simples Plakat die gleiche Geschichte analog erzählen, und im Fernsehen kann man (noch!) nicht anklicken, ob der Protagonist ins Auto steigen soll oder nicht – da muss der passive Konsum ähnlich spannend sein wie die Interaktion im Web. Die ideale Reise geht übrigens nie zu Ende. Der Cowboy kommt nie an, er reitet immer weiter nach Westen, für alle Zeit.
Königsklasse Viralvideo
Jeder will es sehen, jeder will es machen: Das virale Video.
Virale Inhalte sind so alt wie die Menschheit selbst: Die Geschichte wie man Feuer macht, die Märchen, die Wunder – alles nichts anderes als virale Botschaften, die sich unaufhaltsam verbreitet haben. Einst mündlich, dann schriftlich, nun als Video.
Die heutigen viralen Videos gibt es in mehreren Formen:
Jeder weiß: Garantien gibt es nicht. Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches virales Video sind die entsprechende Planung, die Bereitschaft zu entsprechenden Investitionen (denn die coolsten Inhalte sind nicht billig) und der Mut, Regeln zu brechen. Wer nirgends anstreift, bewegt auch nichts.
Die „Mutter aller Virals“
Es ist Aufwand verlangt, Einsatz. Und das nicht im luftleeren Raum, sondern mit dem Wissen über die eigene Markenpersönlichkeit. Wer nicht weiß, wer er ist, kann keine vernünftige Geschichte erzählen. Nur wer er selbst ist, schafft Vertrauen.
Das – und natürlich noch viel, viel mehr – waren die Audiovisual Media Days 2011.
Andreas Habicher

Von 19.-21. Mai 2011 veranstaltete FontShop die TYPO Berlin im Haus der Kulturen der Welt und schaffte es damit, über 2000 Besucher aus allen Teilen der Welt in die Hauptstadt einzuladen. Auch Netural war in diesem Jahr auf Europas größter (regelmäßiger) Designkonferenz vertreten und sammelte jede Menge neue Kreativideen.


Shift – das Thema der diesjährigen Konferenz bezog sich auf den Wandel im Design, den Vergleich zwischen Früher und Heute, die Veränderungen (nicht nur im typografischen Bereich) und die neuesten Perspektiven.
Bereits der erste Vortrag von Christoph Keese (Axel Springer AG) über Tablets als Medium brachte spannende Erkenntnisse zum Thema iPad und die zukünftige Entwicklung von Magazinen für mobile Devices. Der Rest des Tages beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Thema Webfont-Technologien, neue Trends in der Gestaltung und Typografie. Ein wahres Motion Design Highlight war der zum Abschluss gezeigte Animationsfilm “Chico & Rita” von Fernando Trueba und Javier Mariscal. Nach einer unterhaltsamen Präsentation des Making-Ofs mit Scribbles, Farbstudien und musikalisch unterlegten Tanzeinlagen des Vortragenden (Mariscal), wurde die aufwändige Produktion dann in voller Länge (94 min.) auf der Leinwand gezeigt. Mit kubanischen Rhythmen und einer rührenden Geschichte fand der erste Teil der Konferenz einen gelungenen Abschluss.
Der zweite Tag war zweifellos sehr kreativ und kulinarisch angehaucht. Da gab es Köstliches für die Augen – Schriften aus Teig und Gemüse – frittiert, roh oder gekocht und erfolgreiches Informationsdesign für das Londonder Stadtleitsystem. Außerdem faszinierte Heiko Scherer mit Einblicken in die Entwicklung von erfolgreichen Storytelling Konzepten auf dem iPad für Unternehmen, wie beispielweise die FAZ.

Martin & Thomas Poschauko brachten danach mit der Buchvorstellung ihres Werkes “NEA MACHINA” neuen kreativen Antrieb. So wurden Dachziegel zu Van Gogh Gemälden und aus einem Straßenpfeiler plötzlich ein richtiger Picasso – eine inspirierende Reise durch den Kreationsprozess. Mit einer beinahe wortlosen, aber trotzdem herzlich fröhlichen Bildershow von April Greiman ging dieser Tag in Berlin fast schon etwas zu schnell zu Ende.
Am letzten Veranstaltungstag brachte Michael Johnson gleich mal reichlich Fahrt in die Runde. Er sprach humorvoll und spannend über seine Projekte mit Johnsonbanks, z.B. über die Visualisierung japanischer Schriftzeichen und ein neues CD für das Londoner Sciencemuseum – mit der passenden Tasche “The Big Bag Theory”. Dass manche Designer auch abseits der Pfade unterwegs sind, zeigte Thomas Lupo, der fünf Monate in den brasilianischen Favelas verbrachte, um gemeinsam mit Kindern kreative Gestaltungsprozesse zu entwickeln. Den witzigsten Vortrag der gesamten Konferenz und auch den letzten in diesem Jahr brachte Christoph Niemann. Seine Werke (u.a. für den New Yorker) sind intellektuell und doch herzlich, seine Kreativität scheint ins Unermessliche zu gehen – ein wirklich inspirativer Ausklang.
Was bleibt also als Fazit mitzunehmen? Neben den vielen neuen Ideen hier noch die wichtigsten Fakten, die man für die Zukunft beherzigen sollte:
Isabella Fahrner, Margit Blauhut

“Data Love” steht für eine Wirtschaft, die stolz deklariert, “data is the new oil”; will heißen: Daten sind der zentrale Grundstoff des 21. Jahrhunderts. Über 100 Speaker aus Europa und den Vereinigten Staaten widmeten ihre Referate bei der Next Conference unterschiedlichsten Aspekten des zentralen Themas. Dabei ging es natürlich nicht nur darum, wie sich Daten erheben lassen, sondern vor allem um mögliche, auf den gesammelten Daten basierende, Geschäftsmodelle. Vier parallel stattfindende Tracks mit klarer Ausrichtung (“Social Media”, “Tech”, “Brand” und so weiter) gaben den 1600 Gästen Orientierung und stellten sicher, dass jeder bei Seinesgleichen landete.




