Das Potenzial der Microsoft Kinect für Digital Signage – Fragen an Thomas Grasslober

5. Juli 2013


Thomas Grasslober ist Produkt- und PR-Manager für Interactive Entertainment bei Microsoft Österreich.

Herr Grasslober, sehen Sie Microsoft als Technologieführer im Bereich der Gestensteuerung? Was macht die Kinect einzigartig?

Microsoft ist es mit dem Kinect Sensor gelungen, eine bis dahin sehr teure Hardware-Lösung zur Gestensteuerung für jedermann leistbar zu machen. So ist diese faszinierende 3D Technologie für die breite Masse zugänglich. Durch die einzigartige Kombination von 3D Sensor, den Mikrofonen zur Spracherkennung und -steuerung sowie der Software, die diese verschiedenen Datenströme zusammen führt und verarbeitet, haben wir einen riesigen Schritt in Richtung berührungsloser Steuerung gemacht, ein Schritt der bis zur Markteinführung des Kinect Sensors vielen nur in Science Fiction Filmen erreichbar schien. Microsoft ist im Bereich Gestensteuerung auf jeden Fall als Marktführer zu sehen, die Technologieführerschaft in diesem Bereich ist uns allerdings zumindest genauso wichtig.

Die Kinect ist primär eine Spielanwendung. Wie sieht Microsoft den Einsatz der Kinect in völlig anderen Lebensbereichen?

Mit dem Kinect für Xbox 360 Sensor haben wir vor einige Jahren eine Reise begonnen, die sich zuerst auf die Umsetzung als Spieleingabegerät beschränkte. Durch die Erweiterung mit Sprachsuche und Sprachsteuerung auf der Konsole wurde bald klar, dass dieser Sensor deutlich vielseitiger einsetzbar ist. Wir haben viel durch die begeisterte Entwicklercommunity gelernt. Schon sehr bald nach der Verfügbarkeit des Kinect Sensors haben Hobbyentwickler faszinierende Ideen mit dem Kinect für Xbox 360 angeschlossen an PCs im Internet demonstriert. So war es nur logisch, einen Kinect für Windows Sensor auf den Markt zu bringen, mit dem kommerziell verwertbare Ideen umgesetzt werden können.

Auch das leistet die Kinect: Rehab-Training für Kinder am Lakeside Center for Autism in Issaquah, Washington.

Kann oder soll Gestensteuerung die Touch-Bedienung ablösen?

Die Gestensteuerung befindet sich noch in ihren Kinderschuhen, daher ist es schwer abzuschätzen, wohin sich diese Technologie entwickeln wird. Während eine Touch-Steuerung vergleichsweise einfach umzusetzen ist, benötigt eine Gestensteuerung zum einen eine komplett andere Herangehensweise an die Programmierung von Applikationen, zum anderen sind die Technologieanforderungen andere. Sowohl die Gesten- als auch die Touch-bedienung werden – so denke ich – parallel existieren und je nach Anwendungsbereich ihre Stärken ausspielen.

Wie gefällt Ihnen die Idee, Brillen am POS mit Hilfe einer gestengesteuerten Augmented Reality-Installation zu präsentieren?

Die Produktpräsentation am POS mit Hilfe des Kinect Sensors bietet unglaublich viele Vorteile – sowohl für den Kunden, als auch den Händler. Kunden können sich einfach und schnell durch ein breites Sortiment an Produkten bewegen und diese Produkte – in diesem Fall Brillen – mit einer Bewegung ihrem virtuellen Ich aufsetzen. Das “Anprobieren” von dutzenden Brillen kann so in wenigen Minuten durch geführt werden – je nachdem in welcher Geschwindigkeit der Kunde es will. Der Vorteil für den Händler – Kunden können ohne Wartezeit das gesamte Sortiment durchforsten.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Microsoft Kinect SDK für die Beliebtheit der Kinect gerade bei experimentierfreudigen Entwicklern?

Schon bei der Einführung des Kinect Sensors haben Entwickler die Möglichkeiten des Sensors mit so genannten “Kinect-Hacks” ausgelotet. Mit dem Kinect SDK, also einer breiten Palette an Programmier-Unterstützungen für den Kinect Sensor, machen wir die Möglichkeiten des Sensors einer viel breiteren Masse an Entwicklern zugänglich und sind immer wieder fasziniert, welche Ideen und welches kreative Potential hier zu Tage tritt.

Was ist von der neuen Kinect zu erwarten, die im Herbst 2013 erscheinen wird?

Im November 2013 kommt mit Xbox One auch ein neuer Kinect Sensor mit deutlich höherer Auflösung, Genauigkeit und Präzision auf den Markt. Da dieser Sensor jeder Xbox One beigepackt wird, werden wir von Seiten der Spieleentwickler einen deutlich stärkeren Fokus auf die Einbindung des Sensors legen. Zuätzlich werden wir diesen technologischen Fortschritt im Laufe des Jahres 2014 auch in den neuen Kinect für Windows einfliessen lassen, um auch im PC- und kommerziellen Bereich diese Vorteile nutzen zu können. Wir blicken auf jeden Fall mit viel Freude und Spannung in eine Bewegungsreiche Zukunft mit Kinect.

Dieses Interview ist Teil des Blogbeitrags “Silhouette iMirror in groß am Wiener Flughafen”.


Weitere Fragen & Antworten zu Zitaten aus dem Blogbeitrag finden Sie hier:

Brian Amberg, CTO und Co-Founder Faceshift AG, Zürich
Adil Raihani, Senior Vice President Center Management Vienna International Airport
Constantin W. Wiesmann, Geschäftsführer Gebr. Heinemann Duty Free Wien
Albert Ortig, CEO Netural
Elisabeth Kneidinger, Head of eCommunication für Silhouette Eyewear