
Veröffentlicht am 01.05.2026
Rückblick auf das Netural KI Symposium | Teil 3 von 3
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Im dritten und nunmehr letzten Teil unserer Serie zum Netural KI Symposiums befassen wir uns damit, was KI in der Praxis bedeutet. Dominik Angerer zeigt, welche Rolle KI im Marketing spielt, während Claudia Wintersteiger und Philip Ginthör beleuchten, welche Schritte Organisationen gehen müssen, um die KI-Transformation zu meistern.
Bevor es aber zu den beiden Talks geht, hier noch ein paar Impressionen abseits der Bühne:
Transforming content operations and
marketing automation with AI | Dominik Angerer
Dominik Angerer, CEO und Gründer von Storyblok, sprach weniger über KI-Modelle an sich als vielmehr darüber, was KI für Marketing und Content Management bedeutet. 38% der Google-Suchanfragen führen heute zu keinem einzigen Klick mehr – die Antwort finden User direkt in der AI Overview. Auch Kaufentscheidungen starten inzwischen zu 42% bei ChatGPT & Co., selbst im B2B-Bereich.
(Anmerkung: Hier finden Sie unsere Tipps zu mehr Sichtbarkeit in ChatGPT & Co.)
Die Konsequenz: Wer in KI-generierten Antworten nicht auftaucht, verliert. Wer dort mit veralteten, falschen oder fragmentierten Inhalten auftaucht, verliert erst recht. Letzteres fasst Dominik Angerer unter dem Begriff "Content Debt" zusammen. Dazu gehört "Rotting Content" – Inhalte, die produziert und dann vergessen wurden: ein Artikel von 2016, der inhaltlich längst überholt ist, aber noch immer ranked; eine PDF-Datei, die eine veraltete Produktversion beschreibt. Besonders kritisch: LLMs von Google & Co. wurden bereits auf diesem alten Content trainiert – und das lässt sich nicht rückgängig machen.
Ein weiterer Aspekt von Content Debt sind "Fragmentierung" und "Vendor Lock-ins". Jedes Team dokumentiert, speichert und pflegt Inhalte für sich, baut Silos auf – und niemand bemerkt es, bis KI-Systeme genau diesen fragmentierten, widersprüchlichen Content als Grundlage verwenden. Und bieten die betreffenden Systeme keine offenen APIs, ist eine KI-Integration erst gar nicht möglich.
Dominik Angerers Handlungsempfehlungen*, um Content Debt zu begegnen: löschen, zusammenführen, über APIs zugänglich machen. Veraltete Inhalte gehören archiviert oder entfernt – nicht alles auf einmal, aber konsequent Schritt für Schritt. Gleichzeitig müssen Systeme und Teams zusammengeführt werden. Wer das intern nicht stemmen kann, holt sich Unterstützung von außen. Eine wichtige Faustregel dabei: Wenn ein System nicht alles, was in der UI möglich ist, auch über eine API abbildet – Finger weg.
Sind diese Grundlagen geschaffen, ergibt Marketing-Automatisierung Sinn – vom automatischen Übersetzen und Tagging per KI bis hin zu Workflow-Triggern und CMO-Reporting. Es muss jedoch explizit nicht alles mit KI automatisiert oder gelöst werden.
*Die detaillierte Checkliste gibt es im Video.
KI in Unternehmen heute –
vom Projekt zur Transformation |
Claudia Wintersteiger & Philip Ginthör
Den Abschluss des Abends gestalteten Claudia Wintersteiger und Philip E. Ginthör von Trainconsulting. Sie hatten in den Wochen vor dem Symposium zahlreiche Interviews mit Unternehmen geführt und ihre zentralen Erkenntnisse mitgebracht.
Ihre Kernbotschaft gleich zu Beginn: Bei KI haben wir es mit einer revolutionären Veränderung zu tun – nicht mit einer evolutionären. Damals, beim Übergang von der CD zum Streaming, hatte man noch 15 Jahre Zeit, "on the go" zu lernen. Heute vollziehen sich vergleichbare Transformationen in Monaten. Das bedeutet auch: KI-Strategien altern schlecht. Was gestern noch zukunftsweisend klang, ist heute möglicherweise schon überholt.
Doch nicht nur das hohe Tempo der technologischen Entwicklung stellt Unternehmen vor Herausforderungen – auch interne Fürstentümer und falsche Erwartungen hemmen die KI-Transformation. Wenn verschiedene Business Units ihre Daten nicht teilen, liegt das selten an technischen Hürden. Es liegt daran, dass Teilen Transparenz bedeutet – und Transparenz kostet Macht.
Auch die Erwartung, mit derselben Mannschaft einfach mehr Umsatz zu machen, ist laut Claudia Wintersteiger ein Märchen. Es braucht Data Analysts, KI-Engineers und ganz neue Rollen. Hinzu kommt, dass hochspezialisierte Fachkräfte in Pension gehen. Die Mannschaft verändert sich also durchaus – doch nicht nur das. KI verändert auch, was Führung bedeutet. Führung heißt künftig nicht mehr, der klügste Mensch im Raum zu sein. Führung heißt, Vertrauen aufzubauen, Unsicherheit auszuhalten und Orientierung zu geben.
Daraus abgeleitet, gaben Claudia Wintersteiger und Philip E. Ginthör den Besuchern des KI Symposiums die folgenden Handlungsempfehlungen mit auf den Nachhauseweg:
Etablierung eines Steuerungsteams: KI ist keine Aufgabe, die man dem CTO allein umhängt. Transformation braucht Macht-, Beziehungs- und Fachkapital – Menschen, die gut vernetzt und anschlussfähig in der Organisation sind.
Mitnehmen der Organisation von Anfang an: Transformation braucht Raum für Dialog, Begegnung und gemeinsames Schaffen. "People support what they have helped to create."
Gestaltung der Prozesse und Organisation: Es braucht veränderte Prozesse und Rahmenbedingungen (Rollen, Meetings, Verantwortlichkeiten, etc.) die schon heute gelebt werden. Wer künftig weniger Silos will, muss heute schon crossfunktionale Teams bilden. Wer Mensch-Maschine-Kollaboration anstrebt, muss jetzt Räume schaffen, in denen Menschen experimentieren dürfen.
Aufzeigen der Dringlichkeit und des Zukunftsbildes: Es braucht den schmerzhaften Blick auf die Gegenwart ("Warum kann es so nicht bleiben") und eine inspirierende Vorstellung der Zukunft ("Wo wollen wir hin"). Der Spannungsbogen zwischen beiden ergibt ein klares Narrativ – eine Geschichte, die bewegt.
Sie haben Fragen zur Implementierung von KI-Lösungen in Ihrem Unternehmen oder wollen wissen, wo strategisch zuerst angesetzt werden soll? Dann buchen Sie noch heute einen Beratungstermin.
Das vollständige Event – alle Vorträge, alle Impulse, alle Diskussionen – können Sie in der Videodokumentation des Symposiums nacherleben.