Chairman der Konferenz war Rolf Schmidt-Holz, bisheriger CEO bei Sony Music Entertainment und damit namhafter Vertreter einer Branche, die sich in den vergangenen 15 Jahren wie kaum eine andere durch hartnäckige Realitätsverweigerung selbst beschädigt hat. Doch auch für ihn ist mittlerweile offensichtlich, “die Zukunft ist digital”. – Tröstlich? – Nicht wirklich. Denn auch wenn die wunderbare Welt der digitalen Medien die Gesellschaft sukzessive verändert (und das in mancher Hinsicht zum Besseren), stellt sich auch hier – wie beim echten Erdöl – die Frage: Wie mit den Ressourcen bestmöglich umgehen? Brauchen wir à la longue gesehen eine neue Privatheit, Daten mit Ablaufdatum und eine Kultur der Unschärfe? Folgt dem Goldrausch eine Ernüchterung, weil Transparenz doch bremst und nicht beschleunigt?
Ernst Demmel
P.S. Wer zwischendurch Lust hat, sich next11-Beiträge auf Video anzusehen, kann dies auf next video tun.

Auf den ersten Blick scheint die Welt noch in Ordnung; hübsch und dekorativ sogar. Fast ist man versucht, sich gemütlich einzurichten in dieser Idylle, die an Hochglanzmagazine erinnert. Doch die filigrane Scheinwelt zerbricht unter dem intensivierten Blick. Ornamente lösen sich auf und werden zu entblösten Körperteilen. Figuren verraten sich, trotz unschuldiger Posen. Objekte verlieren ihren praktischen Sinn.
Im Zentrum des Schaffens von Nina Levett steht das Frau/Mensch/Objektsein. Ihr Interesse gilt Rollen- und Geschlechterbildern und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen.
Zum gepflegten Zuhause gehört eine hübsche Blumenvase auf dem Salontisch, eine Tapete, die nicht blättert und eine gut frisierte Frau. Nina Levett greift solche und ähnliche Vorstellungen in ihren Arbeiten auf und zeigt, wie alle drei – Vase, Tapete und Frau – zu gleichrangigen Objekten werden.
Kleider, Accessoires, Tapeten, Geschirr und Fliesen versieht Levett mit ähnlichen oder sogar identischen, gezeichneten Motiven. Auf diese Weise verschmelzen die Gegenstände ineinander; jeder einzelne verschwindet in der Gesamtheit – auch der Mensch, der als nichts weiteres als ein Gebrauchsobjekt unter anderen erscheint.
„Falls die Frau nicht gut frisiert ist“, so schlägt Levett im Begleittext zu einem bedruckten Kulturbeutel vor, „lässt sich der Beutel ganz einfach über den Kopf der Frau stülpen.“ Man wird sie nicht mehr sehen, wenn sie im gleich gemusterten Kleid vor der gleich gemusterten Tapete steht.
Ausstellung „STUDIO POP – Pornamental Art by Nina Levett“
Vernissage: Freitag 20. Mai 2011, 18:00 h
Thomas Geisler (MAK Wien) spricht über die Arbeiten von Nina Levett.
Die Künstlerin ist zur Eröffnung anwesend.
Video-Premiere: „Interviews mit Nina Levett. This is all me.“ by CastYourArt.
Dauer der Ausstellung: bis 01. Juli 2011
Öffnungszeiten: Mo bis Do 09:00 bis 18:00 Uhr, Fr 09:00 bis 14:00 Uhr
Die Re:publica bot ab 13. April im Berliner Friedrichstadtpalast drei Tage lang insgesamt fast 200 Lectures in 3 Locations. Nach und nach findet man die Vorträge auf Youtube. Hinzu kommt viel polarisierendes Feedback in zahlreichen Blogs.
Jeden Tag fanden bis zu 8 Vorträge parallel statt. Das Themenfeld reichte von Internet Aktivismus bis hin zu Augmented Reality – die Auswahl fiel also nicht leicht. Bei 3.000 Teilnehmern nahmen einem die langen Schlangen vor den Veranstaltungsräumen aber oftmals die Entscheidung ab.
Das W-Lan war dem großen Andrang nicht gewachsen, was den ein oder anderen Besucher wohl ziemlich missmutig stimmte. Ebenso wie die Zahl der Vorträge, denen es an inhaltlicher Tiefe fehlte.
Es gab allerdings sehr wohl auch viele inspirierende und unterhaltsame Beiträge, die einer Erwähnung wert sind:
Besonders ans Herz zu legen ist der Vortrag von Gunter Dueck. Er verstand es ausgezeichnet, sein Publikum zu unterhalten und brachte seine Thesen gekonnt auf den Punkt. Dr. Dueck sprach über die strukturellen, ökonomischen und soziologischen Aspekte des Internets im Allgemeinen – eben dem „Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“.
Die Anthropologin Gabriella Coleman forscht im Umfeld von „Anonymous“. Sie sprach über einen Paradigmenwechsel in der Hacker-Bewegung – weg vom Trolling des „LOLs“ wegen, hin zu politischem Aktivismus.
Der britische Architekt Keiichi Matsuda ist ein Augmented Reality Visionär. Seine Ideen ließen so manchen Software-Entwickler kräftig schlucken. Ein Re:publica XI Vortrag, die uns die Zukunft der Lebensraumgestaltung vor Augen hielt.
Video in 3D
Alles in allem 3 spannende Tage, die sich allein schon wegen oben genannter Beiträge lohnten!
Sarah Kehrer

