(Deutsch) Marketing Porno, please RT!

24. June 2011

Meshed#3: Für die dritte Auflage der Social Media Konferenz über zukunftsweisende Trends in der digitalen Welt holte Veranstalter Netural Marketing-Profis, Blogger und Twitter-Poweruser in die Stahlstadt Linz – konkret gleich in die voestalpine Stahlwelt.

Sechs packende Vorträge rüttelten an Grundsätzen und warfen neue, spannende Ideen in den Raum, zwei Podiumsdiskussionen schlugen die Brücke zur Praxis.

Den Auftakt machte ein Paukenschlag: Christian Blümelhuber verglich klassisches Marketing mit Xavier Naidoo: irgendwie schleimig und omnipräsent. Wichtig sei sich klarzumachen, dass man dabei aus gutem Grund auf Schritt und Tritt auf die Zahl drei stößt. Gutes Marketing sei nämlich keine Liebesgeschichte, sondern ein Porno. Sprich, eine rasche Folge von schnellen Nummern. Da kann auch mal ein Blindgänger dabei sein. Blümelhuber plädiert daher für die Sperma-Strategie: Einmal links, einmal rechts hinschwimmen – was funktioniert, penetriert. Was nicht funktioniert, wird fallengelassen.

Ähnlich mitleidlos erteilte Social Media Scientist Dan Zarrella vom Bostoner HubSpot den „Einhörnern und Regenbogen“ der klassischen „Hippie“-Philosophie des „Liebe deine Follower“-Segments eine Absage. Empirische Wissenschaft und harte Fakten schlagen Bauchgefühl. Gehört wird das Laute, gesehen das Große. Size matters. Beweisen die Zahlen.
Twitter liefert die Lektionen fürs Virale: Die Gewinner reden nicht über sich selbst, sondern bieten etwas an, Info, Image oder Produkt. Sie sind Stars, Gründer, Gurus oder Experten, aktiv, statt zu jammern. Und sie sind direkt: Please RT! Kaufe jetzt! Ruf mich an!
Facebook ist die Plattform für den Mainstream: Jammern, Insider-Sprech und Fachchinesisch sind out, Positives, Stylishes und Cooles ist in. Schließlich will man sich beim Teilen nicht blamieren. Das Thema, das immer zieht, schließt gleich den Kreis zum Vorredner: Sex ist sexy.

PR 2.0 war Thema der ersten Diskussion, in der Anne Grabs (Follow me!) in die gleiche Kerbe hieb wie Blümelhuber und Zarrella: Machen, tun, los, jetzt.

Visual Thinking-Bloggerin Suma Mandagiri aus Mumbai, Indien, versetzte das Publikum der meshed#3 mit ihrer handgezeichneten Präsentation in Entzücken. Sie warb für Bildersprache als Ergänzung und Mehrwert für das Wort. Es brauche nicht mehr als einen Bleistift und ein Blatt Papier – und die Chancen stünden gut, dass jeder im Saal schon jetzt Bilder nutze, um zu lernen und sich Zusammenhänge zu merken. Visuelles Denken erlaube mehr Freiheit als verbales, ohne Sprachbarrieren oder 26-Buchstaben-Limit.
Zweifler im Publikum brachten die Themen Bildrechte, mangelndes Zeichentalent und das klassische „wie soll das funktionieren“ auf. Fakt bleibt: An die Zeichnungen kann sich auch nach dem Vortrag jeder und jede erinnern.

Total Immersion CEO Bruno Uzzan sorgte mit einer Windows-Installation auf dem mitgebrachten Mac für Raunen im Publikum. Nach dem obligaten Technik-Crash (Murphy’s Gesetz!) stellte er den neuesten Stand der Augmented Reality Technologie vor. Die einstige Spielerei hat sich in Sachen Grafik wie in der Programmierung weit entwickelt und erschließt jetzt das Feld der kommerziellen Anwendungen. Skeptiker warfen ein, dass Technologie keine Geschichten erzählen könne. Was wahr ist. Dafür gibt es schließlich die Menschen. Netural Communication ist auf dem Gebiet Total Immersion Partner für Österreich, Süddeutschland und Osteuropa.

Bewegtbild-Profi und AMD-Gründer Achim Beißwenger packte enorm viel Wissen in seinen spannenden und stark vorgetragenen Beitrag und präsentierte fundierte Analysen. Leider blieb nur wenig Zeit für praktische Beispiele. Aber immerhin genug fürs Rezept des perfekten Web-Videos:

  1. Kreative Leitidee
  2. Erwartungshaltung brechen
  3. Neues kreieren
  4. Mitreißende Musik, gute Vertonung
  5. Grundbedürfnisse ansprechen
  6. Schlüsselreize anbringen: Augen, Kinder, Gesichter
  7. Humor
  8. Interaktivität

Gabriel Aldamiz-echevarria will Mädchen abhängig machen – von ihren eigenen Gleichgesinnten. Er hat mit Chicisimo eine Modeblogger-Zentrale im Web eröffnet und bietet den leidenschaftlich Interessierten ganz einfach die Plattform, ihrer interessanten Leidenschaft zu frönen. Direkter Mehrwert für ein klar definiertes Zielpublikum, der auch ein Leben neben Facebook erlaubt.

Einen kraftvollen Abschlusspunkt unter die meshed#3 setzte die von Anna Maria Wallner von diePresse.com souverän und unter Einbeziehung des leider zu vorgerückter Stunde nur mehr schütteren Publikums geführte Diskussion zum Thema Brand Credibility. Wer zu früh gegangen war, wurde nicht nur Opfer der entfesselten Elemente, sondern versäumte auch klare, praxisnahe Ansagen von CupCakes-Ikone Renate Gruber, Ja! Natürlich-Topkommunikatorin Ulli Cecerle-Uitz und Medienwissenschaftler Ramón Reichert.
Eingebettet in den direkten Bezug zu konkreten Fallbeispielen brachen sie die Erkenntnisse des meshed-Tages auf eine Handvoll klarer Dos & Don’ts herunter.
Do: authentisch sein, direkt und echt sein, die Wahrheit sagen, einbeziehen, sich trauen.
Don’t: lügen, schummeln, bestechen, löschen.

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