Google+: Konkurrent für Facebook?

1. August 2011

Seit Ende Juni brummt es im Web: Google startet ein soziales Netzwerk! Schon in den Tagen vor dem Launch haben sich die Anzeichen dafür verdichtet und nach sensationellem Start ist der Ansturm ungebrochen: in knapp zwei Wochen stieg die Zahl der User auf über eine Million, Tendenz weiter steigend.


Die Funktionen von Google+ ähneln jenen von Facebook, wobei das Teilen und Bewerten von Inhalten im Vordergrund steht. Während man auf Facebook als “Freund” agiert und sein Netzwerk entsprechend aufbaut, ist man auf Google+ verstärkt “Redakteur”. Ein wesentliches und neues Feature ist die Kontaktverwaltung in “Circles” (Kreisen). Sie macht das Teilen von Inhalten mit Dialoggruppen transparenter, intuitiver – und letztlich ein gutes Stück öffentlicher. In diesem Punkt ist Google+ eher mit Twitter als mit Facebook vergleichbar, auch wenn es grundsätzlich jede Privacy-Stufe zulässt.

Innovativ ist der Videochat (“Hangout”), der ebenfalls auf die “Circle”-Logik zurückgreift – und eine ernstzunehmende Konkurrenz für Skype darstellt.

Mit dem neuen Netzwerk führt der New Economy-Primus aus Kalifornien seine beliebten Dienste ein gutes Stück zusammen: Picasa und Latitude sind vom Start weg in Google+ eingebunden, der komfortable “Instant Upload” stellt Fotos von Handys und Smartphones unmittelbar online. Andere Dienste wie Google Mail oder der Google Reader sind in der neuen schwarzen Header-Leiste zusammengefasst und direkt ansteuerbar.

Über “Sparks” können User ihre Interessen verwalten und Inspirationen sammeln. Ebenso ist “+1” integriert, ein Dienst, dessen Einführung Google um einige Wochen vorgezogen hatte und der dem Facebook “Like”-Button nahe kommt. Die “+1”-Buttons tauchen nun verstärkt auf WebSites auf, ebenso bei den Google Suchergebnissen.

Wer die Mobile App von Google+ nutzt (sowohl für iPhone als auch Android verfügbar), findet dort “Huddles”, ein Real-Life-Sharing via Chat.

Noch wehrt sich Google gegen die Nutzung der Google+ Profile für Unternehmenszwecke. Hier wurden eigene Business-Pages angekündigt, die in Kürze ausgerollt werden sollen. Wobei allein die Denkvariante “Integration in Google Maps” eine Ahnung davon gibt, was hier wohl möglich werden wird. Noch sind Unternehmen aufgefordert, keine Profile anzulegen, was allerdings nicht alle davon abhält.

Mit der Richtlinie, dass auf Google+ nur “Klarnamen” (also die echten Vor- und Zunamen der User) verwendet werden dürfen und mit der Sperre unzähliger Accounts, wo dies offensichtlich nicht der Fall war, hat Google auch gleich einige frischgewonnene Fans verärgert. Laut Google soll dies zu mehr Transparenz und einem rücksichtsvollerem Umfang im Netzwerk führen, wer Google als “Datensammler” kennt, weiß, dass dies nur eine Seite der Medaille ist. Die Praxis zeigt, dass der Klarnamenzwang kaum durchsetzbar ist. Letztlich wird sich zeigen, wie weit der Mediengigant hier auch ein Stück zurückrudern wird.

http://plus.google.com
http://www.google.com/plus
http://www.google.com/+

Gerda Haunschmid

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