Linz ist zum 8. Mal Schauplatz des renommierten Arthouse Film Festivals Crossing Europe. Sechs Tage lang werden rund 130 ausgewählte Autorenfilme, Dokumentationen und Kurzfilme aus ganz Europa gezeigt.Das Besondere in diesem Jahr: Netural präsentiert das Pionierprogramm „Twitterer in Residence“ des Hauptsponsors Silhouette.
Nur wenige Tage hatten Twitterer aus ganz Europa Zeit, sich zu bewerben. Die 24-jährige Sara Vertongen aus Brüssel hat den Hinweis auf die Ausschreibung auf Facebook gesehen, angeklickt – und wurde prompt von der Jury bei Silhouette aus rund 70 Bewerberinnen und Bewerbern aus ganz Europa ausgewählt, um auf http://twitter.com/silhouette_swb live von Crossing Europe und allem, was dazugehört, zu berichten.
Film, Fernsehen und Twitter
Die Belgierin ist durch einen Social Media Workshop an der Uni erst vor knapp zwei Jahren so richtig auf den Geschmack gebracht worden, was Facebook und vor allem Twitter betrifft. Studiert hat sie Film und Fernsehen – die perfekte Kombination, um live auf Twitter von den Filmvorführungen und den After Show Events rund um Crossing Europe zu berichten.
„Sara Vertongen wird unbeschränkten Zugang zu allen Veranstaltungen rund um Crossing Europe 2011 haben, zu allen Filmvorführungen und allen After Show Events. Und sie wird live auf Twitter darüber berichten“, erklärt Mag. Albert Ortig, CEO der Digital Media Agentur Netural, die Idee. Netural übernimmt die technische Unterstützung und stellt Sara Vertongen mit Unterstützung von A1 auch ein LG Optimus HSDPA-Smartphone, das wichtigste Werkzeug für ihre Arbeit als „Twitterer in Residence“, zur Verfügung.
Andreas Aschauer-Martinelli, Brand Director von Silhouette, betrachtet Twitter als ideales Medium für die Live-Berichterstattung über Crossing Europe: „Wir glauben, dass Twitter als populärster Microblogging-Dienst genau die richtigen Mittel bietet, um sich an Veranstaltungen in aller Welt zu beteiligen – selbst wenn man gerade selbst nicht dort sein kann.“
Sara Vertongen sieht das ähnlich: „Ich bin besonders fasziniert von Twitter“, sagt sie, „es gibt Nutzern wie kein anderes Medium die Möglichkeit, das, was man sagen will, weltweit weiterzugeben. Und es eröffnet Menschen aus allen Teilen der Welt die Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen.“
Drei Minuten Romantik
Die „Twitterin in Residence“ hofft bei ihrem Einsatz in Linz natürlich, „viele gute Filme zu sehen – und viele neue Leute zu treffen.“ Sie hat in Sachen Film übrigens auch Erfahrung aus erster Hand: Im Zuge ihres Studiums nicht nur Filmgeschichte und Filmanalyse gelernt. Sie hat auch einen eigenen Kurzfilm gedreht, „eine klassische romantische Geschichte“, wie sie sagt, „eine Bub-trifft-Mädchen-Geschichte, erzählt in drei Minuten.“ Das perfekte Setting für die Handlung zu finden, die richtige Besetzung, das war eine aufregende Erfahrung, aus der Sara Vertongen viel gelernt hat – und ein Weg, den sie am liebsten auch beruflich weiter verfolgen möchte.
Pionierarbeit
Sara Vertongen ist begeistert von ihrer Aufgabe als „Twitterer in Residence“ @silhouette_swb: „Ich fühle mich ein wenig als Pionierin. Noch nie zuvor hat ein Filmfestival eine unabhängige Bloggerin als Twitter-Reporterin eingesetzt.“
Andreas Habicher
Mittlerweile hat die mido, die weltweit führende Optiker-Messe in Mailand, ihre Pforten wieder geschlossen. Vom 4. bis 6. März 2011 präsentierte sich die italienische Mode-Metropole als Mittelpunkt der Brillenwelt. Netural war für Silhouette vor Ort und koordinierte das Blogger Engagement.
Zurück im „Daily Business“ ist es noch immer eine Freude, auf spannende Tage in Mailand zurückzublicken. Silhouette lud zur Präsentation der neue Crystals-Kollektion („Crystals. A Woman’s Passion“) die Fachöffentlichkeit in einen Trend Workshop.
Über 90 Journalisten aus aller Welt nahmen teil – unter Ihnen Autorinnen und Autoren spannender Fashion Blogs wie Fanfarella.at, Allet-ohne-schminke, Styleslicker und Wonderland Magazine.
Sie hörten einen Vortrag zu aktuellen Trends und trafen die beiden Topmodelsn Nadja Auermann und Helena Christensen, beide Testimonials der aktuellen Silhouette Kampagne, zu Interviews.
Was die Trendforscherin Li Edelkoort prognostiziert: Männer sehnen sich nach Familie, das Team löst den Einzelkämpfer ab und das große, durchgängige Credo 2012ff – sowohl in Lifestyle, als auch in der Mode – lautet „Back to Nature“. – Ein spannender Vortrag, einleuchtende Herleitungen und vor allem: tolle Mood Pics. Und all das von einer aufgrund eines Unfalls am Morgen frisch eingegipsten Vortragenden. Sehr tapfer.
Gesamt gesehen bot Mailand und die mido ein Mode-Gettogether der besonderen Art. Gerne wieder.
Sarah Kehrer
Microblogging bietet klare Vorteile für eine rasche, effiziente und attraktive Kommunikation. Das gilt auch innerhalb von Unternehmen. Ein kurzer Überblick über Microblogging und seine Möglichkeiten für Wirtschaftsnetzwerke.
Mit dem Aufstieg des öffentlichen Kurznachrichtendienstes Twitter wurde Microblogging zu einem anerkannten Kommunikationsmittel. Beim Microblogging senden Nutzer kurze Mitteilungen von 140 bis 200 Zeichen an eine Website. Durch offene Schnittstellen, API genannt, können diese Nachrichten nicht nur auf der Website dargestellt, sondern auch auf verschiedene andere Weise abgerufen werden – etwa durch SMS, in sozialen Netzwerken oder ganz einfach als automatisch generierte E-Mail.
Microblogging
Der Vorteil des Microblogging gegenüber traditionelleren Methoden der Informationsübermittlung besteht in der Geschwindigkeit. Mitteilungen erreichen ihre Empfänger in Echtzeit. Und dabei ist der Aufwand äußerst gering. Statt einen längeren Beitrag pro Woche zu verfassen ist es leicht machbar, täglich sogar mehrere Micro-Messages zu veröffentlichen.

