Interview Weihnachts-Artwork: „Der Reduktion kann ich viel abgewinnen“

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Silhouette iMirror “in groß” am Wiener Flughafen
Netural als digitaler Nährboden: Storyblok hebt ab

Beate Rathmayr gestaltete das diesjährige Netural Weihnachtsposter. Eine Reflexion mit der Künstlerin.

Wieviel ist klein? Wie lange dauert leise? Wie weiß ist ein Wert? - Fragen, die wir uns möglicherweise viel zu selten stellen. Und wenn wir es tun, gerne unbeantwortet lassen. Wohl genau deshalb finden wir Menschen wie Beate Rathmayr so toll, die sich stellvertretend in der Interpretation verlieren und uns dann, am Ende des Tages, näher rücken lassen. Die Linzer Künstlerin und Kuratorin gestaltete das diesjährige Netural Weihnachtsposter - mit viel Weißraum und unzähligen alten Bekannten als Foto-Miniaturen.

Beate Rathmayr,geboren 1969 in Oberösterreich, Studium an der Kunstuniversität Linz. Arbeitsschwerpunkte: konzeptuelle Fotografie, Video, Installationen. Initiatorin zahlreicher Artist Based Initiatives und Reiseprojekte. 2004 bis 2011 im Vorstand der Künstler- und Künstlerinnenvereinigung MAERZ. Seit 2007 gemeinsam mit Susanne Blaimschein für das Programm des KunstRaum Goethestrasse xtd verantwortlich.

Beate, der Ausgangspunkt für das diesjährige Netural Weihnachtsposter war das Thema „Nachhaltigkeit“. Du begegnest der Aufgabe als Künstlerin mit Praxisbezug und recycelst Figuren, die schon 2003 Protagonisten deiner Bilderserie „Dreamteams“ waren. Nun, Jahre später, sind die Darsteller/innen so frisch wie am Tag ihrer Ablichtung. Wie lief das Wiedersehen?

Wirklich schön. Um ein Projekt nach Jahren wieder aufzunehmen, braucht es meist einen Grund. Ich mochte die „Dreamteams“ immer gerne und durch die Idee mit dem Poster eröffnete sich eine neue Perspektive. Das hat mich gereizt. Zum anderen führte mich das Projekt seinerzeit mit Lydia und Albert (Ortig, Anm.) zusammen, was ebenso ausschlaggebend war.

Heraus kam ein Wimmelbild - und bei genauerem Hinsehen eine Art Soziotop, verwoben durch Beziehungsfragmente. Welcher Logik folgt die Anordnung der Charaktere?

Einer eher losen. Die kleinen Figuren habe ich so angeordnet, dass sie sich ansehen, Richtungen verfolgen, aufeinander reagieren, das Format erobern - und dabei trotzdem keiner offensichtlichen Ordnung folgen oder Regeln annehmen.

Weihnachten hat für uns immer auch mit Glück zu tun. (Und der Hoffnung, dass wir ein bisschen dazu beitragen können.) Wie steht es um das Gefühlsleben der Figuren? Sie wirken ja auf den ersten Blick sehr gesellig, obwohl viele von ihnen alleine stehen?

Das ist schwer zu beurteilen. Vielleicht ist ja das Glück auf Seite der Betrachter. Tatsächlich macht sich in mir ein Glücksgefühl breit, wenn ich den Figuren zusehe, sie bearbeite und ihre Beziehungen und Lebensweisen erdenke.

Gibt es unter den sich hier entfaltenden Geschichten persönliche Favoriten?

Nun, eigentlich dachte ich immer, ich habe meine Lieblingsmotive. Doch dann merkte ich auch, wie sie im Laufe der Auseinandersetzung wechselten. Manche sind ja sehr charmant, andere durchaus belanglos und einzelne fast zu eigenwillig, um sie als Lieblinge ganz nach vorne zu stellen. Doch sind alle auf ihre jeweilige Art notwendig.

Mikrokosmos, wörtlich genommen: Die Figuren sind klein, sehr klein sogar, drucktechnisch an der Grenze der Machbarkeit. Welche Rolle spielt deiner Ansicht nach Größe in einer Welt, die euphorisches Wachstum in vernünftige Grenzen weisen sollte? Sind Reduktion und Unscheinbarkeit mögliche Überlebenskonzepte?

Ich arbeite gerne mit nahezu unscheinbaren Phänomenen, wie hier mit Miniaturen, mit Farbe, die auf minimale Schattierungen reduziert ist oder auch mit kaum differenzierbaren Materialien. Dabei verbringe ich viel Zeit mit Kleinigkeiten und Nichtigkeiten. Ob das als Überlebenskonzept taugt, weiß ich nicht, aber der Reduktion selbst kann ich sehr viel abgewinnen.

Die Zukunft des Projekts? Wie geht’s weiter? Erleben die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander noch weitere Re-Arrangements?

Ich hab’ mich über die Einladung, Neturals Weihnachstposter zu gestalten, sehr gefreut. Und die Arbeit hat mir viele neue Gedanken und Anregungen beschert. - Ja, es sollte wohl weitergehen. - Wie genau, weiß ich noch nicht. Da möchte ich mich auch überraschen lassen.

Was wünscht du dir zu Weihnachten?

Hmm, gute Frage. Vielleicht Schnee. Der macht das Rundherum ruhiger.

Das mag ich.


Beitrag: Ernst Demmel / 17.12.2019

Kontakt

Netural GmbH
Peter-Behrens-Platz 2
4020 Linz

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