Von Schriften, neuen Ausblicken und Werbegeschenken – die TYPO 2011 in Berlin

25. Mai 2011


Von 19.-21. Mai 2011 veranstaltete FontShop die TYPO Berlin im Haus der Kulturen der Welt und schaffte es damit, über 2000 Besucher aus allen Teilen der Welt in die Hauptstadt einzuladen. Auch Netural war in diesem Jahr auf Europas größter (regelmäßiger) Designkonferenz vertreten und sammelte jede Menge neue Kreativideen.

Kurz vor dem Einlass der TYPO Berlin.

Neben den kleineren Räumen wie “Show” oder “Stage” war die “Hall” im Haus der Kulturen der Welt der größte Veranstaltungssaal der TYPO Berlin.

Shift – das Thema der diesjährigen Konferenz bezog sich auf den Wandel im Design, den Vergleich zwischen Früher und Heute, die Veränderungen (nicht nur im typografischen Bereich) und die neuesten Perspektiven.
Bereits der erste Vortrag von Christoph Keese (Axel Springer AG) über Tablets als Medium brachte spannende Erkenntnisse zum Thema iPad und die zukünftige Entwicklung von Magazinen für mobile Devices. Der Rest des Tages beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Thema Webfont-Technologien, neue Trends in der Gestaltung und Typografie. Ein wahres Motion Design Highlight war der zum Abschluss gezeigte Animationsfilm “Chico & Rita” von Fernando Trueba und Javier Mariscal. Nach einer unterhaltsamen Präsentation des Making-Ofs mit Scribbles, Farbstudien und musikalisch unterlegten Tanzeinlagen des Vortragenden (Mariscal), wurde die aufwändige Produktion dann in voller Länge (94 min.) auf der Leinwand gezeigt. Mit kubanischen Rhythmen und einer rührenden Geschichte fand der erste Teil der Konferenz einen gelungenen Abschluss.

Der zweite Tag war zweifellos sehr kreativ und kulinarisch angehaucht. Da gab es Köstliches für die Augen – Schriften aus Teig und Gemüse – frittiert, roh oder gekocht und erfolgreiches Informationsdesign für das Londonder Stadtleitsystem. Außerdem faszinierte Heiko Scherer mit Einblicken in die Entwicklung von erfolgreichen Storytelling Konzepten auf dem iPad für Unternehmen, wie beispielweise die FAZ.

Schriften aus Kartoffeldruck und Sardinenfonts beim Vortrag von Donald Beekman & Donald Roos.

Martin & Thomas Poschauko brachten danach mit der Buchvorstellung ihres Werkes “NEA MACHINA” neuen kreativen Antrieb. So wurden Dachziegel zu Van Gogh Gemälden und aus einem Straßenpfeiler plötzlich ein richtiger Picasso – eine inspirierende Reise durch den Kreationsprozess. Mit einer beinahe wortlosen, aber trotzdem herzlich fröhlichen Bildershow von April Greiman ging dieser Tag in Berlin fast schon etwas zu schnell zu Ende.
Am letzten Veranstaltungstag brachte Michael Johnson gleich mal reichlich Fahrt in die Runde. Er sprach humorvoll und spannend über seine Projekte mit Johnsonbanks, z.B. über die Visualisierung japanischer Schriftzeichen und ein neues CD für das Londoner Sciencemuseum – mit der passenden Tasche “The Big Bag Theory”. Dass manche Designer auch abseits der Pfade unterwegs sind, zeigte Thomas Lupo, der fünf Monate in den brasilianischen Favelas verbrachte, um gemeinsam mit Kindern kreative Gestaltungsprozesse zu entwickeln. Den witzigsten Vortrag der gesamten Konferenz und auch den letzten in diesem Jahr brachte Christoph Niemann. Seine Werke (u.a. für den New Yorker) sind intellektuell und doch herzlich, seine Kreativität scheint ins Unermessliche zu gehen – ein wirklich inspirativer Ausklang.

Was bleibt also als Fazit mitzunehmen? Neben den vielen neuen Ideen hier noch die wichtigsten Fakten, die man für die Zukunft beherzigen sollte:

  1. “Mobile First!” (Luke Wroblewski) – Benutzer von Mobile Devices nehmen stark zu, verdoppeln sich gegen Ende des Jahres sogar im Vergleich zu 2010.
  2. Die Entwicklung für mehrere Screengrößen wird durch mit Hilfe von CSS anpassbaren Inhalte erleichtert.
  3. Gerade im Hinblick auf mobile Devices sollte in Zukunft bei Sonderschriften auf Webfonts zurückgegriffen werden und nicht mehr auf Bilder (Skalierbarkeit + Wartbarkeit)!
  4. Flash und Adobe InDesign liegen in ihren letzten Atemzügen, der Aufprall von HTML(5) und CSS traf sie wohl doch zu stark.
  5. Beliebtestes Wort auf der TYPO unter anderem: Hinting.
  6. “2.0 Web designers love clouds! Oh yes, they do!” (Donald Beekman, Donald Roos)
  7. “Do a search on Google Images – and then FORGET IT ALL!” (Michael Johnson)
  8. “People haven’t changed much over the centuriers, I call it PEOPLE 1.0” (Tim Fendley)
  9. “If you give it a sense, it makes sense.” (Wittgenstein)

Isabella Fahrner, Margit Blauhut

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