Plattformen
Im Internet ist Microblogging seit den Anfängen im Jahr 2006 eine Erfolgsgeschichte. Neben dem bekanntesten Kurznachrichtendienst Twitter werden Plattformen namens Jaiku, Plurk oder Identi.ca genutzt. In sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ, LinkedIn oder Xing sind Statusmeldungen integriert, nichts anderes als eine Einbindung des Microblogging-Konzepts in das jeweilige Gesamtangebot.
Corporate Microblogging
Es ist freilich auch möglich, Microblogging-Systeme in das eigene Firmennetzwerk zu integrieren. Microblogging kann den Austausch im Intranet ebenso fördern, wie es sich als Datentransfermodell zu mobilen Endstellen eignet.
Sogar Twitter wurde ursprünglich als unternehmensinterner Nachrichtendienst für Taxiunternehmen konzipiert. Heute ist es so erfolgreich, dass es praktisch synonym für Microblogging-Dienste stehen kann und die Maßstäbe setzt, an denen andere Microblogging-Angebote gemessen werden.
Das Werkzeug zu einer Nutzung innerhalb eines Unternehmens sind Microblogging-Services; letzten Endes Programmcodes, mit denen der Nachrichtenversand und -empfang organisiert wird. Einige Beispiele für solche Microblogging-Programme sind Communote, Present.ly, Yammer, Cubetree, Cyn.in oder Elgg, Socialcast oder Yonkly. Dabei handelt es sich nur um eine willkürliche Auswahl von Services, die sich in ihren Stärken und Schwächen erheblich unterscheiden. Je nach Anwendungsgebiet und Kommunikationsziel empfehlen sich verschiedene Programme.
Nutzen des Microblogging
Unternehmensinternes Microblogging kann:
- schnell und direkt offene Fragen klären
- Standortabfragen systematisieren
- Links zu interessanten oder wichtigen Informationsangeboten verbreiten
- Inhalte von Meetings und Konferenzen prägnant zusammenfassen
- Zugänge zu Wissensdatenbanken übersichtlich kommunizieren
- Task-Gruppen zu Brainstormings vernetzen
- Räumlich getrennte Unternehmensstandorte verbinden
- über betriebsinterne Vorgänge auf dem Laufenden halten
- die betriebsinterne Stimmung spiegeln oder verbessern
Sicherheit und Analyse
Während die bekannten Microblogging-Dienste allgemein zugänglich und extern verwaltet sind, kann ein unternehmensintern eingesetztes Service nicht nur geschützt durch die Firewall des Unternehmens arbeiten, sondern den Zugriff generell auf ausgewählte Personenkreise beschränken. Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden werden dabei je nach operativem Ziel eingebunden.
Die Erkenntnisse aus Monitoring und Analyse unterstützen die externe Kommunikation von PR, Marketing & Sales bis zum Recruiting direkt.
Die Voraussetzung für eine erfolgreiche und nutzbringende Implementierung von Microblogging im Unternehmen ist die Bereitschaft zu Transparenz. Der Schlüssel zum Erfolg ist die freie Konversation der Teilnehmer.
Andreas Habicher
Heute kam per Mail der Fragebogen, mit der Bitte um Feedback, wie’s gefallen hat und was man besser machen könnte. Oder sollte. Eine gute Gelegenheit, nochmals auf den Werbeplanung.at Summit 10 zurückzublicken, der letzten Donnerstag und Freitag (15./16. Juli 2010) in der Wiener Hofburg über die Bühne ging.
Zum zweiten Mal lud der Medienwirtschaftverlag (Martin Staudinger, Bernd Platzer) zu einem österreichischen Digital Marketing Gipfel, bei dem an zwei Tagen ein großer Teil jener aufs Spielfeld liefen, die hierzu im Lande Rang und Namen haben. Und bei dem so ziemlich alle Themen wenigstens gestreift wurden.
Vorweg: schön, an zwei Tagen zig Menschen getroffen, von denen ich sonst nur Tweets und Statusmeldungen lese, zahlreiche nette Gespräche geführt – allein dafür hat es sich gelohnt, zwei Tage zu investieren.
Summit 10 startete mit Clara Shih, der Autorin von “The Facebook Era”, die mit ihrer Keynote das Feld bereitete, auf das, was kommen sollte, einstimmte. Shih prognostizierte ein Zusammenwachsen von Social Media Marketing und CRM. Als Währung bot sie den Social Customer Lifetime Value.
Armin Wolf moderierte mit dem “Werbegipfel” ein Diskussionsformat, dass der Frage nachging, welche Marketinggrundsätze weiter Gültigkeit haben werden. Naturgemäss war hier die Diskussion selbst das Ziel, nicht deren Conclusio. Ähnlich auch Wolfs zweiter Auftritt, beim “Medien- und Vermarktergipfel”. Wann werden die Werbe-Spendings für Online Print überholen? (Dass es so kommen wird, stellte eigentlich niemand in Frage. 2016 wäre meine Prognose. Aber in Wahrheit ist’s wohl egal.)
Die parallel laufenden Themen-Panels zeigten unterschiedliche Gesichter. In manchen Fällen erwies sich die Kombination aus “Event-Partner = Themenslot = Best-Practice-Beispiel” als tückisch und der Vortrag glitt ins werbliche. Und ja, vielleicht sollte man das für Summit 11 klarstellen: Niemanden interessiert’s was ein Unternehmen kann. Spannend ist, was es gelernt hat, was es weiß.
Die Fragebogenbenotung fiel trotzdem gut aus. Die “Little Big Stars”, die spannende Runde der österreichischen Start Ups, und Trendguru Peter Wippermann holten die Kartoffeln aus dem Feuer.
Ernst Demmel

Ab sofort ist ein Teil der Vorträge von meshed#2 als Video in voller Länge abrufbar. Wir haben die Links zu allen Filmen und Slides zusammengestellt.
„Wie verändern Facebook, Twitter & Co Marktkommunikation und Wirtschaft“ – Bericht zu meshed#2 Social Media Conference
Erik Qualman “Socialnomics: It’s a People Driven Economy, Stupid”
Mark A.M. Kramer “Exploring the Socialnomic Potential of Augmented Reality”
(Folien zum Vortrag)
Nicole Simon “PR und Issue Management im Web 2.0″
(Folien zum Vortrag)
Hier finden weitere Präsentationen von meshed#2 Referenten:
Mark A. M. Kramer – The Socialnomic Potential of Augmented Reality
Hendrik Speck – Online Media in Corporate Environments
Diese Zusammenstellung wird laufend ergänzt!
Unter dem Titel “The center of the App universe” fand vom 7. – 11. Juni in San Francisco die diesjährige Worldwide Developer Conference von Apple statt. Mehr als 5000 Entwickler und Interessierte waren vor Ort um sich über die Zukunft von Apples Plattformen zu informieren. Netural war auch dabei.
Zu Beginn der Konferenz stand die Keynote von Steve Jobs, in der unter anderem das neue iPhone 4 vorgestellt wurde. 4 1/2 stündiges Anstellen brachte mir einen guten Platz im Mittelfeld ein. Ich weiß jetzt auch wie sich so ein kleiner Lemming fühlt. Für nächstes Jahr ist somit noch genügend Potential vorhanden um einen Platz in den vorderen Reihen zu ergattern.
Den Rest der Woche ging es etwas ruhiger zu, ausruhen war trotzdem nicht angesagt. Es gab über 100 Sessions, Labs und einige begleitende Events, wie zum Beispiel die Verleihung der Apple Design Awards.
Die Sessions waren breit gefächert, von User Interface Design und Experience über neue oder verbesserte Frameworks und Funktionen in iOS(vormals iPhone OS) und Snow Leopard, bis zu Tips und Ticks um die Performance von Applikationen zu verbessern. Sehr nützlich fand ich auch die zur Verfügung stehenden Labs, zu denen man spezifische Fragen stellen konnte, die von Apple Entwicklern gezielt beantwortet wurden. “Bring you own laptop and code” war hier das Stichwort.
Im Unterschied zu vergangenen WWDCs lag heuer der Schwerpunkt eindeutig beim iOS. Grand Central Dispatch und Blocks sind jetzt auch in iOS 4 verfügbar. Mit GCD können Applikationen schon jetzt auf zukünftige multicore iOS Devices vorbereitet werden.
Etwas überrascht war ich von den voll besetzten Sessions zum Thema HTML5, da die WWDC eher nicht auf Webdeveloper ausgerichtet ist. Meiner Meinung nach ein weiteres Indiz für die steigende Nachfrage nach nativen Browseranwendungen und weg von proprietären Browser-Plugins.

WWDC10

The center of the App universe.

Keynote mit El Jobso
Robert Huemer

Die Wiener Aula der Wissenschaften bildete am Mittwoch, 2. Juni 2010, den würdigen Rahmen für meshed#2 Social Media Conference, der großen Netural-Veranstaltung für Wissen und Innovationen im Bereich Soziale Medien.
Über 300 Gäste aus Marketing, PR, eBusiness und Wissenschaft folgten begeistert der Keynote des amerikanischen Managers und Autors (“Socialnomics”) Erik Qualman, der international vor allem auch durch seine YouTube-Videos zum Thema bekannt wurde.
Neben Qualmans Optimismus polarisierten der “digitale Professor” Hendrik Speck (Kaiserslautern/D) und “Twitter – mit 140 Zeichen zum Web 2.0″-Autorin Nicole Simon (Lübeck/D) mit ihren Speeches. Gut nachzuverfolgen auf Twitter selbst. Hier war “meshed#2″ den gesamten Tag Nummer-1-Thema in Österreich. In die “gezwitscherte” Diskussion durchgehend live involviert: meshed#2-Moderatorin Lena Doppel.
Neben der “allgemeinen” Auseinandersetzung mit dem medialen Wandel holte meshed#2 Anwendungsbereiche auf die Bühne, die aufzeigen, dass Soziale Medien nicht bloß Thema von Marktkommunikation und PR sind. Björn Schäfers (Hamburg/D), Mark A.M. Kramer (Salzburg/A) und David Röthler (Salzburg/A) betrachteten Social Commerce, Augmented Reality und Crowdsourcing/Crowdfunding.
Beim abendlichen Expertentalk gaben die “Praktiker” Gerhard Kürner (voestalpine AG, Linz/A), Philipp Gamper (Swarovski, Wattens/A) und Julia Warnick (diePresse.com, Wien/A) spannende Einblicke ins Setup von Social Media Kommunikation in den jeweiligen Unternehmen – ergänzt und hinterfragt von den Beratern Martin Poreda (kununu.com, Wien/A), Ritchie Pettauer (datenschmutz, Wien/A), Markus Schmidtke (Nielsen, Hamburg/D) und Netural-Geschäftsführer Albert Ortig. Durch den Expertentalk führte “Bestseller”-Chefredakteurin Doris Raßhofer.
Fotogalerien zu meshed#2:
meshedconference Facebook Page
Karola Riegler’s meshed#2 Galerie
Presseartikel und Blogbeiträge zu meshed#2:
„Wirtschaft liebt neue Werbeformen“ (Kurier)
„Wie Facebook die Wirtschaft verändert“ (DiePresse.com)
„Meshed#2 in Wien: das bringt Social Media Marketing” (Die Presse.com)
„2 x 2.0 Fashion Sessions“ (Austriafashion.net)
„Spannende Inputs bei der meshed#2 Konferenz in Wien“ (Blog FH Kärnten)
„#bcvie versus #meshed2“ (Alltag Medienzukunft)
„Antwort auf Luca’2 #bcvie vs #meshed2“ (Digitalks)
„Barcamp Vienna & meshed conference“ (Yasmintee: Ich habe eine Wassermelone getragen)
„meshed#2 Social Media Conference“ (Michael Heugl)
„meshed#2 – Was bringt Social Media Marketing“ (atwork information technology)
„meshed#2 – die Konferenz für Social Media-Belange“ (Bloghaus.org)

12. Mai 2010, der zweite Tag der next Conference in Berlin. Ein programmiertes Highlight: Andrew Keene, Autor des vielbeachteten Buches „Die Stunde der Stümper“. Andrew Keene ist Polemiker. Da sage nicht ich, das sagt er über sich selbst. Entsprechend fällt sein Buch aus – und auch der Vortrag: generalisierend, untergriffig – alles was hinkt, taugt als Vergleich. Für alle jene, die die Konserve sehen möchten:
Die “klassischen” Medien lieben Keene. So wie sie alle lieben, die für einen griffigen Sager und eine Schlagzeile gut sind. Aber die Zuneigung ist noch tiefer. Denn Andrew Keene spricht von Zukunftsängsten geplagten Journalisten aus der Seele. Sie, die dank “2.0″ ihr liebevoll gepflegtes, tradiertes Berufsrollenbild als Vierte “publikative” Gewalt der Demokratie davonschwimmen sehen. Sie applaudieren dem Kulturpessimisten Andrew Keene, der recht lautstark dem Internet die Schuld am kulturellen Verfall in die Schuhe schiebt und daraus so etwas wie ein Geschäftsmodell für sich selbst strickt.
Keene sagt in etwa Folgendes:
Die Punkte (2) bis (4) formulieren Ängste, die fast mit jeder neuen Medientechnologie einhergingen. Wird die Welt die gleiche sein? Sind wir dem gewachsen? Wer rettet unsere Bildung? Wer rettet unsere Jugend? – Ich darf die Beantwortung dieser Fragen mangels Interesse aussen vor lassen – und mich hier Punkt (1) zuwenden:
Die Verlage und die Film- und Musikindustrie befinden sich in einer Krise. Und die geht deutlich über die weltweite Rezession 2008ff und ein paar dadurch weniger verkaufte DVDs und Stellenanzeigen hinaus. Ein Paradigmenwechsel in der Mediennutzung ist im Gang, basierend auf fortschreitender Digitalisierung und Vernetzung. Kostenlose, qualitätsverlustfreie Kopien von Informationen und ihre fast kostenlose Verbreitung führen das Durchsetzenwollen eines Urheberlohns ad absurdum. Die Information verliert ihren Stückpreis. Einmal veröffentlicht ist sie frei und nicht mehr einzufangen, jedes Bezahlen dafür nur noch anerkennende Spende oder Investition in Servicevorteile. Und mit der digitalen Verbreitung ging auch der Erfolgsfaktor Logistik verloren, also – wie bei Tageszeitungen kritisch – die Frage des Druckereistandorts plus Auslieferung vor die Haustüre oder an den Kiosk bis spätestens 6 Uhr morgens.
Das hat nun nichts mit der Amateurkultur zu tun, auf die Keene einschlägt. Auch ohne Blogger und Sozial Networks würden für den klassischen Journalismus Chancen und Risiken größer, Reichweite vs. Konkurrenz – bei weitgehender Finanzierung durch Werbeeinnahmen. Wäre kein Problem, wären da nicht die Raten für Druckmaschine, die noch Anfang des Jahrtausends angeschafft wurde. Wäre kein Problem, gäbe es da nicht die gelebte Praxis, Redaktion abzuschreiben und zu syndizieren, mit der Konsequenz, beliebig und austauschbar zu sein. Wäre kein Problem, hätte man den Mut zu performanceorientierten Anzeigenprodukten, die nicht alle kleineren und mittleren Werbebudgets zu Google Adwords wandern lassen.
Da es aber in den Verlagen und Rundfunkanstalten nicht wenige gibt, die darauf hoffen, der ganze Spuk würde in ein paar Jahren vorbeigehen – und weitermachen, als könnte sich gar nichts ändern, weil zuvor das Abendland unterginge, schlägt auch noch die Stunde der Amateurkultur. Konkurrenz der “alle Anderen”. Wobei ernsthaft zu fragen ist, wer in diesem Zusammenhang mit “Amateur” gemeint sein kann.
Vier Erklärungsansätze bieten sich an: Amateure sind Menschen,
Also kurz: Idealisten, Wichtigtuer, Pfuscher, Eigenbrötler und Idioten. Und sie alle finden mit dem Internet mehr oder weniger kostenlose Produktionsmittel vor, um mit der Welt in Kontakt zu treten. (Was sie offensichtlich auch ungehemmt und erfolgreich tun.) Wie aber können die Vorgenannten – noch dazu bei diesen markanten Profilen – eine wirkliche Konkurrenz für den etablierten Journalismus, für gelernte und eingesessene Contentgestalter sein?
Ihr Erfolg basiert nicht auf dem Preisvorteil, wie Keene das konstatiert, auf der Kostenloskultur des Internets. Vielmehr sind sie attraktiv, weil sie Qualität(en) offerieren, die von den professionellen Produzenten und ihren Distributionssystemen nicht geboten werden. Keene fixiert in seiner Polemik “die Anderen” und übersieht dabei das “alle”. Es mag schmerzlich für jeden Fachjournalisten sein, dass möglicherweise nur wenige Einzelpersonen einen besseren Einblick in die jeweilige Materie haben, in jedem Fall aber die Summe seiner Leser. Oder anders formuliert: die Artikel-Kommentare am Fuße der Seite sind als Gesamtes schnell aufschlussreicher und differenzierter als der Artikel selbst.
Wikipedia schlägt den Brockhaus, weil es vollständiger, aktueller und leichter verfügbar ist, nicht weil es billiger ist. Es ist vollständiger und aktueller, weil es mehr Autoren hat. Und die sind Amateure nach Definition (1), nicht unbedingt nach Definition (4). Wikipedia-Artikel schwächeln qualitativ in Einzelfällen, nicht generell. Auf YouTube finde ich das Video zu Captain Sensibles “WOT”, genau dann, wenn ich es sehen will. Welcher Musik-TV-Sender der Welt bietet mir das? Selbst wenn ich dafür bezahlen wollte, würde ich es nicht bekommen. Eine wesentliche Leistung der Amateure ist also auch nicht das Produzieren, sondern das Sammeln, Selektieren, Bewerten, Archivieren – von professionell produzierten Inhalten. Die Profis haben hier bis dato nur eines getan: den Zugang dazu verstellt.
Verlage müssen Blogger fürchten, weil deren Inhalte “unique” sind und Position beziehen, nicht weil sie kostenlos sind. Während ein nicht unbeträchtlicher Teil der Newsportale aus syndizierten Artikeln und umgeschriebenen Pressemeldungen besteht, die die Portale so austauschbar machen wie die Filialen einer Fastfood-Kette, übernehmen die Blogger meines Vertrauens die Rolle des Filters und versorgen mich mit Fundstücken und Gedankensplitter, die im Idealfall eines gemeinsam haben: Relevanz für mich. Das Fachportal des Verlagshauses mag bei der Relevanz mithalten können – aber nicht beim “für mich”. Und das liegt auch ein wenig daran, dass sie mich als Leser bislang nicht kennenlernen wollten.
Traditionelle Produktionsstrukturen werden dadurch nicht zerstört. Nicht zwingend. – Aber ja, sie kommen unter Druck, sich zu öffnen und zeitgemäße Qualitäten zu entwickeln. Und es entstehen neue, kleinere Einheiten. Aus den besten Amateur-Blogs werden professionelle Online-Magazine, die manchmal nur aus einem, manchmal aber auch aus 5 bis 10 fixen Mitarbeitern bestehen. Noch steht deren Finanzierung auf wackeligen Beinen. Es fehlt neben Google Adwords an übergreifender Vermarktungsstrukturen, um mit spezifischen, formatgerechten Werbeformen von größeren Werbebudgets profitieren zu können. – Eine Frage der Zeit und eine mögliche Aufgabe für die “alten” Player.
Genauso denkbar aber auch, dass die jungen Medienweltmarken – wie YouTube es vorexerziert – Amateure zu einem riesigen Netzwerk an “freien Contentkreatoren” professionalisiert, indem sie Werbeerlöse mit ihnen teilen und so das Wachsen von Publisher-Strukturen fördern.
Ernst Demmel

12. Mai 2010, knapp vor 1 Uhr. Der erste Tag der next Conference 2010 neigt sich dem Ende zu. Letzte Teilnehmer netzwerken (“socializen” – und trinken) im ehemaligen Postdepot, der Station Berlin. Vor der Zufahrt in Luckenwalder Straße stauen sich die Mercedes-Taxis zur RAL1015-Kolonne. Eine guter Zeitpunkt für ein Tagesresümee
Mit heuer in die deutsche Hauptstadt übersiedelt, läuft die next10 unter dem Mantra “Game Changers”. Heißt: gelobt seien jene, die die Spielregeln a) perfekt beherrschen – um sie b) mit Pfiff zu brechen. Also Akteure, die auf den blinden Flecken des Bestehenden Neues aufbauen, das der Zeit, der Kultur und den technischen Möglichkeiten besser gerecht wird. Kurz: Problemlöser.
11. Mai 2010, 9 Uhr. Rund 1600 BesucherInnen sind gemeldet. Rekord, wie SinnerSchrader-Gründer und Veranstalter Matthias Schrader eingangs ausführt. Die next10 behauptet von sich selbst, die größte und wichtigste Web-Konferenz in Europa zu sein. Fein.
Der Kongress tanzt bereits zum Start. Der University-of-Hertfordshire-Professor Peter Lovatt demonstriert angewandte Psychologie und kippt in die rhythmische Gymnastik. Am Ende weiß jeder im Saal, dass Probanden, die sich einige Minuten lang einen Professor vorstellen, im nachfolgenden Wissenstest besser abschneiden, als eine Vergleichsgruppe, die zuvor einen Hooligan imaginiert. (Welche der beiden Testgruppen beim Infight gewinnen würde, bleibt allerdings offen.)
MediaFuturist Gerd Leonhard bringt ins Spiel, was man sich von Konferenzen wie next10 erhofft: Begeisterung für die Sache. Für Social Media & Co und für den Wandel schlechthin. Gegen Protektionismus, gegen Abzocker (hier jüngster Evil-Kandidat: Apple).
Weniger euphorisch die Werber. Man merkt, sie haben von all’ den Hypes, die sie ihren Kunden in den letzten Jahren versprochen haben, längst die Nase voll. “It’s the end of Social Media as we know it”, postuliert Nico Lumma von Scholz & Friends. Und natürlich hat er Recht, weil alles “social” wird – was dann so selbstverständlich ist, wie die Farbe beim TV-Bild. Thomas Zervos, Jung von Matts Digital Direktor, destilliert “10 Minutes of Schweinkram” und lässt dabei die Sau raus. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. (Die Rechnung bekommt er via Twitter (#next10) präsentiert – Ferkelquäler, pfui!) Dabei wollte er bloß … was eigentlich? … ach, ja … darauf hinweisen, wie bescheuert es ist, jeder Mode nachzulaufen. (Apropos Mode – noch ein Wort zu Twitter. Neben der JvM-Schweinerei beliebtestes Thema: das nachmittags beim next10-Buffet verteilte KitKat. – Von Seiten des Veranstalters patschert? Definitiv ja – aber: wie mensch DAS ernsthaft diskutieren kann, erschließt sich nicht so ganz …)

Wired-Gründer Louis Rossetto
Und ad “evil”: Facebook ist bei allen Anwesenden beliebt. Noch. Auf den Notebooks überall geöffnet, hört man in den Gesprächen deutlich Gewitterwolken aufziehen. Stichworte: Verwertung persönlicher Daten und des sozialen Graphs, Wissen aus Fansites, das nicht mit den Unternehmen geteilt wird, ganz generelles Misstrauen. Die Sympathie gehört Foursquare.- Oder Schokolade, wie Wired-Magazine-Gründer Louis Rossetto hofft. Er stellt sein Projekt Tcho vor und lässt das Auditorium das “Red Bull der Götter” (O-Ton) kosten. Seine Message: Gamechanging funktioniert auch in der “echten” Welt.
Beinahe 50 Programmpunkte in zwei parallelen Serien und mehreren Workshops lassen den “vollständigen” Besuch der next Conference nur ansatzweise zu. Spannend ist fast alles, Best Practice sowieso. Tenor hier: die Idee steht im Zentrum, nicht die Technologie. Und die klassischen Medien haben noch lange nicht ausgedient, nur einen neuen Stellenwert bekommen.
11. Mai 2010, 18.30 Uhr. Itay Dalgam analysiert in seiner wunderbaren Keynote Führungsstrategien berühmter Dirigenten. Das offizielle Programm endet mit Leonhard Bernsteins Brauenzucken.
Ernst Demmel

Vom 14. bis 16. April 2010 fand in Berlin zum vierten mal die Social Media Konferenz re:publica statt. Aus der ehemaligen “Bloggerkonferenz” ist längst mehr als nur das geworden. Das zeigen auch die Locations wie der Berliner Friedrichstadtpalast, der Quatsch Comedy Club und die Kalkscheune sowie die gut 2500 verkauften Tickets. Social Media rockt. Und wir natürlich mit.
Bei unzähligen Sessions, Vorträgen und Diskussionen fällt es sehr schwer einzelne hervorzuheben. Doch ein absolutes Highlight war selbstverständlich der Auftritt von Jeff Jarvis auf der Bühne im Friedrichstadtpalast. Natürlich war kaum noch ein Platz frei als eine der bekanntesten Social Media Persönlichkeiten mit seinem Vortrag über “the German Paradox” begann. Jeff Jarvis sprach über die Unterschiede im Bereich der Privatsphäre. Zum einen will man nicht, dass Google Bilder von Gebäuden macht, zum anderen geht man aber nackt in die gemischte Sauna. Nackt. Natürlich kein Vergleich das auf der Hand liegt, aber doch irgendwie zum Schmunzeln und Nachdenken angeregt hat. Als Schlussfolgerung bzw. Aufforderung sprach Jeff Jarvis dann vermehrt von der Idee alles “public by default”, also öffentlich einsehbar als Standard, zu sehen. Sicherlich ein interessanter Ansatz, der sich gerade im deutschsprachigen Raum aber wohl nicht zu schnell etablieren lassen wird.
Was neben einzelner wirklich sehr guter Vorträge noch auffiel, war, dass nicht nur über das Bloggen an sich gesprochen wurde sondern alles in einem größeren Kontext gesehen wurde. Da ging es um die Grenzen des menschlichen Ermessens (sehr gut präsentiert von Miriam Meckel) oder gar darum, wie Social Media in einzelnen Regionen politische und soziale Veränderungen herbei führte (Nishant Shah aus Bangalore).
Ebenso interessant wie aufrüttelnd waren dann auch “hands-on” Präsentationen die zeigten, wie Innovationen im Bereich Web 2.0 (eine ganze Vortragsserie mit dem Namen “Innovators by the Fire”) aussehen können oder wie man Medien “hacken”, sprich mit gezielten Fehlinformationen beeinflussen kann bzw. wie dies bereits passierte (Beispiel “Yes Man”).
Beeindruckend war neben den Vorträgen aber auch das enorm hohe Medieninteresse und die Berichterstattung. In den großen Tageszeitungen standen Artikel, Radiosender berichteten und selbst Leute auf der Straße erkannten das re:publica 2010 Logo auf den Lanyards. Social Media hits the real world. So soll das sein.
Trotz der Größe der diesjährigen re:publica und der großen Teilnehmerzahl merkte man aber auch immer wieder, dass Blogger doch irgendwie zusammen gehören. Egal ob große Nummer mit bekanntem Blog oder der Blogger, der just for fun tagtäglich seine Statements schreibt. Irgendwo haben alle etwas gemeinsam. Den Spaß am Kommunizieren. Genau das zeigte sich dann auch beim letzten offiziellen Termin. Da saßen dann ein paar hundert Leute, die noch nicht auf dem nach Hause Weg waren, zusammen und sangen, während man auf eine Liveschaltung zu Biz Stone (Mitgründer von Twitter) wartete, gemeinsam Bohemian Rhapsody von Queen. Dass sich Biz Stone dann noch aus familiären Gründen entschuldigen lies fiel dabei auch nicht mehr ins Gewicht.
Alles in Allem eine sehr gelungene Veranstaltung mit vielen Einsichten, Aussichten und Denkanstößen. Social Media rockt.
Gut, dass mit der meshed#2 die nächste Konferenz bereits ansteht …
Sascha Funk
Foto Teaserbild: Anna Lena Schiller
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